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IAA 2005 Benzin im Blut

12.09.2005 ·  Die IAA hat in Frankfurt begonnen. Mercedes-Chef Zetsche kündigte dort Enthüllungen zu den sparsamsten und saubersten Luxuslimousinen der Welt an. Die Masse aber giert nach röhrenden Volldampfautos.

Von Holger Appel
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Dieter Zetsche, der seit zwölf Tagen amtierende Mercedes-Chef, lebt in einer heilen PS-Welt. Leistung soll sich darin wieder lohnen. Was aber ist eine Leistung?

Stolz verkündet er zu Trommelwirbel am Montag während des Vorprogramms zur Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt, daß sein Geländewagen nun mit 500 PS zu haben sei, der neue Dieselmotor soviel Kraft wie sonst kein Antrieb in der automobilen Welt habe, in den hauseigenen Kleinbus demnächst ein bärenstarker Achtzylindermotor eingebaut und die neue S-Klasse, selbstredend an der Spitze der Bewegung, jetzt von 517 PS angeschoben werde.

Enthüllungen zu den saubersten Limousinen der Welt

Im Publikum murmeln einige, daß der gerade aus Amerika an die Daimler-Spitze beorderte Zetsche zwar Benzin im Blut habe, wohl aber nicht wisse, was ein Liter mittlerweile davon hierzulande koste. Als ob er es gehört hätte, verspricht er Enthüllungen zu den sparsamsten und saubersten Luxuslimousinen der Welt, was bei den globalisierten Stuttgartern „Advanced Power“ heißt.

In Halle 8 der Frankfurter Messe findet das Kontrastprogramm statt. Dort gibt sich Peugeot ganz sanft und weich. Mit seinem Rußpartikelfiltersystem FAP und der freundlichen Unterstützung von Bundesumweltminister Trittin haben die Franzosen die deutsche Industrie in die Knie gezwungen. Sie schreiben den Umweltschutz ganz groß und haben einen Stand aus Holz, Pflanzen und Wasser entworfen.

Grüne VW-Initiative gegen die Japaner

Auch Volkswagen hat ein Sparprogramm angekündigt, dieses Mal nicht für die Kosten, sondern für den Kraftstoff. Zusammen mit Audi und Porsche bildet nun auch VW eine sogenannte Hybrid-Allianz, soll heißen, man entwickelt Motoren, die zwei Motoren sind: einer, der mit Diesel oder Benzin, ein zweiter, der mit Strom angetrieben wird. Ob sich das betriebswirtschaftlich jemals rechnet, steht dahin, doch den Japanern will man dieses Feld nicht überlassen.

Eigentlich aber wollen die meisten Menschen Autos mit Volldampf und träumen lieber mit Zetsche als mit Trittin. Das können sie. An diesem Dienstag eröffnet Bundeskanzler Schröder die Ausstellung, am Donnerstag werden die Fachbesucher eingelassen, von Samstag an gilt dann für alle Begeisterten aus dem In- und Ausland: Stärker, schneller, größer. Und manchmal auch sparsamer.

Quelle: F.A.Z., 13.09.2005, Nr. 213 / Seite 1
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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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