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Im Porträt: Rainer Schaller Der Muskelmacher von McFit

 ·  Früher war er ein Edeka-Händler. Heute gehört ihm Deutschlands größte Fitnesskette McFit. Jetzt will Rainer Schaller ins Ausland expandieren, und so ganz nebenbei hat er noch die Loveparade gekauft. Die Erfolgsgeschichte eines unkonventionellen Unternehmers.

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Als Rainer Schaller 1997 sein Fitnessstudio in Würzburg eröffnete, schrieb er auf die Werbezettel in großen Buchstaben „Jetzt auch in Würzburg“. Er grinst über das ganze Gesicht, wenn er erzählt, wie ein Mann ihn damals fragte, wo er denn sonst noch Ableger hätte. Denn Würzburg war sein erstes und damals einziges Studio, ein Experiment.

Er hatte gerade einmal genügend Geld für gebrauchte Fitnessgeräte auftreiben können. Beim Renovieren der 700-Quadratmeter-Halle hatte er mit einem Handwerker zusammen alles selbstgemacht: Fliesen legen, Boden schleifen, Teppich kleben. Nun war er im Studio auch noch Mädchen für alles: Trainer, Buchhalter, Inkassounternehmer und Chef. Angestellte konnte er sich nicht leisten.

Fitness möglichst günstig

Damals kamen gerade die ersten größeren Fitnessstudios auf, die - anders als die Muckibuden der Bodybuilder - für das breite Publikum da sein wollten. Rainer Schaller wollte dabei sein. Seine fixe Idee: Fitness möglichst günstig anbieten, ohne den teuren Wellness-Schnickschnack, auf den die anderen setzten. Also kein Schwimmbad, keine Sauna, kein Solarium, keine Hüpfkurse.

Wer seine Ausdauer trainieren wollte, musste eben aufs Laufband gehen. Sogar Duschen kostete extra. Im Gegenzug war der Mitgliedsbeitrag sehr günstig. Heute liegt er bei 16,90 Euro pro Monat. Rainer Schaller nennt das einen „absoluten Kampfpreis“. Seit der Gründung sei er nur einmal erhöht worden. Seinen Laden taufte Schaller konsequenterweise McFit, um den günstigen Preis schon im Namen zu tragen (siehe auch: Zur Person: Rainer Schaller und sein Unternehmen).

Mehr als eine halbe Million Mitglieder

Was nach eintöniger Gewichte-Schinderei klingt, traf einen Nerv bei den Würzburgern. „Damals war der Preis ein entscheidendes Kriterium“, sagt Schaller. „Nach einem halben Jahr haben wir vergrößert, die Halle neben uns war zum Glück noch frei.“ Dann hat er expandiert: erst in Bayern, später ins Ruhrgebiet. Das war Ende der neunziger Jahre.

Heute ist McFit ein Unternehmen mit 90 Filialen von München bis Kiel und einem Umsatz von rund 100 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Mehr als eine halbe Million Menschen sind Mitglied. Damit ist McFit die nach Mitgliedern größte Fitnessstudiokette Deutschlands.

Jahrelang stand das Unternehmen auf der Kippe

Der Erfolg von McFit blieb lange unbemerkt, denn das Unternehmen veröffentlichte acht Jahre lang keine Zahlen. Wahrscheinlich war Schaller auch deshalb so zurückhaltend, weil McFit jahrelang auf der Kippe stand. „Die ersten drei Jahre waren sehr hart“, sagt er. „Da bin ich ein paarmal knapp am Ruin vorbeigeschrammt.“ Später fürchtete er den Wettbewerb.

„Mir war klar: Wenn wir mit den Zahlen an den Markt gehen, werden wir schnell Nachahmer bekommen“, sagt er. Viele in der Branche blickten damals noch auf McFit herab. Das Unternehmen wurde als Unterschichten-Muckifabrik ohne Flair abgestempelt, als Billigheimer ohne Zukunft. Das änderte sich erst Anfang 2006, als McFit Zahlen bekanntgab und damit großes Erstaunen auslöste. Im Juni 2007 übernahm es dann auch noch die Nummer zwei der Billigstudios, Fit24, und war endgültig etabliert neben der teureren Fitness Company und dem eher auf Gesundheit ausgerichteten Kieser Training.

Zielgruppe ist zwischen 15 und 35 Jahren

Heute hat Schaller neben der Zentrale in Schlüsselfeld ein Büro in Berlin-Prenzlauer Berg, in der Backfabrik, wo unter anderem auch die Studenten-Internetgemeinschaft StudiVZ residiert. Gerne zeigt er die frisch-farbigen Räume samt hippen jungen Mitarbeitern und das neue, helle Studio gleich nebenan.

Es sei ein Vorurteil, dass nur schlechter gebildete Geringverdiener bei McFit trainierten, erzählt er, als er durch den Fitnessraum führt. „Wir haben viele Akademiker und Studenten.“ Letztere hätten ja auch nicht viel Geld und wollten trotzdem gut aussehen. Auch Schüler gibt es ganz offensichtlich viele. Allein im Prenzlauer-Berg-Studio tummelt sich eine ganze Clique Jungs. Zielgruppe, so Schaller, seien Menschen zwischen 15 und 35 Jahren.

Vorwurf Ausländerfeindlichkeit

Ob das Studio im Akademikerstadtteil jemals Gewinn abwerfen wird, ist unklar. Ein gutes Marketing ist es auf jeden Fall. Das könnte McFit nützen, denn das Unternehmen expandiert zwar, es kämpft aber auch gegen den Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit. Im Jahr 2004 stellte die Sendung „Klartext“ des Rundfunks Berlin-Brandenburg in einem Test fest, dass bei McFit Ausländer systematisch abgewiesen wurden.

Im Internet wird das Thema heiß diskutiert. Rainer Schaller sagt: „Ich habe mich damals persönlich darum gekümmert. Es ging um einen einzelnen Mitarbeiter, von dem wir uns getrennt haben.“ Bei einem zweiten Test im Jahr 2005 hat die Testperson von „Klartext“ keine Diskriminierung in den Berliner McFit-Studios mehr erfahren. „McFit hat also Wort gehalten“, konstatiert „Klartext“.

Die Loveparade gekauft

Solches Verhalten zu stoppen ist auch im Sinne des Wachstums des Unternehmens. Schaller will beispielsweise dieses Jahr ins Ausland expandieren. Da passt eine Diskriminierung von Ausländern nicht ins Bild. Um schon einmal jenseits der deutschen Grenzen bekannt zu werden, hat sich Schaller im Jahr 2006 ein imposantes Marketinginstrument gekauft: die Loveparade.

McFit ist nun Hauptsponsor bei dem oft schon totgesagten Techno-Massenspektakel. Ihr Urvater Dr. Motte mag Schallers Technoparade nicht, lästerte in seinem Weblog über Fitnesskettenwerbung und inkompetente Moderatoren. Rainer Schaller sieht das anders. „Dr. Motte war nicht mehr in der Lage, die Loveparade jung und dynamisch zu gestalten“, sagt er.

Die Banken wollten Schaller kein Geld geben

Also kaufte Schaller die Markenrechte, übernahm die Organisation und verlegte die Parade kurzerhand ins Ruhrgebiet. 1,2 Millionen Menschen kamen im vergangenen Jahr nach Essen. Die Loveparade garantiere „weltweite Aufmerksamkeit“, sagt er. Ein tschechischer Sender habe beispielsweise stundenlang live übertragen. So kennen nun auch einige Tschechen das Maskottchen von McFit, eine Banane mit Turnschuhen.

Dass McFit einmal so groß werden würde, das hat vor zehn Jahren niemand außer Schaller selbst für möglich gehalten. Die Banken nicht, die Schaller kein Geld leihen wollten. Die Eltern nicht, die laut Schaller mit Enterbung drohten. Für die hatte der junge Firmengründer, das erzählt er gerne, eine passende Antwort: „,Ihr habt ja gar kein Erbe', habe ich gesagt.“

Lehre bei Edeka

Große Worte spucken fällt Rainer Schaller nicht schwer. Dabei ist es für den Zuhörer schwierig zu unterscheiden, was er sagt, um Lacher für einen besonders markigen Spruch zu ernten, und was er ernst meint. In der Schule, gibt Schaller zu, sei er nie der Hellste gewesen. Intelligenzmäßig habe er sich seinem Bruder Gerd unterlegen gefühlt - was er sofort deftig kommentiert: „Einen Intelligenten braucht die Familie. Und einer muss malochen.“

Klar, dass Schaller sich als denjenigen sieht, der malocht hat. Sein Bruder studierte gleichzeitig Musik und Medizin und arbeitet heute als Dirigent. Rainer Schaller dagegen malochte schon mit 15 Jahren viermal pro Woche an den Fitnessgeräten, die er im Keller der Eltern verwahrte. Nach der Schule machte er mit 17 Jahren eine Lehre als Einzelhandelskaufmann bei Edeka. Schon sein Großvater besaß einen Edeka-Laden, seine Mutter besitzt ihren noch immer. „Ich war damals noch nicht so weit, selbst zu entscheiden, was ich machen will“, sagt Schaller.

Einen letzten Edeka-Laden behält er

Er blieb zunächst in der Spur der Edekaner-Familie, machte seinen Betriebs- und Handelsfachwirt, übernahm mit 22 Jahren den ersten eigenen Edeka-Markt und innerhalb kürzester Zeit noch drei weitere Edeka-Läden rund um seine bayerische Heimat Schlüsselfeld. Bis er merkte, dass das Geschäft ihm weder viel Freude machte noch viel Geld einbrachte. Er besann sich seiner schlechten Erfahrungen mit Fitnessstudios, beschloss, es besser zu machen, und verkaufte zwei seiner vier Edeka-Filialen für das Startkapital.

Entgegen aller Vorhersagen hat er sich durchgesetzt. 2008 will er 30 neue Filialen eröffnen und noch mehr Mitglieder gewinnen. „Deutschland verfettet“, sagt Schaller und erklärt sein Erfolgsrezept mit einer gewagten These: „Wir sind die Einzigen, die wirklich auf den Trend Attraktivität setzen.“

Er selbst wird aber weiterhin nicht dabei sein. Denn er stemmt seine Gewichte lieber im Keller in Schlüsselfeld. „Versuchen Sie mal in einem Studio zu trainieren, in dem Sie jeder kennt.“ In Schlüsselfeld ist auch die McFit-Zentrale und sein letzter eigener Edeka. Den behält er. Man weiß ja nie.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.01.2008, Nr. 1 / Seite 36
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Jahrgang 1979, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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