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IAA 2005 Audi-Chef zweifelt am Hybridantrieb

13.09.2005 ·  Martin Winterkorn hält das Potential des Hybridantriebs für beschränkt. Der Vorstandschef von Audi zweifelt, ob Kunden für die Technik zahlen wollen. Größere Hoffnung setzt er in die Verbesserung von herkömmlichen Motoren.

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Der Ingolstädter Autohersteller Audi hält das Marktpotential des kraftstoffsparenden Hybridantriebs für beschränkt. „Ich glaube nicht, daß wir in Europa einen großen Anteil an Hybridfahrzeugen sehen werden“, sagte Vorstandschef Martin Winterkorn in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Die skeptische Einschätzung kommt überraschend, hat Audi doch erst am Montag eine Zusammenarbeit mit der Konzernmuttergesellschaft Volkswagen und dem Sportwagenbauer Porsche zum Bau von Hybridfahrzeugen angekündigt. Diese Technik kombiniert den Antrieb mittels Elektro- und Verbrennungsmotor in einem Auto.

„Viel Potential bei traditionellen Motoren“

Winterkorn ist vor allem wegen des zu erwartenden höheren Preises für die Hybridtechnik zurückhaltend. „Es ist die Frage, ob die Kunden das bezahlen wollen“, sagte der Audi-Chef. Größere Hoffnungen setzt er in die Verbesserung traditioneller Diesel- und Benzinmotoren: „Da haben wir noch viel Potential, um Verbrauch und Emissionen zu senken.“ In den Vereinigten Staaten sieht er für die Hybridtechnik zwar etwas bessere Chancen, hält diese aber ebenfalls für begrenzt.

Dennoch sei die Hybrid-Kooperation mit VW und Porsche sinnvoll, sagte Winterkorn: „Wenn wir diese Technik nicht auch forcieren würden und sie setzt sich durch, dann hätten wir ein Problem.“ Audi zeigt auf der IAA eine Hybrid-Variante seines neuen Sportgeländewagens Q7, die in zwei Jahren in den Vereinigten Staaten auf den Markt kommen soll. Der Q7 mit Standardmotorisierung ist die wichtigste Neuvorstellung von Audi auf dem Frankfurter Messegelände. Mit dem Fahrzeug wollen die Ingolstädter vor allem ihr noch immer kleines Amerika-Geschäft ausbauen.

Gewinn leicht über dem Vorjahreswert

Angesichts der steigenden Benzinpreise schließt Audi auch den Bau eines neuen Kleinwagens nicht aus. „Wenn sich der Trend zu kleineren Fahrzeugen fortsetzen sollte, wäre das eine Option“, sagte der Automanager. Konkrete Pläne gebe es aber nicht. Audi hat erst vor kurzem seinen erfolglosen Kleinwagen A2 eingestellt. Weit gediehen sind dagegen die Pläne für eine offene Variante des Kompaktautos A3. „Wir werden demnächst über den Bau des A3-Cabrios entscheiden“, kündigte Winterkorn an.

Unterdessen machen Audi vor allem Wechselkursbelastungen zunehmend zu schaffen. Der Gewinn hält deshalb 2005 voraussichtlich mit dem erwarteten kräftigen Umsatzplus nicht Schritt. „Wir wollen unser Vorsteuerergebnis zumindest stabil halten“, sagte Winterkorn. Der Umsatz soll dagegen um gut eine 1 Milliarde Euro steigen. 2004 hat Audi Erlöse von 24,5 Milliarden Euro ausgewiesen. Der erfolgreiche bayerische Hersteller ist der wichtigste Gewinnbringer im kriselnden Volkswagen-Konzern. 2004 steigerte Audi seinen Vorsteuergewinn um 3,7 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro. Auch nach dem ersten Halbjahr lag der Hersteller beim Gewinn noch leicht über dem Vorjahreswert.

Keine Personaleinschnitte bei Audi

Für das nächste Jahr wollte Winterkorn noch keine konkrete Prognose wagen. „Der europäische Markt dürfte insgesamt stabil bleiben, aber der größte Unsicherheitsfaktor ist Deutschland“, sagte der Audi-Chef. „Entscheidend wird sein, daß wir im Inland nach der Bundestagswahl eine klar ausgerichtete Politik haben, die den Kunden die Unsicherheit nimmt.“

Während Volkswagen vor voraussichtlich drastischen Personalschnitten steht, schließt Winterkorn dies für Audi aus. Das Unternehmen hat im Frühjahr einen Beschäftigungspakt mit der Belegschaft zur Senkung der Arbeitskosten vereinbart. Im Gegenzug will Audi bis 2011 in seinen zwei deutschen Werken Ingolstadt und Neckarsulm auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Die neuen Sparanstrengungen bei VW beträfen Audi nicht, sagte Winterkorn: „Ich sehe keinen Anlaß zu Nachverhandlungen. Wir haben eine gute Vereinbarung, und die setzen wir jetzt um.“

Quelle: theu., F.A.Z., 14.09.2005, Nr. 214 / Seite 16
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