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Im Porträt: Marc Sommer : Der Herr der Quelle

Für Quelle zuständig: Arcandor-Vorstandsmitglied Marc Sommer Bild: dpa

Er galt als Kronprinz des abgelösten Arcandor-Chefs Thomas Middelhoff. Dass statt seiner Karl-Gerhard Eick an die Spitze des taumelnden Konzerns geholt wurde, war ein schwerer Schlag für Marc Sommer. Egal: Sommer bleibt Herr der Versandtochter Quelle.

          In Bukarest, tausend Kilometer von der Fürther Zentrale entfernt, ist die Welt für Marc Oliver Sommer noch in Ordnung. Wenn Quelle dort zur Präsentation der neuen Frühjahrs- oder Herbstmode lädt, trifft sich die Haute-Volée der Stadt. Dort ist Quelle führender Online-Händler, dort kommen mehr als 60 Prozent der Bestellungen aus dem Internet, dort zahlen die Kundinnen sogar Geld für den begehrten Katalog. Dort gilt Quelle als schick. So entspannt wie bei seinen Visiten der osteuropäischen Niederlassungen konnte der im Arcandor-Vorstand für den unter Primondo firmierenden Versandhandel zuständige Manager seit seinem Amtsantritt im Januar 2006 in Deutschland zu keiner Sekunde sein. Denn hierzulande hat Quelle mit dem dicken Hauptkatalog seit Jahren beträchtlich zu kämpfen. Und jetzt findet dieser nur noch mit staatlicher Unterstützung den Weg zum Kunden.

          Brigitte Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Die Belegschaft mag nach dem Ergebnis der nervenaufreibenden Krisensitzung am Montagabend in Berlin extrem erleichtert sein, wie der Quelle-Betriebsratsvorsitzende am Morgen danach sagte. Doch um besser mit dem Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zu sprechen: „Quelle ist mitnichten gerettet.“ Oder auch um den vorläufigen Insolvenz-Verwalter Klaus Hubert Görg zu zitieren: „Das Ganze ist noch kein Selbstgänger.“ Mit Hochdruck haben die Teams um den Insolvenzverwalter, den Insolvenzberater und den Vorstand zuletzt nachgebessert, um grünes Licht für den Massekredit zu erhalten. Nun geht es mit kaum weniger Druck darum, ein Konzept dafür auszuarbeiten, wie es im September nach der Eröffnung des angestrebten Planinsolvenzverfahrens eigentlich weitergehen soll. Längst nicht ausgemacht ist, wie die Struktur des Gesamtkonzerns dann aussehen soll – und was am Ende von Arcandor überhaupt bleibt.

          Die Faustformel lautet „Dreimal 50“

          Er sei fest von der Zukunftsfähigkeit von Quelle überzeugt, ließ sich Sommer am Montag in einer Pressemitteilung zitieren. Mit seiner Strategie – weg vom traditionellen Versandhändler, hin zum modernen Homeshopping-Anbieter mit starken Auslandsgesellschaften – habe sich das Unternehmen eine Perspektive erarbeitet, die durch die jetzige Entscheidung bestätigt werde, macht er sich und seinen Leuten Mut. Sommers Intention dürfte der Erhalt der Primondo-Gruppe als Ganzes sein. Neben dem Inlandsgeschäft von Quelle gehören dazu vor allem die Auslandsgesellschaften und die nicht von der Insolvenz betroffenen Spezialversender wie Hess Natur und Baby Walz sowie der Einkaufssender HSE 24.

          „Dreimal 50“, so lautete die Faustformel für Sommers Strategie im Versandhandel, als er zur Sanierung und Rettung des chronisch kranken Versenders in Fürth antrat. Zu jeweils 50 Prozent sollte der Primondo-Umsatz nach seinen Plänen mittelfristig aus dem internationalen und dem nationalen Geschäft, aus dem Online-Handel und dem Katalog, aus dem Spezial- und dem Universalversand stammen. So weit ist es nicht gekommen, die Finanznot im Gesamtkonzern machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

          Ausbildung zum Dirigenten

          Sommer, der neben seinem Wirtschaftsstudium am Conservatoire National Supérieur in Paris eine Ausbildung zum Dirigenten abgeschlossen hat, galt zuletzt als Kronprinz des in diesem Frühjahr abgelösten Arcandor-Chefs Thomas Middelhoff. Denn schon im April 2008 wurde er zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt. Dass statt seiner Karl-Gerhard Eick an die Spitze des taumelnden Unternehmens geholt wurde, geschah auf Wunsch des Großaktionärs Oppenheim und war ein schwerer Schlag für ihn. Die Bankiers bewegten Sommer aber ganz ausdrücklich zum Bleiben, damit er seine Sanierungsaufgaben fortsetze. Wie Middelhoff war Sommer vor seinem Wechsel zu Arcandor langjähriger Bertelsmann-Manager. Seine Frau, die Tochter des langjährigen Bertelsmann-Chefs Mark Wössner, lernte er kennen, als er als Jungmanager für eine Veranstaltung in dessen Hause als Pianist für die musikalische Untermalung engagiert wurde.

          Bis sich der heute Sechsundvierzigjährige von Middelhoff für den neuen Job in Essen und Fürth überreden ließ, war er Mitglied des Vorstands der Direct Group Bertelsmann und Leiter der Buchclubs in Deutschland und Frankreich. „Die erfolgreiche Erneuerung von bereits verloren geglaubten Unternehmen“, hat er im Herbst 2005 in einem Fragebogen des Börsenblatts für den Deutschen Buchhandel auf die Frage geantwortet, welche unternehmerischen Leistungen er am meisten bewundere. Die Uhr dafür tickt. Spätestens bis Dezember muss das Geschäft laufen. Sonst versiegt Quelle endgültig.

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