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Im Gespräch: BMW-Vorstand Harald Krüger : „2009 gibt es keine Kündigungen“

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Jüngster BMW-Vorstand: Harald Krüger ist seit Dezember Arbeitsdirektor des Autokonzerns Bild:

Er ist der jüngste Vorstand bei BMW: Seit zwei Monaten sitzt Harald Krüger, 43, in der obersten Chefetage des Münchener Autokonzerns. Im Gespräch mit der F.A.S. erläutert er, wie das Unternehmen ohne weiteren Stellenabbau und ohne Geld vom Staat durch das Jahr kommen will.

          Er ist der jüngste Vorstand bei BMW: Seit zwei Monaten sitzt Harald Krüger, 43, in der obersten Chefetage des Münchener Autokonzerns. Im Gespräch mit der F.A.S. erläutert er, wie das Unternehmen ohne weiteren Stellenabbau und ohne Geld vom Staat durch das Jahr kommen will.

          Herr Krüger, wie lange arbeiten die BMW-Fabriken kurz?

          Für Februar und März haben wir Kurzarbeit an vier Standorten vereinbart, davon sind 26 000 Mitarbeiter betroffen.

          Und im April, glauben Sie, ist die Welt wieder in Ordnung?

          Die Weltwirtschaft wird in zehn Wochen sicher nicht über dem Berg sein, aber wir glauben an unsere neuen Modelle: Im Frühjahr läuft der Z4 an, der in Regensburg hergestellt wird. Der neue 7er, der aus Dingolfing kommt, wird gerade in Amerika und China eingeführt. Deswegen haben wir berechtigte Hoffnung, dass wir im April keine Kurzarbeit mehr brauchen.

          Theoretisch könnten Sie 18 Monate lang kurzarbeiten, so hat es der Gesetzgeber beschlossen.

          Ja, wir haben Spielraum, auch wenn wir nicht damit rechnen, dass wir ihn voll ausschöpfen müssen.

          Für die Mitarbeiter ist Kurzarbeit die angenehmste Form der Krisenbewältigung: Mercedes zahlt 97 Prozent des Nettolohns, ein BMW-Werker erhält 93 Prozent des Nettolohns und darf zu Hause bleiben.

          So ist es nicht. Niemand sitzt ganz zu Hause, wir fahren die Produktion ja nicht auf null zurück. Es fallen einzelne Tage und Schichten aus. Im Schnitt arbeitet unsere Belegschaft 15 bis 20 Prozent weniger. Und wenn unsere Kollegen in Baden-Württemberg geringfügig mehr bezahlen, dann liegt das am dortigen Tarifvertrag.

          So großzügig können die Unternehmen nur sein, weil sie von der Bundesanstalt für Arbeit subventioniert werden.

          Der Spareffekt ergibt sich für uns dadurch, dass die Bundesagentur etwa zwei Drittel des während der Kurzarbeit eines Mitarbeiters ausfallenden Netto-Entgelts übernimmt, das stimmt.

          Hat ein bis vor kurzem prächtig verdienender Konzern wie BMW keine Skrupel, auf das Geld des Steuerzahlers zurückzugreifen?

          Da gibt es offensichtlich ein Missverständnis: Bei dem jetzt von der Bundesagentur für Arbeit ausgezahlten Kurzarbeitergeld handelt es sich um Versicherungsleistungen, Unternehmen und Mitarbeiter haben hierfür seit Jahrzehnten eingezahlt. Und weil BMW-Mitarbeiter überdurchschnittlich gut verdienen, sind da seitens BMW auch überdurchschnittliche Beträge zusammengekommen. Kurzarbeit ist also auch für uns ein legitimes Instrument, um Wirtschaftlichkeit und Beschäftigung des Unternehmens zu sichern. Das nehmen wir jetzt für zwei Monate in Anspruch, ergänzend zu den Maßnahmen, die wir bereits in der Vergangenheit angewendet haben: längerer Urlaub etwa in der Weihnachtspause und Abbau von Arbeitszeitkonten.

          2008 hat BMW 65 000 Autos weniger gebaut als geplant. Um wie viel kürzen Sie die Produktion dieses Jahr?

          Wenn wir jetzt voll produzieren würden, würden im Februar und März 38 000 Autos mehr vom Band laufen.

          Wird die Abwrackprämie der Nachfrage auf die Sprünge helfen?

          Grundsätzlich ist diese Maßnahme zu begrüßen. Wir haben in Deutschland einen relativ alten Fahrzeugbestand, und jedes neue Auto hilft der Umwelt, da es viel weniger CO2 ausstößt. Für BMW wird der Effekt allerdings überschaubar bleiben. Die 2500 Euro Prämie sind aber zum Beispiel für Berufseinsteiger nach dem Studium attraktiv. Die haben oft einen alten Wagen und wollen sich jetzt einen Mini oder einen BMW 1er gönnen.

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