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Veröffentlicht: 05.09.2013, 22:37 Uhr

Industriestandort Amerikaner beklagen deutsche Energiepreise

In Deutschland engagierte amerikanische Unternehmen machen gute Geschäfte. Die Energiewende halten sie für reformbedürftig - und haben das Gefühl, dass sich Deutschland zu sehr zurücklehnt.

© IMAGO DuPont-Werk in Hamm

Die hohen Energiekosten in Deutschland bereiten der Industrie immer größere Sorgen. Wenn diese Unternehmen Tochtergesellschaften amerikanischer Konzerne sind, müssen sie sich einem besonders unangenehmen Vergleich stellen: Denn in den Vereinigten Staaten sind die Energiepreise wegen des Abbaus von Schiefergas mit der sogenannten Fracking-Methode derzeit besonders niedrig. In Deutschland hingegen sorgt die Energiewende für stetig steigende Belastungen.

Carsten Knop Folgen:

Das merken auch die Mitgliedsunternehmen der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham): Sie fordern gut zwei Wochen vor der Bundestagswahl mehr Reformen für einen wettbewerbsfähigeren Standort. Es gelte, die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zurückzuführen und Produktion und Absatz der erneuerbaren Energieträger selbst stärker in den Markt zu integrieren, sagte Ralf Brinkmann, der Vizepräsident der Amerikanischen Handelskammer sowie Präsident und Vorstandsvorsitzender von Dow Deutschland ist. Man unterstütze zwar die Energiewende als solche, doch gelte es, einen ausgewogenen Energiemix zu gewährleisten.

Auch grundsätzlich hätten die Unternehmen das Gefühl, dass die kraftvollen „Agenda 2010“-Reformen in Deutschland in der jüngeren Zeit wieder aufgeweicht würden: „59 Prozent der von uns befragten Unternehmen sehen in Deutschland einen Reformstau“, sagte AmCham-Geschäftsführer Dierk Müller. Nur 22 Prozent seien der Meinung, dass Deutschland in der nächsten Legislaturperiode umfassende Reformen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik gelingen werden. Befragt wurden die Führungskräfte der umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland, deren Kapital zu mehr als 50 Prozent in amerikanischem Besitz sind; beteiligt haben sich 39 von ihnen.

Datenschutz soll Freihandel nicht belasten

Sie fordern neben einer bezahlbaren Energiewende zum Erhalt einer energieintensiven Produktion in Deutschland weniger Bürokratie, einen flexibleren Arbeitsmarkt und keine Steuererhöhungen. Große Hoffnung setzen sie in die angestrebte Freihandelszone zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union.

Dieses Abkommen dürfe auch durch die Diskussionen rund um die Datenüberwachung durch den amerikanischen Geheimdienst NSA nicht gebremst werden, sagt Bernhard Mattes, der Präsident der AmCham Germany und Chef von Ford Deutschland. Es sei unter allen Mitgliedsunternehmen unumstritten, dass Unternehmens- und private Daten geschützt werden müssten.

„Das ist die Voraussetzung dafür, Verbrauchervertrauen zu erhalten“, sagte Mattes. Ein Vertrauensverlust der Kunden träfe gerade amerikanische Unternehmen in Deutschland hart, seien hierzulande doch alle relevanten amerikanischen IT-Unternehmen mit eigenen Tochtergesellschaften vertreten.

65.000 Deutsche arbeiten für McDonalds

Die fünfzig größten amerikanischen Unternehmen in Deutschland konnten ihren Umsatz in Deutschland im vergangenen Jahr jedenfalls nochmals um 1,3 Prozent auf 176 Milliarden Euro steigern. Sie entwickelten sich damit besser als die deutsche Wirtschaft insgesamt (plus 0,7 Prozent). Zudem erhöhten sie die Zahl ihrer Mitarbeiter um 0,4 Prozent auf 357.000. Der Autohersteller Ford ist mit einem Umsatz von 16,6 Milliarden Euro nach wie vor der größte Vertreter der amerikanischen Konzerne in Deutschland, gefolgt vom Ölkonzern Exxon, dem Jet-Tankstellen-Betreiber Conoco Phillips, der GM-Tochtergesellschaft Opel und dem Mischkonzern General Electric.

Neu unter den zehn größten Unternehmen ist der Internethändler Amazon auf Platz sieben. Der größte amerikanische Arbeitgeber in Deutschland bleibt McDonalds mit rund 65.000 Mitarbeitern.

Noch dynamischer haben sich allerdings die deutschen Unternehmen in Amerika entwickelt. Sie beschäftigen rund 540.000 Mitarbeiter (plus 1,9 Prozent), kommen auf einen Umsatz von 265 Milliarden Euro - und haben im vergangenen Jahr amerikanische Unternehmen in einem Wert von rund 8,5 Milliarden Dollar übernommen, was einem Plus von 444 Prozent entspricht. Amerikaner haben in Deutschland umgekehrt Unternehmen für rund 4,2 Milliarden Dollar gekauft (minus 55 Prozent).

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Quelle: F.A.Z.

 

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