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Industriepark Griesheim : „Die Chemische“ weiter im Wartestand

Aufnahmefähig: Der Industriepark Frankfurt-Griesheim bietet reichlich Platz für Neuansiedlungen. Bild: Frank Röth

Autobahnen in der Nähe und ein eigener Gleisanschluss: Der Industriepark Griesheim hat einiges zu bieten. Doch hapert es mit Neuansiedlungen. Der Eigentümer hat aber wenig Druck. Das liegt an einem 50 Jahre alten Vertrag.

          Michael Brockmeyer ist nicht zu beneiden. Er soll Unternehmen für ein Industriegelände im Frankfurter Westen gewinnen. Das hört sich zunächst gut an. Schließlich mangelt es an solchen Flächen in der Stadt. In der vergangenen Woche erst hat der Gase-Unternehmer Stefan Messer aus Anlass des Industrieabends im Rathaus Römer auf diesen Umstand hingewiesen. Auch verfügt der von Brockmeyer betreute Industriepark Griesheim über eine reiche Tradition. Ehedem ein Teil der Hoechst AG, zählt das im Volksmund „die Chemische“ genannte Gelände an der Stroofstraße 1990 noch etwa 2700 Mitarbeiter.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Standortbetreiber Infrasite, dessen Geschäfte Brockmeyer führt, listet auf der Internetseite auch eine Reihe von Vorzügen auf: Er preist die leistungsfähige Logistik an, spricht von der optimalen Verkehrsanbindung durch die Nähe zur Autobahn, den eigenen Gleisanschluss und den Stückguthafen am Main und verweist auf den Flughafen. Nicht zu vergessen „die betriebsbereite, für Industriebetriebe ausgelegte Infrastruktur“ mit Ver- und Entsorgung und dem Werkschutz.

          Neuansiedlungen sind rar

          Der Haken ist aber: Bisher haben vor allem Betriebe aus Chemie- und Pharmabranche seinen Standort geprägt. Doch Neuansiedlungen aus diesem Wirtschaftszweig sind sehr rar hierzulande. Das gilt besonders für produzierende Betriebe. Auch deshalb dümpelt der Industriepark vor sich hin, zumal er in der jüngeren Vergangenheit namhafte Kundschaft und Arbeitsplätze verloren hat.

          Bild: F.A.Z.

          Den bisher letzten heftigeren Nackenschlag musste der Betreiber im Frühjahr 2016 hinnehmen. Der ebenfalls aus Hoechst hervorgegangene Konzern SGL Carbon aus Wiesbaden schloss dort seine zuletzt noch 150 Mitarbeiter zählende Fabrik für Elektrokathoden. Vor dem Hintergrund der weltweit schlechten Lage in der Stahlindustrie als Abnehmer der Kathoden und Billigkonkurrenz aus Asien arbeitete der Betrieb unwirtschaftlich.

          „Wir ziehen hier an einem Strang“

          Nach dem Aus für den SGL-Betrieb rutschte die Zahl der Beschäftigten unter die Marke von 500, auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Auf dem Schild vor der Einfahrt an der Stroofstraße ist das Logo von SGL Carbon aber neben den Schriftzügen der Hessischen Landesbahn und des Mitbewerbers Vias, die sich dort eine Werkstatt zur Wartung von Elektrotriebwagen teilen, weiter zu finden. Mit dem Markenzeichen von Clariant wirbt Infrasite auch nach wie vor. Zwar unterhält der Chemiekonzern schon seit gut zwei Jahren keinen Betrieb mehr am Standort. Allerdings gehört ihm das Gelände. Mithin ist auch Clariant an einem gut laufenden Industriepark interessiert. „Wir ziehen hier an einem Strang“, heißt es mit Blick auf Infrasite.

          Übergroßen Druck dürfte Clariant aber nicht verspüren. Denn SGL ist dem Konzern noch auf unbestimmte Zeit geschäftlich verbunden. Der Grund findet sich im Jahr 1967. Seinerzeit kam es zu einem auf 99 Jahre angelegten Erbbaurechtsvertrag für die Fabrik. „Am Erbbaurechtsvertrag zwischen SGL und Clariant für das Gelände des ehemaligen Graphitelektrodenwerks in Griesheim hat sich nichts geändert“, heißt es bei SGL in Wiesbaden. Folglich werden weiter Pachtzinsen fällig. „Was die alternative Nutzung unseres Geländes angeht, sind wir im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten prinzipiell offen für verschiedene Varianten und prüfen immer wieder verschiedene Anfragen“, sagt ein Sprecher. Demnach dient ein kleinerer Teil der Fläche einem Autologistik-Unternehmen schon als Parkplatz für Neufahrzeuge.

          Besser als nichts

          Das ist besser als nichts, aber nicht das, was sich Betreiber und Stadt wünschen. Soll die Liegenschaft doch nach Maßgabe des Masterplans Industrie und mit Blick auf den Bedarf an Gewerbeflächen für verarbeitende Betriebe gesichert werden. So steht es auch in einem neuen Magistratsbericht. Darin heißt es weiter, der Magistrat spreche schon mit verschiedenen Interessengruppen wie dem Grundstückseigentümer, Infrasite, am Standort vertretenen Unternehmen, der Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie und an einer Ansiedlung interessierten Firmen. Ähnlich äußert sich Brockmeyer. „Über Details dieser Gespräche kann in der Öffentlichkeit allerdings nicht berichtet werden“, lässt er zudem wissen. Der Standort-Manager versichert aber, Infrasite stehe in engem Austausch mit städtischen Ämtern und Institutionen wie der Wirtschaftsförderung Frankfurt, dem regionalen Standort-Marketing, der Hessen Trade & Invest und der Hessen Agentur. Sie alle hätten ebenfalls „die Entwicklung des Industrieparks Griesheim im Fokus“.

          In der Vergangenheit ist immer wieder von einem Reservekraftwerk die Rede gewesen, das dann laufe solle, falls Windräder, Solar- und Biogasanlagen sowie andere Kraftwerke einmal zu wenig Strom liefern sollten und das Netz zusammenbräche. Ob es kommt, steht dahin.

          Derweil kämpft sich der Mittelständler Weylchem im Industriepark Griesheim aus einer zwei Jahre währenden Talsohle, wie Geschäftsführer Rafael Reiser sagt. Weylchem stellt mit 110 Mitarbeitern Vorprodukte für Pflanzenschutzmittel her und leidet wie Konkurrenten unter einem schwierigen Markt, der auch niedrigen Getreidepreisen geschuldet ist. Die Firma hat dort 2016 erst eine Braunkohlestaub-Anlage zur günstigen Produktion von Dampf und Strom bauen lassen. Doch beklagt Reiser eine „schwierige Sitiuation mit Infrastukturkosten“. Im Industriepark Höchst müsste Weylchem einen mittleren einstelligen Millionenbetrag weniger dafür zahlen, sagt er. „Für uns als Mittelständler mit einem Umsatz von etwa 150 Millionen Euro ist das viel Geld.“

          Ein Neuzugang, der Ver- und Entsorgung beanspruchte, käme auch Reiser entgegen. In diesem Fall würden sich die Infrastukturkosten anders verteilen.

          Quelle: F.A.Z.

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