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Im Gespräch: Telekom-Chef René Obermann „Zaubern kann ich nicht“

Telekom-Vorstandschef René Obermann über seine murrenden Aktionäre, überzählige Stellen, Zukäufe im Ausland und gehackte iPhones.

© dpa Vergrößern René Obermann

Seit November 2006 ist René Obermann Chef der Telekom, und man kann nicht sagen, dass die Zeit seither besonders ruhig verlaufen wäre. Im Gespräch mit der Sonntagszeitung spricht er über seine murrenden Aktionäre, überzählige Stellen, Zukäufe im Ausland und gehackte iPhones.

Herr Obermann, haben Sie es schon bereut, Ihr Schicksal an die T-Aktie geknüpft zu haben?

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Wie kommen Sie darauf?

Sie haben doch gesagt, dass Sie sich in ein, zwei Jahren am Kurs der Aktie messen lassen.

Ich habe im Herbst 2007 gesagt, dass unsere Kursentwicklung in ein, zwei Jahren mindestens im Einklang mit der Branche laufen sollte. Und übrigens: Bis in den Januar ist unsere Aktie auch klar gestiegen, dann leider wie viele andere auch - ausgelöst durch die Kreditkrise und die Dollarschwäche - gesunken.

Bei Ihrem Amtsantritt im November 2006 notierte die T-Aktie bei 13,50 Euro. Heute liegt der Kurs unter 12 Euro.

Das stimmt. Nur, noch mal: Bis Januar hatten wir eine starke Kursentwicklung, sogar ein Zweijahreshoch. Unsere Strategie und unsere Ergebnisse wurden vom Kapitalmarkt honoriert. Erst mit der Kreditkrise ist die gesamte Branche, also auch Wettbewerbsunternehmen, deutlich zurückgegangen.

Fürchten Sie nun den Zorn der Aktionäre auf der Hauptversammlung am Donnerstag?

Ich will den Aktionären aufzeigen, welches große Potential unser Unternehmen hat. Und ich will deutlich machen, wie sehr wir uns anstrengen, den Wert des Unternehmens zu steigern. Nur: Zaubern kann ich nicht. Das ist Kärrnerarbeit, die braucht Vertrauen und Geduld. Immerhin zahlen wir eine gute Dividende.

Die Aktionäre halten Sie also mit hohen Ausschüttungen bei Laune: Die Dividende ist sechsmal so hoch wie das Ergebnis je Aktie im Jahr 2007. Wie lange lässt sich das durchhalten?

Wie im Quartalsbericht gezeigt, haben wir in den ersten drei Monaten 2008 unseren Überschuss gegenüber dem Vorjahr deutlich gesteigert. Zweitens leiten wir unsere Dividendenfähigkeit auch aus einer starken Bilanz und einem hohen Mittelzufluss her. Diesen sogenannten Cashflow haben wir 2007 sogar auf 6,6 Milliarden Euro steigern können.

Sie könnten die vollen Kassen auch für Zukäufe nutzen. Wollen Sie den drittgrößten amerikanischen Mobilfunker Sprint übernehmen?

Es ist unsere generelle Politik, solche Marktgerüchte nicht zu kommentieren. Das wäre unverantwortlich.

Aber Sie schauen nach Übernahmeobjekten?

Wir kaufen im Ausland zu, das ist bekannt. Das gilt für Regionen, wo wir bereits sind, aber auch für andere Märkte. Wir verlieren uns dabei nicht in Phantasien, sondern nutzen echte Chancen konsequent. In den vergangenen zwölf Monaten haben wir einige Milliarden für Akquisitionen in Amerika, den Niederlanden und Deutschland ausgegeben. Im Moment verhandeln wir in Griechenland. Bei Erfolg kämen auf einen Schlag fünf Märkte in Südosteuropa hinzu.

Die Deutsche Telekom hat jetzt zum ersten Mal im Ausland mehr Geld eingenommen als im Inland. Wird sich dieser Trend fortsetzen?

Ja, unbedingt. Wir wachsen im Ausland organisch und durch Zukäufe, während wir im deutschen Festnetzgeschäft regulierungsbedingt und politisch gewollt, traditionelle Telefonanschlüsse und damit Marktanteile verlieren.

Und demnächst spielt der ehemalige deutsche Staatsmonopolist zwei von drei Euro im Ausland ein?

Der deutsche Heimatmarkt bleibt für uns ganz wichtig. Aber das Auslandsgeschäft gewinnt weiter an Bedeutung. Der Auslandsanteil am Gesamtumsatz wird weiter steigen. Ob wir dann in ein paar Jahren bei zwei Drittel oder sogar mehr sind, wird sich zeigen.

Wäre das nicht der richtige Zeitpunkt, dass sich der Bund aus der Telekom zurückzieht? Was hat die deutsche Politik in den Mobilfunknetzen in aller Welt verloren?

Erst mal: Ich fühle mich unterstützt von unserem Großaktionär, sowohl bei den Reformen im Inland als auch bei den Expansionsschritten im Ausland. Wir werden in keiner Weise unter Druck gesetzt. Ob die Bundesregierung beabsichtigt, weitere Anteile zu verkaufen, das müssen Sie mit dem Finanzminister besprechen, nicht mit mir.

Mal ehrlich, für einen Manager ist ein so widersprüchlicher Eigentümer wie der Bund furchtbar anstrengend: Die Politik will einerseits Ruhe an der Gewerkschaftsfront. Gleichzeitig wird von Ihnen verlangt, den Kurs zu steigern.

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