29.07.2008 · Er führte Siemens mehr als ein Jahrzehnt lang, von 1992 bis 2005. Den Chefposten in dem Elektronikkonzern bezeichnete er einmal als den „schönsten Job“ der Welt. Jetzt fordert seine Traumfirma von ihm Schadenersatz im Rahmen der Korruptionsaffäre.
Seine Arbeit als Siemens-Vorstandschef hat Heinrich von Pierer einmal als den „schönsten Job“ beschrieben. Doch der glanzvollen Karriere folgte ein abruptes Ende. Seinen Posten als Aufsichtsratschef bei Siemens musste der heute 67-jährige Manager 2007 unter dem Druck der Korruptionsskandale beim Traditionskonzern räumen. Jetzt droht das Unternehmen sogar dem wohl bekanntesten deutschen Industriekapitän mit Schadenersatzforderungen.
Der Mann, der einst gar als ernsthafter Anwärter für das Amt des Bundespräsidenten galt, führte den Münchener Elektronikriesen von 1992 bis 2005 und wechselte dann in den Aufsichtsrat. Den Abschied vom Chefsessel krönte Pierer mit einem Rekordgewinn von 3,4 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2004 und legte damit die Messlatte für Nachfolger Klaus Kleinfeld hoch.
Allerdings hinterließ er Kleinfeld auch die Dauerbaustelle Siemens Com mit dem kriselnden Handy-Geschäft. Ausgerechnet bei Siemens Com flog im vergangenen Herbst ein System von schwarzen Kassen für Schmiergeldzahlungen auf. Pierer hatte allerdings immer wieder betont, nichts davon gewusst zu haben, ebenso wenig wie von den umstrittenen Beraterverträgen mit dem früheren Chef der Arbeitnehmerorganisation AUB.
Bescheiden und bodenständig
Der Manager selbst gilt als bescheiden und bodenständig. Auf seine fränkische Heimat lässt er nichts kommen. In Erlangen wurde der Nachfahr österreichischer Adliger 1941 als Heinrich Karl Friedrich Eduard von Pierer geboren und war dort von 1972 bis 1990 als CSU-Mitglied im Stadtrat vertreten.
Der bei Politikern aller Parteien gefragte Gesprächspartner wurde 2003 unter Rot-Grün Asien-Beauftragter der Bundesregierung und sprach im April 2004 als erster deutscher Konzernchef vor dem UN-Sicherheitsrat. Auch nach dem politischen Wechsel in Berlin blieb er ein gefragter Gesprächspartner und wurde Berater der Regierung Merkel. Vor wenigen Monaten wurde er jedoch diplomatisch aus dieser Funktion hinauskomplimentiert.
Im Mai 2008 leitete die Staatsanwaltschaft München gegen ihn und andere ehemalige Manager ein Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen „Verletzung der Aufsichtspflicht in Betrieben und Unternehmen“ ein. Pierer ließ daraufhin über seinen Anwalt erklären, er nehme diese Entscheidung zur Kenntnis und sei weiterhin zur vollen Kooperation mit der Staatsanwaltschaft bereit.
ein krimineller industriekapitaen
Hans Nix (jaxxr)
- 29.07.2008, 19:09 Uhr
Nach dem Absturz kommt der Aufstieg
Michael Miller (Bildungswirt)
- 31.07.2008, 13:47 Uhr
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