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„Ich entschuldige mich aufrichtig“ Toyodas tiefe Verbeugung

05.02.2010 ·  Nachdem selbst Japans Außenminister Katsuya Okada öffentlich in Tokio verkündete, die weltweiten Rückrufaktionen bei Toyota seien mittlerweile ein „Problem für die gesamte japanische Autoindustrie“ konnte Akio Toyoda nicht mehr anders. Nach tagelangem Schweigen trat er endlich selbst vor die Presse.

Von Carsten Germis, Tokio
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Die Entscheidung fiel kurzfristig. Nachdem am Freitag selbst Japans Außenminister Katsuya Okada öffentlich in Tokio verkündete, die weltweiten Rückrufaktionen beim Autobauer Toyota seien mittlerweile ein „Problem für die gesamte japanische Autoindustrie und für das Vertrauen in die japanischen Produkte“, konnte Akio Toyoda nicht mehr anders. Er musste den Sprung wagen und nach tagelangem Schweigen zu der Pannenserie seines Unternehmens endlich selbst vor die Presse treten.

Schnell trommelten die Presse- und PR-Manager des Unternehmens Journalisten aus dem ganzen Land zum Firmensitz nach Nagoya zusammen. Die Verbeugung vor den Kameras an diesem Freitag abend war tief. Doch Verbeugung ist nicht gleich Verbeugung, in Japan schon gar nicht. Hüfttief musste sie sein, lang anhaltend. Blickkontakte sind zu meiden.

Als Toyoda am späten Freitagabend die Büßerpose einnahm, um die japanische Öffentlichkeit um Entschuldigung für das Debakel rund um Millionen fehlerhafter Autos zu bitten, surrten die Kameras, blitzten die Fotoaperrate. Die Anspannung war dem 53-jährigen Enkel des Firmengründers trotz unbewegter Miene anzusehen. „Ich entschuldige mich aufrichtig dafür, bei vielen unserer Kunden Besorgnis wegen der Rückrufe mehrerer Modelle in mehreren Regionen verursacht zu haben.“

Video: Toyota taxiert Rückruf-Kosten auf 1,4 Milliarden Euro

Die Regierung sitzt Toyoda im Nacken

Wer schon einmal erlebt hat, wie selbstbewusst dieser Mann sonst auftreten kann, der kann erahnen, wie schwer dem Chef des weltgrößten Autobauers dieser Gang gewesen sein muss. Aber es ging an diesem Abend eben nicht mehr nur um Toyota. Die Regierung sitzt Toyoda im Nacken. Sie fürchtet um den Aufschwung, wenn Japans Exportwirtschaft insgesamt nun neben dem starken Yen auch noch wegen der Imageschäden durch die Pannenserie bei Toyota Umsatzeinbußen hinnehmen muss.

Toyoda hat sich mit seinem Auftritt in Nagoya selbst unter Druck gesetzt. Öffentlich hat er die Qualitätssicherung zur Chefsache erklärt. Jeder Fehler, jede weitere Panne schlägt jetzt auf ihn selbst zurück.

Als dem zur Daimler-Gruppe gehörenden Nutzfahrzeughersteller Mitsubishi Fuso Anfang des Jahrzehnts die Reifen und Räder von den Trucks und Transportern geflogen waren, musste sich der Jahre später eingesetzte deutsche Vorstandschef Winfried Porth auf allen Fernsehkanälen mit tiefen Verbeugungen vor der Öffentlichkeit entschuldigen. Der ehemalige Chef der amerikanischen Citibank, Charles Prince, war wenige Tage nach Bekanntwerden schwerwiegender Unregelmäßigkeiten im Geschäftsverkehr der Bank nach Tokio gekommen, um mit einer tiefen, tiefen Verbeugung vor der Öffentlichkeit um Vergebung zu bitten. Porth und Prince hatten Erfolg. Die Geschäfte der Citibank liefen zumindest in Japan gut weiter. Mitsubishi Fuso ist aus den Schlagzeilen gekommen.

Mit Toyoda sitzt wieder ein Mitglied der Gründerfamilie auf dem Chefsessel

Dort sieht sich nun auch Toyota stehen. Firmenchef Toyoda wird es dort rausholen müssen. Doch hat es mehr als drei Wochen gedauert, bevor er überhaupt mit der allgemein erwarteten Demutsgeste auf die Bühne kam. Zu spät, viel zu spät, sagen seine Kritiker. Er weiß zwar um die Erwartungen, doch ist er noch jung im Amt. Toyoda war erst im Juni vergangenen Jahres an die Spitze des Unternehmens gerückt. Damit saß nach anderthalb Jahrzehnten wieder ein Mitglied der Gründerfamilie auf dem Chefsessel des mittlerweile größten Autobauers der Welt. Unter seinem Vater, Shoichiro Toyoda, hatte der Konzern in den achtziger Jahren globale Expansionspläne geschmiedet. Unter dessen Nachfolgern waren die mit viel Erfolg vorangetrieben worden. Aus einem nationalen wurde ein internationaler Hersteller.

Im Jahr 2008 löste Toyota die schwer in Schieflage geratene amerikanische General-Motors-Gruppe als größten Autobauer der Welt ab. Diese Spitzenstellung in der Branche wollte die vor der Öffentlichkeit zurückgezogene Gründerfamilie durch einen der ihren untermauert wissen. Darauf war Akio Toyoda jahrelang vorbereitet worden. Er hatte Mitte der siebziger Jahre Rechtswissenschaften an der Keio Universität in Tokio studiert, dann seinen Master of Business Administration am Babson College in Boston gemacht, war in New York als Investmentbanker und Unternehmensberater tätig. Als der heute 53 Jahre alte Manager Mitte der achtziger Jahre bei seinem Vater anklopfte und um einen Job bat, soll dieser gesagt haben: „Toyota braucht Dich nicht. Niemand in der Firma will Dein Chef sein.“ So begann er seine Karriere im väterlichen Konzern 1984 als Trainee. Akio Toyoda stand zunächst am Fließband, später war er im Verkauf, noch später war er einer der Produktionschefs im kalifornischen Gemeinschaftswerk mit General Motors. 1996 gründete er mit eigenem Geld und einigen Mitarbeitern die Internet-Plattform Gazoo für den Verkauf gebrauchter Toyota-Autos. Im Jahr 2005 wurde er einer der Vizepräsidenten. Im Vorstand war erst für den Verkauf in Japan und dann für das Auslandsgeschäft zuständig. Im Sommer vergangenen Jahres rückte er dann an die Spitze der weitgespannten Toyota-Gruppe.

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Jahrgang 1959, Wirtschaftskorrespondent für Japan mit Sitz in Tokio.

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