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Künstliche Intelligenz : Watson wird auf die Industrie losgelassen

Bärenstark: IBM’s Watson-Computer, der auch diesen kleinen interaktiven Roboter steuert, kann sprechen, lesen und schreiben. Bild: AFP

Der Super-Computer von IBM kann sprechen, lesen und schreiben und hilft bei der Krebsforschung. Kein Wunder, dass Milliarden in ihn investiert werden. Wo führt das noch hin?

          Ganz oben in den Büros haben sie einen Fußballkicker stehen. In den Pausen spielen die Programmierer gern eine Partie. Das Spielbrett von IBM in München aber ist etwas anders als das von anderen Spielen. Die Techniker haben es an einen der leistungsstärksten Computer der Welt angeschlossen: Watson. Eine Maschine, die auch als kognitives System beschrieben wird. Sie zählt zu dem Schlauesten, was Ingenieure bislang hervorgebracht haben. Ein Gehirn aus Kunststoff und Silizium. Die Wissenschaft nennt es künstliche Intelligenz. „Mit Watson können wir jede Bewegung der Spieler erfassen und analysieren“, sagt IBM-Technikfellow John Cohn. Die des Balls, die der Figuren und auch die der Spieler. „Und dann machen wir kurz nach dem Anstoß erste Prognosen.“ Wer gewinnen wird, was deutet auf einen Sieg, was auf eine Niederlage hin? Jahrelang haben die besten Köpfe des Konzerns an Watson gebaut. Nun wird das System aus den Labors geholt und in die richtige Welt gestellt.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Konzern hat ein Budget von 3 Milliarden Dollar aufgelegt und zahlreiche Partner aus Wissenschaft und Industrie gewonnen. Das Watson-System kann dank seiner ausgefeilten Technik binnen eines Wimpernschlags Milliarden von Daten ordnen und analysieren. Die Maschine kann lesen, sprechen und schreiben. Sie kann Texte analysieren, Zusammenfassungen von Diskussion und Debatten erstellen, die Arbeit ganzer Fabriken organisieren, Erbgut entschlüsseln.

          „Das Thema künstliche Intelligenz kommt jetzt richtig in Fahrt“

          Das Krebsforschungszentrum in Heidelberg war einer der ersten Anwender des Rechenwunders aus Amerika. Die japanische Versicherung Fukoku Mutual hat dem System die Arbeit von dreißig Sachbearbeitern übertragen. Die französische Staatsbahn will mit Watson Hunderttausende Sensoren entlang ihres 300.000 Kilometer langen Schienennetzes überwachen. Der Autokonzern Daimler und der Flugzeugbauer Airbus wollen damit den Einsatz neuer Materialien und Konstruktionen simulieren.

          „Das alles hat viel mit dem Internet der Dinge zu tun“, sagt Rainer Kallenbach, Software-Chef von Bosch. Mehr als 20.000 Angestellte des Industriekonzerns arbeiten als Programmierer. Faktisch ist Bosch einer der größten Softwarekonzerne Europas. „Das Thema künstliche Intelligenz kommt jetzt richtig in Fahrt“, sagt er. Dafür hat Bosch gerade 300 Millionen Euro in die Hand genommen, Tausend Spezialisten engagiert und drei sogenannte KI-Zentren eröffnet: nahe Stuttgart, im kalifornischen Palo Alto, im indischen Bangalore.

          Die Fabrik der Zukunft wird ein riesengroßer Computer sein. Alles ist mit allem vernetzt, Maschine spricht mit Maschine und Produkte sind nach den Wünschen der Kunden quasi maßgeschneidert. Schwergewichtige Roboter von Kuka, ABB oder Fanuc arbeiten heute schon mit viel Fingerspitzengefühl. Sie können eine Stecknadel vom Boden aufheben und auf den Tausendstel Millimeter genau eine Schweißnaht ziehen. Das Finanzhaus Visa setzt auf künstliche Intelligenz für neue Bezahlsysteme. Die sollen ohne Bargeld und Kassen auskommen. „Stellen Sie sich vor, Sie gehen in einen Supermarkt, packen alles, was sie brauchen in ihre Tasche und gehen einfach wieder raus“, ,sagt Jim McCarthy, Vizepräsident von Visa. Am Ausgang wird der fällige Betrag über das Handy vom Konto abgezogen. Keine Kasse, keine Schlangen. Amazon hat in Seattle einen solchen Laden eröffnet. Schöne neue Welt.

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