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Im Gespräch: Thomas Ebeling „Herr Stoiber kann uns im Gebührenstreit helfen“

 ·  Thomas Ebeling hat als Vorstandsvorsitzender die Sendergruppe ProSiebenSat.1 saniert. Jetzt verspricht er Wachstum mit Sendern im Ausland oder dem Schuhverkauf im Internet. Auf Fußball muss der Sat.1- Zuschauer aber in Zukunft verzichten.

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Thomas Gottschalk, Günther Jauch, Fußball Champions League: ARD und ZDF kaufen ein wie im Rausch. Können und wollen Sie für ProSiebenSat.1 noch mitbieten, Herr Ebeling?

Bei manchen Themen wollen wir einfach nicht. Für uns als privat finanzierte Sendergruppe muss die wirtschaftliche Relation gegeben sein. Und nicht immer kann man mit Geld Marktanteile kaufen. Einer der bekanntesten Moderatoren, Günther Jauch, hat es am Sonntagabend mit der fast höchstmöglichen politischen Repräsentanz, nämlich der Bundeskanzlerin, nicht geschafft, sieben Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern zu holen. Und es ist schon verstörend, wenn überall Verlage und TV-Unternehmen auf Effizienz getrimmt werden und die öffentlich-rechtlichen Anstalten für die Jahre 2013 bis 2016 einfach 1,47 Milliarden Euro mehr Gebühren fordern können. Ich glaube, dass sich in einer Befragung die meisten Bürger gegen eine Zwangsgebühr in dieser Höhe aussprechen würden.

Die meisten Bürger lehnen auch Steuererhöhungen ab.

Richtig. Gerade weil die Menschen viel Geld im Jahr für Leistungen bezahlen, die sie nicht beeinflussen können, ist es für sie umso unverständlicher, jetzt noch mehr für Fernsehen zu bezahlen, das sie bei privaten Sendern kostenlos bekommen - und wo sie obendrein noch besser unterhalten werden.

ZDF-Intendant Markus Schächter sagt, dass die Öffentlich-rechtlichen in der Unterhaltung darauf verzichten, Menschen zu erniedrigen. Und er kritisiert, dass der Zuschauer „bei Sat.1 und Co. in Zukunft für Sportereignisse in HD-Qualität 5 Euro im Monat bezahlen“ muss.

Das ist grob irreführend und in der Sache falsch. ARD und ZDF geben sehr viel Gebührengeld für hochauflösendes Fernsehen aus - und waren übrigens trotzdem später dran als wir. Die privaten Anbieter hingegen müssen auch technische Innovationen refinanzieren. Primär gehen die Einnahmen an die Verbreitungsunternehmen. Nach Abzug aller Kosten bleibt ein äußerst geringer Anteil der HD-Gebühr bei uns hängen.

In Österreich schlägt die ÖVP Gebührengelder auch für private Sender vor, sofern diese ein hochwertiges Programm anbieten. Ist das ein guter Vorschlag?

Nein, wir können und wollen uns mit Werbung finanzieren. Dass sich die Öffentlich-rechtlichen mit Gebühren und Werbung finanzieren, verursacht aber die Asymmetrie im Wettbewerb.

Sie fordern ein Werbeverbot für ARD und ZDF?

Ja, absolut.

Werden Sie gegen diesen asymmetrischen Wettbewerb vor Gericht klagen?

Das prüfen wir. Uns ist natürlich zuerst an einer Einigung auf dem Gesprächsweg gelegen. Und in Gesprächen mit Ministerpräsidenten höre ich immer häufiger, dass sie vieles nicht mehr richtig finden, wie die Öffentlich-rechtlichen manches übertreiben. Wenn wir aber so nicht weiterkommen, müssen wir den anderen Weg beschreiten.

Bei Ihnen ist Edmund Stoiber seit kurzem Beiratsvorsitzender. In Brüssel leitet er eine Gruppe, die die Bürokratie verschlanken soll. Unterstützt er sie im Kampf gegen die mit Gebühren aufgeblähte öffentlich-rechtliche Konkurrenz?

Herr Stoiber berät uns in Fragen der Medienpolitik, da ist er einer der prägenden Politiker, er hat das duale System mit geschaffen, ein Experte par excellence. Sollte der Gebührenstreit mit ARD und ZDF auf die europäische Ebene verlagert werden, könnte uns Herr Stoiber helfen, dort Gehör zu finden.

Nicht nur ARD und ZDF machen Ihnen das Leben schwer. Das Internet krempelt die Medienlandschaft völlig um ...

... das ist das zweite Thema: Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich die Politik mit einer generellen Medienordnung befasste, die auch für Wettbewerber wie Google und Facebook gilt.

Was fordern Sie genau?

Entweder werden Google und Facebook angemessen reguliert, oder die bestehenden Regulierungen für die Fernsehsender werden gelockert. Hier sollte die Politik wichtige Themen betrachten: Inwieweit ist es noch fairer Wettbewerb, wenn Google TV-Formen anbietet? Wenn es klassisches Fernsehen ist, muss es dann nicht auch lizenziert werden? Kann Google die Lizenz umgehen, nur weil ein Server in Kalifornien steht? Und wie geht man damit um, dass Youtube einerseits für viele ein Verbreitungskanal ist, aber andererseits auch ein Wettbewerber. Dass das ZDF Youtube seit einiger Zeit gebührenfinanzierte Sportstudio-Inhalte zur Verfügung stellt, wundert einen ja kaum noch.

Nutzt ihnen eine Regulierung wirklich? Ist es nicht eher so, dass sich junge Zuschauer kaum noch zur festen Sendezeit vor den Fernseher locken lassen?

Das nichtlineare Verhalten wird überschätzt. Die Fernsehnutzung junger Menschen ist nicht rückläufig, im Gegenteil: Gerade in Online-affinen Haushalten steigt sie an. Natürlich sitzen viele vor dem Fernseher und surfen nebenbei im Internet. Aber wenn sie in einem Alter sind, in dem sie eine Familie gründen, sind sie schnell wieder bei den festen Anfangszeiten. Eltern mit zwei Kindern im Alter von drei und fünf Jahren schauen abends nicht alle gemeinsam in den Laptop.

Das ZDF glaubt offenbar, diese Zielgruppe mit Sportübertragungen zurückzugewinnen.

Die junge Familie holen Sie aber auch mit Spielfilmen und Shows vor den Fernseher. „Wickie und die starken Männer“ hatte bei Sat.1 30 Prozent Marktanteil, „Schlag den Raab“ erzielt bei ProSieben regelmäßig hohe Quoten. Sport allein ist es nicht.

Dann ist es ja nicht weiter schlimm, dass Ihnen das ZDF die Champions League weggeschnappt hat.

Glaubt das ZDF wirklich, Fußball sei das probate Mittel gegen die Überalterung seiner Zuschauer? Der Champions-League-Zuschauer ist in der Regel männlich und älter, und in der Halbzeitpause wird er sich möglicherweise nicht unbedingt nur dem „heute journal“ widmen, sondern zu den Privaten schalten. Mit Fußball kann man allenfalls dem Verwaltungsrat suggerieren, jünger zu werden. Das ZDF müsste junge Zuschauer ganz anders abholen.

Helfen Sie Herrn Schächter auf die Sprünge ...

... Aufgabe der großen öffentlich-rechtlichen Anstalten muss es sein, in ihrem Hauptprogramm junge Menschen über gesellschaftlich relevante Themen interessant zu informieren, so dass junge Menschen weiter aktiv am demokratischen Leben teilnehmen. ZDFneo ist dazu das falsche Signal.

Wird Sat.1 auf Fußball verzichten?

Wahrscheinlich. Wir werden nicht für die Übertragungsrechte des DFB-Pokals bieten. Allenfalls ein stabiles Bundesliga-Paket wäre für uns interessant, also etwa die Zusammenfassung der Spiele am späten Samstagabend. Aber ganz ehrlich, unseren erfolgreichen Serienabend am Sonntag bei Sat.1 unterbrechen wir dafür nur ungern.

Die Wiederbelebung von ran ...

...gibt es schon längst: zum Beispiel mit ran Boxen. Was die ARD bereit ist zu zahlen, um Bundesligafußball in ihrer Sportschau zu zeigen, ist der Wahnsinn. Die spannende Frage wird sein, ob irgendwann große Internetfirmen in die Auktion einsteigen und dann den Öffentlich-rechtlichen Konkurrenz machen. Wir müssen da jedenfalls wirtschaftlich denken.

Wofür steht Sat.1 ohne Fußball und seinen Senderchef Andreas Bartl?

Für Familienfernsehen, für deutsche Fiktion und Unterhaltung. Dazu hat Andreas Bartl wesentlich beigetragen. Und sein Nachfolger Joachim Kosack hat die deutsche Fiktion wiederbelebt mit großen Filmen wie „Säulen der Erde“ oder „Restrisiko“ und auch Serien wie „Danny Lowinski“ und „Der letzte Bulle“. Das Geld, das wir nicht mehr für den Fußball investieren, wird zu einem Großteil in lokale TV-Produktionen fließen. Das ist sicher ein gutes Signal für die deutsche Produktionslandschaft.

Denken Sie an den Kauf von Sendern im Ausland?

Auch das gehört zu unserer Wachstumsstrategie. Wir schauen uns vor allem im Mittleren Osten und im weitesten Sinne im asiatischen Raum um, also in Schwellenländern, in denen das Medium Fernsehen noch ausbaufähig ist.

In Deutschland haben Sie zuletzt den Frauensender Sixx gegründet. Kannibalisieren Sie Ihre anderen Programme?

Nein, das ist eine sehr gute Ergänzung. Sixx schauen Frauen zwischen 30 und 40 Jahren, da ist unsere Marketingstrategie voll aufgegangen. Der Sixx-Erfolg macht uns Mut für einen weiteren Sender für sogenannte Best Ager, also Menschen ab 40 Jahren, denen wir ein Qualitätsprogramm aus Serien und Spielfilmen, aber zum Beispiel auch Musikkonzerten bieten wollen. Es wird ein Sender irgendwo zwischen Arte und ProSieben sein.

Was bringen die Neuen Medien?

Sie sind eine unverzichtbare Ergänzung. Mit unserem Video-on-Demand-Portal Maxdome wachsen wir dynamisch. Gleiches gilt für unsere Online-Geschäfte. Hier suchen wir auch nach strategischen Partnern für Blockbuster-Spiele, sogenannte Triple-A-Games. Games sind das am schnellsten wachsende Segment der Unterhaltungsindustrie.

Und wie passt der Online-Schuhversender Zalando zu einem Fernsehkonzern?

Perfekt, denn er zeigt als Kooperationspartner bei TV-Werbung, dass TV einem jungen, kreativen Unternehmen sehr schnell zu großem Erfolg verhelfen kann.

Bleiben Sie bei Ihrer Prognose eines Rekordjahres für ProSiebenSat.1?

Ja.

Alles deutet auf eine Konjunkturabschwächung hin.

Natürlich ist das Fernsehgeschäft zyklisch, aber ich glaube, dass die Krise auch herbeigeredet wird. Im Buchungsverhalten unserer Werbekunden merken wir davon noch nichts. Sorge bereitet mir vor allem, wenn sich die Menschen vom Gerede anstecken lassen. Fakt ist: Deutschland ist stark, und wir sind es auch.

Das Gespräch führte Henning Peitsmeier.

Quelle: F.A.Z.
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