11.12.2007 · Gestern gab die Schweizer Großbank UBS bekannt, dass sie als Folge der Immobilienkrise in Amerika weitere zehn Milliarden Dollar abschreiben muss. Wer trägt die Schuld an dem Debakel? Jürgen Dunsch sprach darüber mit dem UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel.
Herr Ospel, noch am 30. Oktober stellte die UBS für das vierte Quartal wieder einen Gewinn in Aussicht. Jetzt wird daraus ein Verlust und für das Gesamtjahr auch. Kann man dieser Bank noch trauen?
Wir hatten noch einmal dramatische Marktverwerfungen im Oktober und vor allem im November. Wir haben daher Anfang Dezember unsere Bewertungsmodelle noch einmal neu kalibriert mit dem Ergebnis der jetzt vorliegenden Abschreibung in Höhe von 10 Milliarden Dollar. Auf der anderen Seite führen wir der Bank mehr als 19 Milliarden Franken neues Kapital zu. Damit minimieren wir die Belastung durch Spekulationen.
Hat die Bank damit einen Schlussstrich unter die Subprime-Krise gezogen?
Es war für mich schwer vorstellbar, dass ein solches Szenario wie das jetzt vorliegende eintritt. Aber ich habe auch nicht die Kristallkugel, die uns sagen könnte, was morgen oder übermorgen geschieht. Insgesamt haben wir rigoros Rückstellungen gebildet und fühlen uns jetzt komfortabel.
Wären die Rückstellungen noch höher ausgefallen ohne das kürzlich verkündete Zinserleichterungsprogramm in den Vereinigten Staaten?
Wir haben per Ende November kalibriert. Seit dem Zinserleichterungsprogramm für Hypothekenschuldner weisen die Marktindizes eher nach oben.
Wer trägt Schuld an dem Debakel?
Das war ein kleines Team von etwa 300 Personen innerhalb unserer Investmentbank von insgesamt rund 23 000 Personen. Sie haben einst diese Positionen aufgebaut, die zu jenem Zeitpunkt von höchster Güte waren. Diese Positionen waren daher nicht genügend prominent auf unserem Radarschirm. Aber natürlich reicht die Verantwortung über die Risikokontrolle und die Finanzabteilung quer durch die Bank bis zu mir. Wir sind alle mit verantwortlich. Da tröstet es wenig, dass ein so rascher Wertverfall von AAA-Krediten beispiellos in der Bankengeschichte ist. Es bleibt die Tatsache, dass wir eine zu hohe Konzentration von Risiken hatten.
Welche Folgen hat dies für Sie persönlich?
Wir hatten schon im Sommer drakonische Maßnahmen ergriffen, als klar wurde, dass wir falsch positioniert waren. Ich genieße das Vertrauen des Verwaltungsrats, des Regulators und der neuen Investoren. Ich will Teil der Lösung der Probleme sein. Daher schleiche ich mich nicht durch die Hintertür einfach davon.
Neben Ihrem Grundgehalt von zwei Millionen Franken im Jahr können Sie in jedem Jahr einen Bonus erwarten. Was wird aus Ihrem Bonus für 2007?
Ich erwarte keinen Bonus, und ich will auch keinen.
Haben Sie mit den neuen Investoren auch für sich selbst einen Vertrauensbeweis verschafft?
Vor allem zwischen der Government of Singapore Investment Corporation (GIC) und mir, aber auch anderen Personen dieser Bank bestehen seit langem persönliche Verbindungen. Die GIC hat bisher noch nie eine solch hohe Investition im Ausland getätigt. Der andere Investor ist von derselben Güte wie die GIC. Innerhalb von drei Tagen haben die beiden Anleger uns ihr Vertrauen geschenkt und die Investitionen zugesagt.
Was wäre in und mit der Bank geschehen ohne die Kapitalzufuhr der beiden künftigen Großaktionäre?
Auch dann wären die Abschreibungen verkraftbar gewesen. Wir hätten immer noch eine im Weltmaßstab überdurchschnittliche Eigenkapitalquote ausgewiesen. Für unser Vermögensverwaltungsgeschäft ist es allerdings wichtig, dass wir über eine der allerbesten Eigenkapitalquoten verfügen. Dies ist jetzt gesichert.
Aber jetzt leiden alle derzeitigen Anteilseigner unter der Gewinnverwässerung der UBS-Aktie, oder nicht?
Das Hauptinteresse der Aktionäre muss doch darin bestehen, dass wir im Vermögensverwaltungsgeschäft unsere Kundenbasis halten. Wir haben die Immobilienkrise in Amerika rigoros angepackt mit den Wertkorrekturen auf möglicherweise drohende Verluste. Nun können wir das Wachstum im Wealth Management weiterziehen. Daher sind die Maßnahmen für die Aktionäre vertretbar.
Warum gibt sich der nahöstliche Aktionär nicht zu erkennen?
Das ist seine Entscheidung. Mit der Bereitstellung von zwei Milliarden Franken hat er sein Vertrauen in uns zum Ausdruck gebracht.
Wären andere staatlich dominierte Fonds, etwa aus Russland, ebenso willkommen?
Wir haben nie in dieser Weise Diskriminierungen vorgenommen. Für uns galt bei der Investorensuche ein klarer Kriterienkatalog mit den Bestandteilen mindestens zwei Milliarden Dollar Volumen, Schnelligkeit, Qualität und Wirkung auf das Privatkundengeschäft. Grundsätzlich standen noch andere Interessenten bereit.
Bleibt es bei diesen künftigen Großaktionären?
In diesem Programm schon. Aber man kann künftig andere Transaktionen schnüren - auch mit Strukturen, die zu keiner Gewinnverwässerung für den bestehenden Aktionärskreis führen.
Läuft der Eigenhandel im Investmentbanking aus?
Die Bilanz wird kräftig heruntergefahren und soll primär dem Kundengeschäft zur Verfügung stehen und nicht der Ertragsgenerierung durch Eigenhandel.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.376,76 | −0,07% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2527 | −0,11% |
| Rohöl Brent Crude | 107,03 $ | −0,21% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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