http://www.faz.net/-gqe-8dte5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 21.02.2016, 16:01 Uhr

Ibrahim Abouleish Ein Ägypter versöhnt dm mit Alnatura

Ein wahrer Freund kann zwei Sturköpfe wieder an einen Tisch bringen. Das zeigt die Geschichte von Alnatura-Chef Götz Rehn, DM-Gründer Götz Werner und einem Weisen aus dem Morgenland.

von
© SEKEM Beruhigendes Lächeln: Dr. Ibrahim Abouleish

Wenn zwei sich streiten, muss ein Dritter kommen, um sie zu versöhnen – zur Not sogar aus dem fernen Ägypten. Dort ist Ibrahim Abouleish (78) zu Hause. Und dass es ihm nun gelungen ist, die beiden großen alten Männer der deutschen Bio-Branche, Alnatura-Chef Götz Rehn (65) und dm-Gründer Götz Werner (72), nach einem heftigen Zerwürfnis wieder an einen Tisch zu bringen, klingt fast wie ein Märchen aus 1001 Nacht.

Sebastian Balzter Folgen:

Dazu muss man wissen, dass die beiden Götze nicht nur als Geschäftspartner seit Jahrzehnten (mit vorzeigbaren Gewinnen) dafür sorgen, Lebensmittel und Textilien aus biologischem Anbau in Deutschland massenkompatibel zu machen, indem Werners Drogeriemarktkette dm zum wichtigsten Vertriebskanal für Rehns Alnatura-Produkte wurde. Sie teilen außerdem die anthroposophische Grundhaltung, versuchen die Lehren des Waldorfschulen-Gründers Rudolf Steiner auch als Unternehmer zu beachten, was sich zum Beispiel in Eurythmiestunden für die Mitarbeiter äußert.

 
dm-Gründer Götz Werner war mit seinem Schwager, dem Alnatura-Chef verkracht – jetzt ist der Streit gelöst
 
Wer hat dm und Alnatura versöhnt? Ein Ägypter war’s

Ziemlich beste Freunde also, darüber hinaus auch noch miteinander verschwägert: Werner ist mit Rehns Schwester verheiratet. Umso lauter der Knall, als sie sich vor anderthalb Jahren über die schnöde Frage verkrachten, zu welchen Konditionen Alnatura seine Packungen ins dm-Regal stellen darf. Der Friede-Freude-Eierkuchen-Komplex war vollends zerstört, als sie sich dann sogar vor Gericht darum stritten, wer von beiden eigentlich die Rechte an der Marke Alnatura hat. Das war nicht nur für das deutsche Anthroposophen-Milieu, sondern auch für Ibrahim Abouleish auf seiner Farm in der Nähe von Kairo ein Schock.

Ibrahim Abouleish betreibt eine Oase, doppelt so groß wie der Palmengarten

Eine Oase, doppelt so groß wie der Frankfurter Palmengarten: So schildern Besucher die Zentrale der von ihm 1977 gegründeten Unternehmensgruppe, die inzwischen auf rund 2000 Hektar Baumwolle, Datteln, Kräuter und Gewürze anbaut – und zwar streng nach den Vorschriften des Demeter-Verbands, also Bio hoch zwei, wiederum inspiriert von Rudolf Steiner, dessen bekanntester Anhänger Abouleish in Afrika sein dürfte.

Und das kam so: Als junger Mann, schreibt der Sohn eines Fabrikanten in seiner Autobiographie, habe die Lektüre von Johann Wolfgang von Goethe ihn dazu bewogen, nach Deutschland zu reisen. Es folgten Studium, Promotion und Heirat einer Österreicherin in Graz, Bekehrung zur Anthroposophie inklusive. In der Heimat gründet er die nach der Hieroglyphe für „Sonnenkraft“ benannte Sekem-Initiative, um der Wüste Ackerland abzuringen, ein Entwicklungsmodell für ganz Ägypten.

Mehr zum Thema

Ein gemeinsamer Bekannter erzählt Götz Rehn davon, der gerade Lieferanten für Alnatura sucht und von der Idee und dem Mann dahinter schnell begeistert ist. Der erste Vertrag wird 1993 unterzeichnet, bald zählt Abouleish Rehn und Götz Werner zu seinen Freunden, hat sie oft zu Gast in der Oase. Wie ein Weiser aus dem Morgenland habe er die beiden nun an die gemeinsamen Überzeugungen erinnert, sagen Vertraute, zuerst einzeln, dann bei einem Dreiertreffen in Süddeutschland. Nach Stunden rangen sie sich dazu durch, künftig wieder miteinander zu reden, sich außergerichtlich zu einigen. Ein Satz, der nicht ins Märchen passt, zum Schluss: Alles andere sollen die Anwälte regeln.

Quelle: F.A.S.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Angela Merkel im Interview Ich gebe unsere Prinzipien nicht auf

Vor ihrer Reise nach Istanbul verteidigt die Kanzlerin das EU-Türkei-Abkommen. Im Interview mit der F.A.S. spricht sie zudem über die Polarisierung in der Gesellschaft – und zieht eine klare Grenze nach rechts. Mehr Von Thomas Gutschker und Volker Zastrow

25.05.2016, 08:25 Uhr | Politik
Interaktiv Was die Flüchtlinge für Ihren Arbeitsplatz bedeuten

Hunderttausende Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr nach Deutschland geströmt. Die Angst vor einer Einwanderung in die Sozialsysteme ist groß. Wo arbeiten die Flüchtlinge künftig? Und was bedeutet das für Ihre Stelle? Mehr Von Anna Steiner, Andre Piron und Bernd Helfert

18.05.2016, 13:19 Uhr | Wirtschaft
Auf einen Blick Das Wichtigste zur Schicksalswahl in Österreich

Die Stichwahl um den Bundespräsidenten in Österreich hält Europa in Atem: Wird mit Norbert Hofer tatsächlich erstmals ein FPÖ-Politiker Staatsoberhaupt in Wien? Mehr Von Stephan Löwenstein, Wien

22.05.2016, 13:37 Uhr | Politik
Regierungskrise Österreichs Bundeskanzler Faymann tritt zurück

Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann ist nach monatelangem Ringen um den Kurs seiner Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) in der Flüchtlingskrise zurückgetreten. Er legte alle seine politischen Ämter mit sofortiger Wirkung nieder. Mehr

09.05.2016, 18:25 Uhr | Politik
Bauernmolkerei-Chefin Produzenten müssen handeln

Bio-Bauern freuen sich, anders als ihre konventionellen Kollegen, über stabil hohe Milchpreise. Karin Artzt-Steinbrink, Geschäftsführerin der Upländer Bauernmolkerei, über die Milch-Krise und Gefahren für den Biomarkt. Mehr

26.05.2016, 11:04 Uhr | Rhein-Main

Mahnung aus Fernost

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Alle Teilnehmer des G-7-Gipfels sind gegen den Brexit. Nur Russland und seine antieuropäischen Anhänger befürworten einen Abschied der Briten. Das sollte zu denken geben. Mehr 6 4


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Umfrage Zwei Drittel der Europäer für Grundeinkommen

Gute Idee oder schlicht Schwachsinn? Immer mehr Menschen diskutieren über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Schweizer stimmen bald ab. Nun kommt eine überraschende Umfrage heraus. Mehr 77

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden