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Veröffentlicht: 21.02.2016, 16:01 Uhr

Ibrahim Abouleish Ein Ägypter versöhnt dm mit Alnatura

Ein wahrer Freund kann zwei Sturköpfe wieder an einen Tisch bringen. Das zeigt die Geschichte von Alnatura-Chef Götz Rehn, DM-Gründer Götz Werner und einem Weisen aus dem Morgenland.

von
© SEKEM Beruhigendes Lächeln: Dr. Ibrahim Abouleish

Wenn zwei sich streiten, muss ein Dritter kommen, um sie zu versöhnen – zur Not sogar aus dem fernen Ägypten. Dort ist Ibrahim Abouleish (78) zu Hause. Und dass es ihm nun gelungen ist, die beiden großen alten Männer der deutschen Bio-Branche, Alnatura-Chef Götz Rehn (65) und dm-Gründer Götz Werner (72), nach einem heftigen Zerwürfnis wieder an einen Tisch zu bringen, klingt fast wie ein Märchen aus 1001 Nacht.

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Dazu muss man wissen, dass die beiden Götze nicht nur als Geschäftspartner seit Jahrzehnten (mit vorzeigbaren Gewinnen) dafür sorgen, Lebensmittel und Textilien aus biologischem Anbau in Deutschland massenkompatibel zu machen, indem Werners Drogeriemarktkette dm zum wichtigsten Vertriebskanal für Rehns Alnatura-Produkte wurde. Sie teilen außerdem die anthroposophische Grundhaltung, versuchen die Lehren des Waldorfschulen-Gründers Rudolf Steiner auch als Unternehmer zu beachten, was sich zum Beispiel in Eurythmiestunden für die Mitarbeiter äußert.

 
dm-Gründer Götz Werner war mit seinem Schwager, dem Alnatura-Chef verkracht – jetzt ist der Streit gelöst
 
Wer hat dm und Alnatura versöhnt? Ein Ägypter war’s

Ziemlich beste Freunde also, darüber hinaus auch noch miteinander verschwägert: Werner ist mit Rehns Schwester verheiratet. Umso lauter der Knall, als sie sich vor anderthalb Jahren über die schnöde Frage verkrachten, zu welchen Konditionen Alnatura seine Packungen ins dm-Regal stellen darf. Der Friede-Freude-Eierkuchen-Komplex war vollends zerstört, als sie sich dann sogar vor Gericht darum stritten, wer von beiden eigentlich die Rechte an der Marke Alnatura hat. Das war nicht nur für das deutsche Anthroposophen-Milieu, sondern auch für Ibrahim Abouleish auf seiner Farm in der Nähe von Kairo ein Schock.

Ibrahim Abouleish betreibt eine Oase, doppelt so groß wie der Palmengarten

Eine Oase, doppelt so groß wie der Frankfurter Palmengarten: So schildern Besucher die Zentrale der von ihm 1977 gegründeten Unternehmensgruppe, die inzwischen auf rund 2000 Hektar Baumwolle, Datteln, Kräuter und Gewürze anbaut – und zwar streng nach den Vorschriften des Demeter-Verbands, also Bio hoch zwei, wiederum inspiriert von Rudolf Steiner, dessen bekanntester Anhänger Abouleish in Afrika sein dürfte.

Und das kam so: Als junger Mann, schreibt der Sohn eines Fabrikanten in seiner Autobiographie, habe die Lektüre von Johann Wolfgang von Goethe ihn dazu bewogen, nach Deutschland zu reisen. Es folgten Studium, Promotion und Heirat einer Österreicherin in Graz, Bekehrung zur Anthroposophie inklusive. In der Heimat gründet er die nach der Hieroglyphe für „Sonnenkraft“ benannte Sekem-Initiative, um der Wüste Ackerland abzuringen, ein Entwicklungsmodell für ganz Ägypten.

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Ein gemeinsamer Bekannter erzählt Götz Rehn davon, der gerade Lieferanten für Alnatura sucht und von der Idee und dem Mann dahinter schnell begeistert ist. Der erste Vertrag wird 1993 unterzeichnet, bald zählt Abouleish Rehn und Götz Werner zu seinen Freunden, hat sie oft zu Gast in der Oase. Wie ein Weiser aus dem Morgenland habe er die beiden nun an die gemeinsamen Überzeugungen erinnert, sagen Vertraute, zuerst einzeln, dann bei einem Dreiertreffen in Süddeutschland. Nach Stunden rangen sie sich dazu durch, künftig wieder miteinander zu reden, sich außergerichtlich zu einigen. Ein Satz, der nicht ins Märchen passt, zum Schluss: Alles andere sollen die Anwälte regeln.

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