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Im Gespräch: J.C. Flowers „Wir bleiben Aktionär“

04.05.2009 ·  HRE-Großaktionär Flowers lehnt das Angebot des Bundes für seine Aktien ab. Im Gespräch mit der F.A.S. sagt er, warum er der Bank partout die Treue hält und wie freundlich sein Verhältnis zu Bundesfinanzminister Steinbrück ist.

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Am Montag endet das Übernahmeangebot des Staates für die HRE-Aktien. Großaktionär J.C. Flowers hat bereits seine Ablehnung bekundet. Im Gespräch mit der F.A.S. sagt Flowers, warum er der Pleitebank partout die Treue hält und wie freundlich sein Verhältnis zu Bundesfinanzminister Steinbrück ist, der ihn enteignen will.

Herr Flowers, wäre ein Zusammenbruch der Hypo Real Estate so schlimm wie die Lehman-Pleite?

Der Zusammenbruch von jeder Bank dieser Größe wäre ein Desaster. Sollte die Hypo Real Estate kippen, wäre dies mit Lehman zu vergleichen – an dem Punkt bin ich einer Meinung mit Herrn Steinbrück und der deutschen Regierung: Ja, die HRE muss erhalten werden.

Warum weigern Sie sich dann, Ihre Anteile dem Bund zu verkaufen?

Weil wir als langfristig orientierte Anleger überzeugt sind, dass die neue HRE mit einem angepassten Geschäftsmodell auf Sicht wieder ein erfolgreiches Unternehmen werden kann. Deshalb ist die Aktie längerfristig auch mehr wert als die 1,39 Euro, die heute geboten werden.

Sie wollen mehr Geld.

Nein, das stimmt nicht.

Die Rede ist von 8 Euro, die Sie angeblich gefordert haben.

Das ist nicht korrekt. Lassen Sie mich ein für alle Mal mit diesen Unterstellungen aufräumen: Wir wollen keinen höheren Preis, wir wollen überhaupt keinen Steuercent, wir wollen Aktionär bleiben, uns als langfristig denkende Investoren an der Sanierung beteiligen. Es liegt uns, und damit meine ich vor allem die 500 Investoren, die wir beraten, doch allein aus systemischen Gründen nicht daran, die Bank bankrottgehen zu lassen. Im Übrigen sind es auch diese Investoren, die die Aktien der HRE halten. Das sind Pensionsfonds, Universitäten, Stiftungen, auch Geldgeber aus Deutschland.

Und die bestehen darauf, dass eine Bank, die nur noch dank der Milliarden des deutschen Steuerzahlers existiert, mehr wert ist?

Schauen Sie sich die testierten Jahresabschlusszahlen an: Der Nettobuchwert lag zum Jahresende bei 12,20 Euro pro Aktie, nach der Kapitalerhöhung im März bei 11,40 Euro. Ich verstehe nicht, warum die deutsche Regierung die Aktionäre unbedingt rausdrängen oder enteignen will.

Nicht der Staat enteignet Sie, kontert Herr Steinbrück. Das hat der Markt schon erledigt. Die Aktie ist an der Börse nichts mehr wert.

Die Krise hat viele Banken und Finanzinstitutionen in Turbulenzen gestürzt, in vielen Teilen der Welt greifen Staaten als Retter ein: Wurden hier überall die Aktionäre enteignet? Nein. Es geht auch anders. Wir haben der Regierung Vorschläge unterbreitet, wie sie mit 75 Prozent der Anteile die Bank vor der Insolvenz retten kann. Aber der Bund besteht auf 100 Prozent. Nur in diesem Fall. Auch in Deutschland sind Banken teils verstaatlicht oder haben den Rettungsschirm des Staates in Anspruch genommen. Ohne dass dort die Aktionäre rausgedrängt oder enteignet wurden. Diese Ungleichbehandlung ist aus Sicht der Investoren, die wir beraten, und für mich nicht schlüssig.

Der Vorstand der HRE bestätigt, dass ohne weiteres Kapital vom Staat die Insolvenz zwangsläufig wäre.

In diesem Urteil hat das neue Management fraglos recht, wie wir es überhaupt in seinem Kurs unterstützen. Wir bestreiten aber, dass der Staat dazu alle anderen Aktionäre hinausdrängen muss.

Nur so kann die Rettung gelingen, sagen die Experten: Minderheitsaktionäre machen die Sache langsamer und riskanter, da sie den Staat mit juristischen Verfahren erpressen könnten.

Um diese Angst auszuräumen, haben wir eine Lösung angeboten. So wäre es ein Leichtes, gesetzlich zu regeln, dass Rechtsmittel von Minderheitseignern gegen Restrukturierungsmaßnahmen keine aufschiebende Wirkung haben. Den Vorschlag haben die Vertreter der Regierung nicht akzeptiert, ja ihn nicht mal diskutiert.

Jetzt scheint die Sache gelaufen: Die Maschinerie läuft in Richtung Enteignung.

Der Gesetzgeber könnte sie immer noch anhalten.

Um ihn dazu zu zwingen, drohen Sie jetzt mit Klagen?

Wir werden selbstverständlich prüfen, wie wir die Interessen der Investoren am besten verteidigen. Rechtsgutachten bestätigen unsere Ansicht, dass eine Enteignung gesetzwidrig ist. Insofern rechnen wir uns gute Chancen auf dem Rechtsweg aus.

Herr Steinbrück lässt das kalt. Das sei Ihr Problem, hat er Sie öffentlich angeblafft. Wann hatten Sie zum letzten Mal persönlich Kontakt mit dem Finanzminister?

Es gab einige Gespräche auf Arbeitsebene, zum letzten Mal vor zehn Tagen, da war ich telefonisch an einer Besprechung in Frankfurt zugeschaltet.

Angeblich wurde es dabei sehr laut. Wie feindselig ist die Stimmung inzwischen?

Ich würde nicht sagen, dass man in diesem Kreis unfreundlich miteinander umgeht. Das ist eine professionelle Angelegenheit.

Spätestens am Montag müssen die HRE-Aktionäre ihre Anteile dem Bund andienen. Bis jetzt haben das sehr wenige getan. Rechnen Sie damit, dass am letzten Tag noch viele verkaufen?

Das wird so sein. Wie immer in solchen Fällen, werden sich viele Investoren am letzten Tag der Frist für das Übernahmeangebot entscheiden.

Glauben Sie, dass Herr Steinbrück das Angebot notfalls nachbessert?

Das müssen Sie ihn fragen. Wir wollen drinbleiben.

Werden Sie die außerordentliche Hauptversammlung am 2. Juni in München besuchen, auf der die Verstaatlichung beschlossen werden soll?

Ich habe es vor.

Stört es Sie, wenn Sie von der Politik vorgeführt werden als jemand, der um des eigenen Vorteils willen die Stabilität des Finanzsystems gefährdet?

Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Wir haben angeboten, konstruktiv mitzuarbeiten an der Sanierung der HRE. Genauso wie in all den anderen Instituten, an denen wir beteiligt sind und die in diesen Tagen in Schwierigkeiten stecken. Die HRE ist der einzige Fall, in dem wir letztlich enteignet werden sollen.

Herr Flowers, wie oft haben Sie es schon bereut, mit einer Milliarde Euro in diese Drei-Buchstaben-Bank eingestiegen zu sein?

Natürlich schmerzt so ein Verlust. Egal, wie es kommt: Es geht nur noch darum, ob wir sehr viel Geld verlieren. Oder sehr, sehr viel Geld. Aber letztlich geht es hier vor allem um die Zukunft der Bank und die Gleichbehandlung aller Bankaktionäre.

Das Gespräch führte Georg Meck.

Quelle: F.A.Z.
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