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Hypo Real Estate „Keiner hat mehr Vertrauen in den Konzern“

27.05.2008 ·  Fondsmanager und Kleinaktionäre haben die Hauptversammlung der Hypo Real Estate zur Generalabrechnung gemacht. Der Immobilienkonzern hat überraschend hohe Belastungen aus der Finanzkrise bekanntgeben müssen und hohe Kursverluste erlitten.

Von Marcus Theurer
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Es war ein harter Tag für Georg Funke, den Vorstandsvorsitzenden des Münchner Immobilien- und Staatsfinanzierers Hypo Real Estate (HRE). Im Mittelpunkt der Aktionärskritik stand am Dienstag die vor vier Monaten überraschend geäußerte Bekanntgabe hoher Belastungen aus der Finanzkrise. Funke hatte damit einen im Deutschen Aktienindex Dax beispiellosen Kurssturz des HRE-Papiers um rund ein Drittel ausgelöst. Analysten sprachen daraufhin dem Vorstand die Glaubwürdigkeit ab. Der Aktienkurs hat sich bis heute nicht nachhaltig erholt. Funke selbst wies die Kritik auf der Hauptversammlung abermals weitgehend zurück und bezeichnet den Kurssturz als überzogen. Er wurde darin von Aufsichtsratschef Kurt Viermetz bestärkt. Wiederholt forderten empörte Aktionäre daraufhin den Rücktritt der beiden Banker.

Der Fondsmanager Helmut Hipper von Union Investment warf Funke unter dem Beifall der rund 2000 HRE-Aktionäre eine „katastrophale Kommunikationspolitik“ vor. „Der Vorstand hat die Unternehmenssituation viel zu lange zu positiv dargestellt.“, kritisierte Hipper. Der Verdacht, dass dies nicht Fahrlässigkeit, sondern „vorsätzliche Methode“ sei, dränge sich auf. Nikolaus Pöhlmann von der DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, sprach von unakzeptablen „Beschwichtigungen“ Funkes im Vorfeld der Wertberichtigungen. Ein weiterer Vertreter institutioneller Investoren attestierte dem Führungsgremium der Bank „eine gewisse Naivität“ in seiner Kommunikationspolitik.

Aktionäre warfen dem Vorstand Unfähigkeit zur Selbstkritik vor

Auch die Vertreter der Kleinaktionäre gingen mit Funke hart ins Gericht. „Es hat kein Mensch mehr Vertrauen in das Unternehmen“, wetterte Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Die Behauptung des Vorstands, die Bank habe schon im August 2007 ausreichend auf mögliche Risiken hingewiesen, sei unglaubwürdig. „Glauben Sie im Ernst, der Kurs wäre dann im Januar um 35 Prozent eingebrochen?“, fragte der Kleinaktionärsvertreter. Mehrere Redner äußerten zudem den Verdacht, die HRE habe die Offenlegung von Wertberichtigungen bewusst verzögert, um die milliardenschwere Übernahme des Staatsfinanzierers Depfa nicht zu gefährden. Die HRE hat die Übernahme, die auf der Hauptversammlung auch als betriebswirtschaftlich fragwürdig kritisiert wurde, im Herbst abgeschlossen.

Zahlreiche Aktionäre kreideten Vorstand und Aufsichtsrat Unfähigkeit zur Selbstkritik an. „Das Eingestehen eines Fehlers wäre der beste Weg, Vertrauen zurückzugewinnen“, empfahl Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Sie hielt dem HRE-Chef vor, er habe noch im November erklärt, die HRE sei aus der Finanzkrise „gestärkt hervorgegangen“. Sowohl DSW als auch SdK verweigerten dem Vorstand die Entlastung. Außerdem wurde eine Sonderprüfung gefordert.

Eingeständnis eigener Fehler von sich gewiesen

Der gescholtene Bankmanager Funke wies allerdings auf der Hauptversammlung abermals das geforderte Eingeständnis eigener Fehler von sich. Er habe die Öffentlichkeit nicht zu spät über die Belastungen aus der Finanzkrise informiert, verteidigte sich Funke: „Es gab nach unserer Überzeugung keine Möglichkeit, anders zu handeln.“ Der HRE-Chef sagte allerdings, er akzeptiere die Kritik an der Kommunikationspolitik als gerechtfertigt. Diese wird zur Zeit auch von der Finanzmarktaufsicht Bafin geprüft. Ein Ergebnis der Ermittlungen liegt nach Angaben der HRE bisher nicht vor.

Keine klare Position bezog Funke zum geplanten Einstieg des Finanzinvestors J.C. Flowers bei der HRE. Dieses hat für bis zu 24,9 Prozent der Aktien ein Kaufangebot veröffentlicht. Flowers bietet 22,50 Euro je HRE-Aktie, deren Kurs am Dienstag im Handelsverlauf bei 21,88 Euro notierte. Der HRE-Vorstand gibt zu der Flowers-Offerte keine Empfehlung ab. Einerseits argumentierte Funke auf der Hauptversammlung, der von Flowers gebotene Preis sei zu niedrig. Andererseits wies Funke darauf hin, dass „ein stabiler Kern im Aktionärskreis auch im Interesse des Unternehmens“ liege. Die HRE-Aktien sind bislang vollständig im Streubesitz. Zudem könne ein Verkauf an Flowers zumindest für kurzfristig orientierte Aktionäre interessant sein, gab Funke zu bedenken. Auf Nachfrage eines Aktionärs räumte er später in der Hauptversammlung ein, im zweiten Quartal sei mit weiteren Belastungen aus der Finanzkrise zu rechnen. Das Aktionärstreffen war nach siebenstündiger Dauer bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht abgeschlossen.

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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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