Home
http://www.faz.net/-gqi-6mk3m
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

IFA Hören und Sehen und Fühlen

02.09.2011 ·  Die Hersteller von Unterhaltungselektronik gehen neue Wege in die Zukunft: Jedes Teil, von der Waschmaschine bis zum Heimkino, soll mit einem anderen verbunden und jederzeit einsatzbereit sein.

Von Stephan Finsterbusch, Berlin
Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Klänge, Bilder und Vernetzung: Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin wird es eine Flut neuer Geräte und Produkte geben. Dabei soll jedes Teil mit einem anderen verbunden und zu jeder Zeit einsatzbereit sein – mit Chips und Apps gesteuert, durch Computer kontrolliert, vom Kühlschrank bis zur Stereoanlage, von der Waschmaschine bis zum Heimkino. Kleine Rechner werden Schaltzentralen des Alltags, zu Musentempeln im Taschenformat.

Wenn die IFA diese Woche ihre Tore öffnet und die Hersteller aus Europa, Asien und Amerika zu ihrer jährlichen Leistungsschau bitten, werden große Technologie- und Markenunternehmen wie Lenovo, Sony, Samsung oder Philips mit ihren Produkten die gegenwärtigen Konsumtrends, kleine Technologiefirmen wie der Audiospezialist Teufel die Technologie von morgen und Forschungsinstitute die Visionen von übermorgen präsentieren. Die Welt tickt digital: eins oder null, Erfolg oder Versagen, alles oder nichts.

Während Lautsprecher lauter klingen, Waschmaschinen sauberer waschen, Kaffeekocher schneller kochen und Fernsehgeräte schärfere Bilder zeigen sollen, dreht sich auf der Produkt- und Geräteschau der IFA in diesem Jahr vieles um die vollkommene Digitalisierung der Sinne. Hören und Sehen sind schon seit Jahren im Binärcode des Computerzeitalters gebannt – jetzt will die Branche mehr.

Der Porsche unter den Kaffeemaschinen

Fenstergroße TV-Geräte oder mannshohe Musikanlagen werden auf dem Messegelände am Rande der Hauptstadt in den kommenden Tagen im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Nicht weit davon entfernt sind die Haushaltsgeräte zu finden. Die Kühlschränke von Samsung mit ihren eingebauten berührungsempfindlichen und internetfähigen Flachbildschirmen an der Tür sind mittlerweile ein Klassiker.

Das will auch der Kaffeemaschinenhersteller Jura werden. Die Schweizer Marke digitalisiert das Kaffeekochen. Mit einem neuen Modell verspricht sie eine neue Dimension des Genusses und bietet quasi den Porsche unter den Kaffeemaschinen an. Neueste Technik zu guten Preisen: Die Konkurrenten von Bosch bis WMF, von AEG bis Philips ziehen mit beim Kaffee aus chipgesteuerten Maschinen.

Im Audiogeschäft will sich die Traditionsmarke Grundig in Berlin noch einmal daran machen, das Hören zu revolutionieren. Sie wird auf der IFA ein tragbares Digitalradio zeigen. Der Konkurrent Tivoli Audio stellt ein digitales Tischradio daneben. Die Edelmarke Loewe präsentiert mit Soundvision gleich ein paketgroßes Audiosystem.

Dünne Rechenflundern sind die neuen Stars am Gerätehimmel

Im Fernsehsegment stellen die fränkischen Metz-Werke ihr neuestes Angebot an TV-Flachbildschirmen vor. Sony, Samsung und LG breiten hier die ganz große Palette aus. Neben bewegten Bildern erfreut sich auch die Fotografie massenhafter Aufmerksamkeit. Sony zeigt in Berlin die flachste Digitalkamera der Welt. Die japanische Fujifilm stellt den vorerst letzten Stand der Technik an ihrer digitalen Spiegelreflexkameras vor – verpackt im schicken Design der dreißiger Jahre, ein Klassiker für die Zukunft.

Über Bilder und Klänge, über Sehen und Hören hinaus haben die Aussteller in diesem Jahr in Berlin das Fühlen auf ihre Agenda genommen. Das machen berührungsempfindliche Bildschirme zwar schon seit einiger Zeit möglich. Aber mit der im Frühjahr vergangenen Jahres einsetzenden massenhaften Nachfrage nach Tabletcomputern tun sich neue Horizonte auf. Das macht die dünnen Rechenflundern zu den neuen Stars am Gerätehimmel der Unterhaltungsindustrie. Die Branche geht davon aus, dass sich der Absatz solcher Geräte in diesem und im nächsten Jahr jeweils verdoppelt, ist doch die Nachfrage riesig. In zwei Jahren könnten allein in Deutschland mehr als 5 Millionen Tabletcomputer im Einsatz sein, global wären es dann fast 100 Millionen.

Internetkompatible Produktpalette

Von dem Boom hat bislang vor allem Apple mit den beiden iPad-Modellen profitiert. Das setzte Meilensteine, die nun auch andere erreichen wollen. Während Hewlett-Packard kurz nach dem Start seines Touchpad aus strategischen Gründen gleich wieder aufgab und sich von diesem Markt verabschieden will, feiert Samsung erste Erfolge. Den wollen die Koreaner auf der IFA unterstreichen. Dabei stehen sie aber vor einer Hürde. Zwar sorgen sie mit ihrem Galaxy seit Wochen für Furore. Apple aber moniert, Samsung habe Markenrechte verletzt. Samsung bestreitet das, doch Apple zog vor Gericht. Nun müssen die Richter entscheiden. Unbenommen davon wird Samsung auf der IFA verschiedene Modelle seiner Tabletcomputer vorlegen.

Darüber hinaus präsentiert Sony mit seinem „S2“, einen Tabletcomputer zum Aufklappen, wie ein Buch. Zwei 5,5-Zoll-Bildschirme ergeben eine große oder zwei kleine Anzeigeflächen. Wie die Geräte von Samsung und Motorola laufen auch die Tablet-Modelle von Sony mit dem Anroid-Betriebssystem aus dem Hause Google. Der Internetkonzern aus Amerika wird mit der gerade vollzogenen Akquisition des Handyherstellers Motorola in absehbarer Zeit wohl nicht mehr nur die Software für Tablet- und Kleinstcomputer liefern, sondern auch Geräte vorlegen. Das lässt die großen Anbieter aus Asien aufhorchen. Versuchen sie doch gerade, ihre Produktpalette vom Radio- bis zum Fernsehgerät internetkompatibel zu machen.

Anbieter aus Asien beherrschen die Arena

Dort, wo der deutsche Erfinder Manfred von Ardenne 1931 das erste vollelektronische Fernsehen vorgestellt hat, wo die Firma Loewe zwei Jahre später den ersten serienreifen Fernsehapparat präsentierte und nicht weit davon entfernt 1936 Konrad Zuse den ersten Computer baute, wird nun ein neues Kapitel aufgeschlagen: Television im Zeitalter der Vernetzung und der dritten Dimension. Anbieter aus Asien beherrschen die Arena: Samsung, Sony und LG. Die chinesische Haier-Gruppe wagt mit ihren Geräten den Sprung in die erste Reihe. Was Lenovo binnen fünf Jahren in der Computerbranche wurde, will Haier im Haushaltsbereich werden: ein Spitzenspieler. Das braucht eine volle Produktpipeline und Finanzkraft. Die Chinesen wollen nun in Berlin zeigen, dass sie beides haben. Hat in den vergangenen Monaten doch der Markt für internetfähige TV-Geräte kräftig zugelegt. Die Geräte waren vor drei Jahren erstmals in den deutschen Handel gekommen. Heute hat schon jedes dritte verkaufte Fernsehgerät einen Internetanschluss.

Fernsehen geht nicht nur ins Internet: die Geräte werden größer, die Bildqualität wird besser. Dabei gewinnt auch die Akustik an Bedeutung. So ergänzen Heimkinosysteme moderne Flachbildfernseher und heben die Klangqualität. Mit einer handvoll Lautsprecher und einer bassverstärkenden Beschallungsbox sind in jedem Wohnzimmer besondere Klangeffekte zu erzielen. Dazu gehört etwa das Wandern von Tönen durch den Raum. Was es früher nur im Kino gab, ist heute in jeder Wohnung möglich. In diesem Jahr wird mehr als eine halbe Million solcher Systeme verkauft. Neben den einschlägigen Branchengrößen haben sich auch kleinere Anbieter von qualitativ hochwertigen Klang-Systemen wie die japanische Pioneer-Gruppe oder die Berliner Teufel GmbH einen guten Namen gemacht.

Der Alltag wird digital

Die IFA ist seit den zwanziger Jahren eine der wichtigsten Messen für Konsum-, Haushalts- und Unterhaltungselektronik auf der Welt. In diesem Jahr machen sich die Veranstalter daran, einen weiteren Meilenstein in der Welt der Technik zu setzen. Rund 1500 Aussteller werden vom 2. bis 7. September in Berlin von der Digitalkamera bis zum wandgroßen Flachbildschirm, vom Tabletcomputer bis zu Kaffee- und Waschmaschinen, Smartphones und Heimkinoanlagen die neusten Entwicklungen der Branche präsentieren. Das Ausstellungsgelände am Messedamm der Stadt wird von 10 bis 18 Uhr geöffnet sein. Darüber hinaus gibt es im IFA-Sommergarten jeden Abend zahlreiche Shows und Konzerte. Die Eintrittskarten an der Tageskasse kosten regulär 15 Euro, ermäßigt 11 Euro, für Schüler 9 Euro. Das Familienticket hat den Preis von 31 Euro.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

Eine deutsche Bank

Von Gerald Braunberger

Josef Ackermann verlässt die Deutsche Bank, die Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen übernimmt. Das Kredithaus agiert überall auf der Welt - von der Rolle eines Weltmarktführers ist die Bank allerdings weit entfernt. Mehr 11 8

31.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.264,38 −0,26%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.364,39 −0,33%
Dow Jones 12.425,10 +0,04%
EUR/USD 1,2378 +0,07%
Rohöl Brent Crude 102,27 $ −0,95%
Gold 1.540,00 $ 0,00%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.