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Im Gespräch: Miele-Gesellschafter „Erfolg ist ein sehr guter Leim“

Der Hausgerätehersteller Miele liegt seit 113 Jahren in der Hand der beiden Gründerfamilien Miele und Zinkann. Unabhängigkeit ist für die geschäftsführenden Gesellschafter des Hausgeräteherstellers Markus Miele und Reinhard Zinkann ein Schlüssel des Erfolgs.

© Pilar, Daniel Urenkel der Firmengründer: Markus Miele (links) und Reinhard Zinkann

Herr Zinkann, Sie haben im September geheiratet. Herzlichen Glückwunsch!

Johannes Ritter Folgen:

Zinkann: Vielen Dank.

Waren Sie der Trauzeuge, Herr Miele?

Miele: Nein.

Sie beide verbindet also in erster Linie das Geschäft?

Miele: Im Prinzip schon. Aber man muss dazu wissen, dass ich neun Jahre jünger bin als Reinhard Zinkann und, anders als er, in dieser Region aufgewachsen. Wir haben und hatten schon immer unterschiedliche Freundeskreise.

Wie würden Sie einander beschreiben?

Miele: Reinhard Zinkann kann sehr gut reden und mit Kunden umgehen. Er hat ein Händchen dafür, Menschen für unser Unternehmen, unsere Marke und unsere Produkte zu gewinnen.

Zinkann: Markus Miele ist sehr bodenständig und geradlinig und damit klar berechenbar, was ganz wichtig ist in einer Partnerschaft. Er beschäftigt sich intensiv mit der Technik und kennt jedes unserer Produkte ganz genau.

Nur weil man Miele oder Zinkann heißt, also Nachfahre der Firmengründer ist, ist man noch lange nicht qualifiziert für die Führung des Unternehmens. Wie wurden Sie ausgewählt?

Miele: Wer aus dem Kreis der Familie im Unternehmen arbeiten möchte, muss ähnliche Anforderungen erfüllen wie jemand, der von außen kommt. Wir haben beide unseren Lebenslauf eingereicht und uns vor dem Gesellschafterausschuss präsentiert, der bei uns Familienrat heißt. Außerdem mussten wir uns einen Tag lang den Fragen von zwei Personalberatern stellen, die anschließend ein Gutachten verfassten.

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Zinkann: Zwischen beiden Familien besteht Einigkeit, dass die Interessen des Unternehmens immer vorgehen. Hierzu zählt auch, dass unsere Gesellschafter ihren eigenen beruflichen Weg gehen, anstatt Anspruch auf einen Sitzplatz mit Beleuchtung bei Miele zu erheben.

Es gibt also kein ungeschriebenes Gesetz, wonach die Familie auf der Kommandobrücke sitzen sollte?

Zinkann: Nein. Schon heute besteht die Geschäftsleitung aus fünf gleichberechtigten Geschäftsführern, von denen drei keiner der beiden Familien angehören. Diese Konstellation ist aber keineswegs in Stein gemeißelt. Ob unsere Söhne und Töchter einmal unsere Nachfolge antreten und ob es in der Familie gegebenenfalls andere geeignete Kandidaten geben wird, ist völlig offen. Eine operative Führung ganz ohne Familie ist also nicht auszuschließen.

Der Familienrat besteht aus jeweils drei Vertretern Ihrer Familien. Sollten im Dienste einer objektiven Urteilskraft dort nicht auch familienfremde Fachleute vertreten sein?

Miele: Nein, entscheidend ist, dass die Mitglieder im Familienrat hochqualifiziert sind.

Gibt es Momente, in denen Sie, Herr Miele, am liebsten nicht „Miele“ hießen?

Miele: Bislang hat es die nicht gegeben. Dazu erzähle ich Ihnen eine Geschichte aus meinem Studium in Karlsruhe: Eine Kommilitonin kam zu mir zu Besuch und sah meine Miele-Waschtrockensäule. „Ach, guck mal, wie komisch, das Gerät heißt genauso wie du“, sagte sie - und kam gar nicht auf die Idee, das ich damit was zu tun hatte. So geht es vielen Menschen: Sie halten Miele für eine Aktiengesellschaft und nicht für ein Familienunternehmen.

Was ist der Vorteil eines Familienunternehmens?

Miele: Es ist immer das eigene Geld, über das man entscheidet. Wir denken also lieber einmal mehr nach, bevor wir größere Investitionen beschließen. Aber wenn wir uns erst einmal durchgerungen haben, sind die Entscheidungswege sehr kurz. Und dann haben wir einen langen Atem.

Der Nachteil ist aber, dass Sie sich kein Eigenkapital von außen holen können.

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