22.08.2007 · Nach dem Milliardenkredit zur Rettung der SachsenLB sind die Folgen noch nicht abschätzbar. Hat der Verwaltungsrat versagt? Schlummern weitere Risiken in der Bank? Ein Interview mit dem Verwaltungsratsvorsitzender über Liquidität, Risiken und das Geld der Sparer.
Nach dem Milliardenkredit der Sparkassen zur Rettung der Sächsischen Landesbank sind die Folgen noch nicht abschätzbar. In der Anteilseignerversammlung wurde Unmut darüber laut, dass die SachsenLB für dieses Jahr wohl keine Ausschüttung zahlen kann. Die Kommunen hätten sie fest eingeplant. Freilich stammten die Gewinne in der Vergangenheit vor allem aus solchen Kapitalmarktgeschäften, die der Bank jetzt zum Verhängnis wurden. Klar ist, dass Eigentümer und Kreditgeber auf die Kooperation mit einem strategischen Partner dringen. Der Verwaltungsratsvorsitzende und Mehrheitseigentümer, Sachsens Finanzminister Horst Metz (CDU), ist noch unsicher, wie die Verflechtung aussehen wird. Den Wert der Bank hält er für nicht geschmälert. Sparkassen-Kunden müssten nicht um ihre Einlagen fürchten. Die Kreditlinie der öffentlich-rechtlichen Institute für die SachsenLB ist mit 17,3 Milliarden Euro größer als der Landeshaushalt.
Herr Minister, hat nicht der Verwaltungsrat versagt, dem Sie vorstehen?
Bei den Engagements der Landesbank-Tochter handelt es sich um sehr gut bewertete Geschäfte, deren Bonität nie in Zweifel gezogen wurde. Diese Art ist am Markt weit verbreitet, und an ihnen ist nichts auszusetzen. Die Landesbank ist dennoch kurzfristig in den Strudel der Hypothekenkrise geraten. Die Frage fehlender Liquidität hat sich für die Gremien der Bank erst im Laufe der vergangenen Woche konkretisiert. Der Markt ist von Tag zu Tag enger geworden. Wir haben uns seit den ersten Anzeichen der Situation gestellt und innerhalb von nur drei Tagen eine Lösung gefunden.
Müssten nicht wenigstens die Vorstände ihren Hut nehmen?
Solche Fragen entscheidet nicht der Verwaltungsratsvorsitzende allein, sondern die zuständigen Gremien. Mit dem sehr guten Geschäftsergebnis für das Jahr 2006 hat der Vorstand der SachsenLB einen wichtigen Erfolg vorzuweisen. Sicher hätte ich mir manchmal schnellere und präzisere Informationen gewünscht.
Schlummern in der Bank weitere Risiken?
Nein, die Liquidität der Bank ist umfassend gesichert. Das bestätigen im Übrigen auch Bafin, Bundesbank und der Deutsche Sparkassen- und Giroverband.
Dennoch gilt die Bank eigenständig nicht als überlebensfähig. Die Verhandlungen mit der WestLB liegen auf Eis. Glauben Sie dennoch an eine Veräußerung?
Derzeit geht es uns vor allem darum, die Sachlage aufzuarbeiten, die Bank zu stabilisieren und das Vertrauen wieder herzustellen. Im Übrigen ist bekannt, dass die SachsenLB seit 2005 die Anlehnung an einen starken Partner sucht und Gespräche mit anderen Landesbanken geführt hat. Wie eine stärkere Verflechtung aussehen kann, ist noch offen.
Die West LB wollte einen hohen dreistelligen Millionenbetrag zahlen. Nun ist die Braut weniger attraktiv, drückt das den Preis für die SachsenLB?
Die Bank ist gegenwärtig durch die Marktstörungen betroffen. Die Produkte und Geschäfte der Bank sind gut bewertet und anerkannt und haben auch zu dem besten Jahresergebnis seit der Gründung der SachsenLB geführt. Ich sehe deshalb keinen Anlass, über den Wert der SachsenLB an sich zu spekulieren.
Wieweit schadet die Krise dem Modell der Sachsen Finanzgruppe, einer Holding aus Landesbank und Sparkassen?
Gar nicht. Die sächsischen Sparkassen sind nicht betroffen. Das Geld der Sparer ist sicher angelegt.
Wozu braucht ein kleines Bundesland wie Ihres überhaupt eine Landesbank?
Die SachseLB leistet ihren Beitrag zur Förderung des Mittelstands und zur Unterstützung der Sparkassen in Sachsen. Deshalb stehen wir zu der Bank. Als eine kleine Bank mit einem kleinen Heimatmarkt tut sie das auch mit Hilfe von Auslandsgeschäften.
Es gibt heftig Querfeuer von Abgeordneten Ihres Koalitionspartners SPD. Schaden die Attacken der Regierung?
Die Unterstellungen sind falsch und schaden der Bank wie auch dem Freistaat: Die SachsenLB pokert nicht und spekuliert nicht mit den Steuergeldern, wie dort gesagt wird. Auch haben wir nicht Desinformation betrieben, sondern im Gegenteil sehr zügig Transparenz hergestellt.
Herr Metz
Klaus Hill (morchel)
- 22.08.2007, 13:15 Uhr
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