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Vernetzte Maschinen : Die Daten der Industrie werden zum Milliardengeschäft

Maschinen werden miteinander vernetzt: Mit der Digitalisierung entstehen große Mengen von Daten Bild: dpa

In der Industrie 4.0 fallen Daten an, die es bisher nicht gab. Wer sie für neue Geschäfte zu nutzen weiß, beherrscht die Welt von morgen. Anregungen aus der Elektroindustrie.

          Daten, Datenerfassung, Datennutzung, Datensicherheit. Daten treiben die neue Welt der Industrie 4.0. Mit zunehmender Digitalisierung der gesamten Wirtschaft fallen immer mehr Daten an. Aus der Bündelung und Auswertung dieser Daten werden neue Geschäftsideen entstehen, vor allem neue Dienstleistungen. Die Nase hat der vorn, der als Erster aus den Daten etwas macht, ist Michael Ziesemer überzeugt, der Präsident des Branchenverbandes der Elektroindustrie ZVEI. Als Branchenpräsident, aber auch als Geschäftsführer des auf Mess- und Regeltechnik vor allem in der chemischen Industrie spezialisierten Unternehmens Endress + Hauser werde er häufig von Kunden gefragt, was Endress + Hauser als Hersteller in Bezug auf Industrie 4.0 tue und was der Kunde tun müsse, um seine Anlagen Industrie-4.0-fähig zu machen. „Ich antworte dann, fangt klein, aber jetzt an. Macht Erfahrungen, dann durchlauft ihr einen Lernprozess und seid auf die nächsten Schritte vorbereitet.“ Nur durch aktives Tun erkenne man eigene Stärken und Schwächen, erkenne, ob die eigene IT ausreiche, oder ob man externer Unterstützung bedürfe.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Industrie 4.0 - also die Digitalisierung und Vernetzung der gesamten Produktion im Unternehmen und über das eigene Unternehmen hinaus - verändert vor allem Geschäftsmodelle. Und mit der Veränderung der Geschäftsmodelle werden auch teilweise jahrzehntealte Branchengrenzen obsolet. „In vielen Fällen wissen wir nicht, wie sie sich verändern, aber wir wissen, dass sie sich verändern werden“, beschreibt Ziesemer auch die bestehende Unsicherheit bei vielen Herstellern. Das dürfe aber nicht dazu verleiten, nichts zu tun.

          Wem gehören die Daten?

          Mit der Digitalisierung entstehen große Mengen von Daten. „Von Daten, die es bisher so nicht gab. Und weil es sie bisher nicht gab, ist die Frage, wem sie gehören und wer ein Nutzungsrecht an ihnen hat, alles andere als trivial“, sagt Ziesemer. Ein Hersteller hat seine Maschine verkauft und dafür sein Geld bekommen. Hat er ein exklusives Recht auf die und an den Daten, die diese Maschine erzeugt? So wird es heute von Triebwerksherstellern gehandhabt oder auch von Aufzugherstellern. Sie nutzen die Daten „ihrer“ Anlagen dazu, effiziente Wartungsdienste anzubieten. Autohersteller lassen sich inzwischen in Kaufverträgen zusichern, dass alle Daten, die das Fahrzeug liefert, ausschließlich dem Hersteller gehören und von ihm genutzt werden dürfen - auch um Haftpflichtversicherungen oder andere Dienstleistungen anzubieten, die bisher von Dritten (Versicherungsunternehmen) kamen. Entstehen hier neue Monopole, fragt sich Ziesemer. Daten müssten vor allem dort frei zugänglich sein, wo daraus neue Produkte und Märkte entstehen.

          Andererseits leben Hersteller von der exklusiven Auswertung der Daten über den gesamten Produktlebenszyklus ihrer Anlage. Viele Hersteller machen mit dem Verkauf der Anlage keinen Gewinn, sondern mit dem sogenannten After-Sales-Service, also vor allem der Wartung der Anlage. Durch die Digitalisierung und Vernetzung kommt es zu einer weiteren Veränderung. Da künftig auch Daten über freie Maschinenkapazitäten zur Verfügung stehen, werden viele Nutzer sich keine eigene Anlage mehr kaufen, sondern nur noch Nutzungsrechte erwerben. Die gemeinsame Nutzung von Autos (Carsharing) ist schon Realität, wenn sich aber künftig auch Werkstücke ihre Werkzeugmaschine selbst suchen, „dann wird auch hier aus dem Produktgeschäft ein Dienstleistungsgeschäft“. „Für Hersteller bedeutet das, künftig viel mehr Betreibermodelle anzubieten als heute“, ist Ziesemer überzeugt.

          Michael Ziesemer
          Michael Ziesemer : Bild: dpa

          Aber wer bisher nur Maschinen gebaut und geliefert hat, braucht mit der Vernetzung einen Dienstleister, der ihm hilft, die Daten zu erfassen, sie einzulesen, zu speichern, Datenstromanalysen zu erstellen (Kontrolle der Signale), die Daten darzustellen, sie zu entscheidungsrelevanten Informationen aufzubereiten und ihre Sicherheit zu überwachen. Das sind Plattformanbieter wie Microsoft, Cisco oder T-Systems als Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom. Eine wichtige Frage sieht Ziesemer darin, wie man diesen Dienstleister (Provider) wechseln kann, ohne den Datenfluss wieder neu aufbauen zu müssen und ohne Informationen zu verlieren.

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