03.11.2008 · Die Commerzbank bekommt 8,2 Milliarden Euro vom Bund. Die Aktionäre erhalten zwei Jahre keine Dividende und der Vorstand weniger Gehalt. Als „Schande“ habe er diesen Schritt nicht empfunden, sagt Commerzbank-Chef Martin Blessing im Interview.
Herr Blessing, wie viel Mühe hat es Sie gekostet, Ihren Vorstand und Ihren Aufsichtsrat von der Notwendigkeit zu überzeugen, die staatliche Hilfe anzunehmen?
Wir waren uns alle unserer Verantwortung bewußt. Im Augenblick muss jede Bank ihre eigene Situation betrachten und daraus die nötigen Konsequenzen ziehen. Für uns war die Inanspruchnahme einer stillen Einlage von 8,2 Milliarden Euro und die Option auf Staatsgarantien für Schuldverschreibungen im Volumen von bis zu 15 Milliarden Euro der richtige Schritt, um unseren internationalen Wettbewerbern auf Augenhöhe zu begegnen. Damit haben wir genug Kapital um auch die heimischen Unternehmen weiterhin mit Krediten versorgen zu können.
Sind andere Banken nicht inzwischen viel besser kapitalisiert als Sie mit einer Kernkapitalquote von 11 Prozent?
Das hängt vom Bankentyp ab. Die großen Investmentbanken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley haben eine Kernkapitalquote von mehr als 15 Prozent, aber das ist auch ein anderes Geschäftsmodell. Wir liegen mit unserer Kapitalquote nun über dem Wert vieler unserer Konkurrenten und sind gut kapitalisiert, selbst wenn die Quote nach der Übernahme der Dresdner Bank wieder etwas sinken wird.
Sie haben es also nicht als "Schande" empfunden, in dieser Lage Hilfe vom Staat anzunehmen?
Nein, denn wir haben uns verantwortungsvoll Gedanken darüber gemacht, was im Sinne unserer Kunden und Aktionäre zu tun ist.
Hätten Sie die Hilfen auch angenommen, wenn die Regierung darauf bestanden hätte, einen Vertreter in ihren Aufsichtsrat zu schicken?
Das stand bei den Verhandlungen mit dem Fonds nie zur Debatte, deshalb habe ich mir über diese Frage gar keine Gedanken gemacht.
Ist die Commerzbank jetzt ein Vorbild für andere Banken? Gelten Ihre Konditionen auch für andere Institute?
Der Staat kann kein Interesse daran haben, die Institute ungleich zu behandeln. Deshalb gibt es bei der Inanspruchnahme der Bürgschaften eine klare Regelung der zu zahlenden Provisionen mit Parametern, die für alle Institute gleichermaßen gelten. Auch bei der Aufnahme einer stillen Einlage wäre eine Ungleichbehandlung der einzelnen Banken nur schwer zu begründen.
Können Sie noch sagen: Die Fusion mit der Dresdner Bank kommt wie geplant?
Eindeutig ja.
Ein großes Problem im dritten Quartal war das Geschäft mit Staatsfinanzierungen. War es rückblickend also ein Fehler, dass sie die Eurohypo gekauft haben, die dieses Geschäft in größerem Umfang betreibt?
Man muss eine solche Übernahme langfristig sehen, außerdem sind die Geschäfte mit Staatsfinanzierungen nicht nur ein Thema der Eurohypo, sondern auch der Essen Hyp, die wir auf die Eurohypo verschmolzen haben. Wir hatten ja bereits angekündigt, dass wir die Geschäfte in diesem Bereich signifikant herunterfahren wollen und das passiert schon. Staatsfinanzierungen galten immer als sicheres Geschäft, es war nicht vorhersehbar, dass ein europäisches Land wie Island in eine solche Situation kommen könnte. Aber dieses Geschäftsfeld hängt auch stark von der Liquidität und den Fristen der Finanzierung ab. Dabei gilt für die Commerzbank: Wir sind gut mit Mitteln ausgestattet und durch die stille Einlage der Soffin haben wir unser Polster noch einmal deutlich dicker gemacht.
Islandkrise nicht vorhersehbar?
Martin Enzinger (FlorianGeyer)
- 05.11.2008, 16:26 Uhr
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