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Vor möglichem Verkauf : HSH Nordbank prüft den nächsten Schuldenerlass

Firmenschild der HSH Nordbank vor dem Landtag in Kiel Bild: dpa

Die HSH Nordbank muss privatisiert oder abgewickelt werden. Forderungsverzichte sollen diesen Weg erleichtern. Doch wahrscheinlich sind auch noch Investitionen nötig, um sie einem Investor schmackhaft zu machen.

          Heinrich Schoeller hat in seinem Leben viel ausprobiert. Als Kapitän fuhr er einige Jahre zur See, bevor er sich als Unternehmer selbständig machte. Er war im Hotelgeschäft aktiv und betrieb mehrere Luxusherbergen. Sein größtes Engagement war aber die Schifffahrt – und die macht ihm seit einigen Jahren große Schwierigkeiten. Denn seine Reedereigruppe, die Schoeller Holdings Ltd. mit Sitz in Limassol auf Zypern, ist in eine Schieflage geraten und verhandelt seit geraumer Zeit mit der HSH Nordbank über einen Rettungsplan.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Rund 1,5 Milliarden Euro Schulden sollen Schoellers Unternehmen zeitweise bei der Bank gehabt haben, die sich in blindem Expansionswahn einst zum größten Schiffsfinanzierer auf der Welt aufgeschwungen hatte. Um die Schwierigkeit mit dem wichtigen Kreditkunden zu lösen, ist die HSH nun offenbar zu größeren Einschnitten bereit. Von informierten Personen hieß es, der Vorstand erwäge auf Forderungen in Höhe von rund 800 Millionen Dollar, umgerechnet rund 680 Millionen Euro, zu verzichten. Dies soll den Weg für eine Fusion von Schoellers Reederei mit dem zypriotischen Wettbewerber Marlow Navigation freimachen, die den Betrieb auf eine stabilere Basis stellen soll. Schoeller und der Marlow-Eigner Hermann Eden sind offenbar bereit, 149 Millionen Dollar an eigenen Mitteln einzubringen.

          In Hamburg sorgt die Nachricht für Aufsehen, denn die Diskussion um Forderungsverzichte der HSH hatte zuletzt hohe Wellen geschlagen. So hatte die Nordbank, die mehrheitlich in Besitz der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein ist, im vergangenen Jahr dem Reeder Bernd Kortüm rund 547 Millionen Euro an Schulden erlassen. Dies wurde heftig kritisiert, weil Kortüm kurz zuvor eine mehrere Millionen Euro teure Yacht gekauft hatte. Im Falle von Bertram Rickmers gab die HSH hingegen nicht nach, sondern ließ das Unternehmen in die Insolvenz gehen. Die Opposition in der Bürgerschaft sieht deshalb viele offene Fragen: „Wir erwarten, dass Finanzsenator Peter Tschentscher und die Experten der Bank in der nächsten Sitzung des Ausschusses für öffentliche Unternehmen die Hintergründe und Motive dieses Deals erklären“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Michael Kruse.

          HSH muss privatisiert oder abgewickelt werden

          Für die Länder ist das Thema heikel, denn sie stehen mit ihren Staatsbürgschaften für einen Teil der Verluste gerade, die durch Abschreibungen auf faule Kredite entstehen. Zudem stecken sie gerade mitten im Verkaufsprozess für die HSH, die auf Geheiß der EU-Kommission privatisiert oder abgewickelt werden muss. Trotzdem verteidigen sie die Forderungsverzichte. Denn erstens seien die kritischen Engagements bei Rickmers, Kortüm, Schoeller und Co. längst durch Risikovorsorge abgedeckt und mit den öffentlichen Garantien verrechnet. Sprich: Das Geld ist längst verloren und wird bloß noch formell aus der Bilanz gestrichen. Und zweitens könne der Forderungsverzicht das geringere Übel sein, besonders dann, „wenn damit ein Totalverlust in noch größerem Umfang durch eine Insolvenz vermieden wird“, sagte ein Sprecher der Finanzbehörde.

          Im Falle Heinrich Schoellers traf dies offenbar zu. Der Reeder, der das Unternehmen 1978 auf Zypern gegründet hatte und heute eine Flotte von rund 400 Schiffen betreut, hatte in den zurückliegenden Jahren viele Hebel in Bewegung gesetzt, um die weitverzweigte Gruppe zu retten. Trotz des schwierigen Umfelds, das durch ein gewaltiges Überangebot an Tonnage und einen starken Verfall der Fracht- und Charterraten geprägt ist, soll er dabei durchaus Fortschritte gemacht haben: „Schoeller hat die Probleme über Jahre Schritt für Schritt abgearbeitet und dabei eng mit der HSH Nordbank kooperiert“, sagt ein Hamburger Branchenkenner. „Dadurch ist ein enges Vertrauensverhältnis entstanden.“

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          Auch im Umfeld der HSH hieß es, man sei erleichtert, dass die Schwierigkeiten mit Schoeller, dem größten Kreditnehmer im Geschäftsbereich Schifffahrt, gelöst werden können. Für die Nordbank ist das wichtig, weil sie möglichst viele Altlasten loswerden will, bevor die Gespräche mit potentiellen Käufern der Bank im Herbst in die entscheidende Phase gehen. Für das profitable Kerngeschäft, die sogenannte Kernbank, gibt es mehrere Interessenten. Doch die hausinterne Abbaubank für faule Darlehen, in der auch die Kredite an Schoeller liegen, sorgt weiter für Sorgen und könnte den Verkauf gefährden.

          Schon länger war klar, dass potentielle Käufer diese interne „Bad Bank“ nur dann nehmen, wenn sie dafür eine Mitgift bekommen. Doch jetzt wird immer deutlicher, dass der vorgesehene Finanzrahmen nicht reichen dürfte. Zusätzlich zu den Garantien in Höhe von 10 Milliarden Euro seien voraussichtlich weitere Mittel in Höhe von 3 bis 4 Milliarden Euro nötig, um die Abbaubank einem Investor schmackhaft zu machen oder sie unter dem Dach der Länder abzuwickeln, hieß es am Freitag in informierten Kreisen. „Wenn die Länder kein weiteres Geld in die Hand nehmen wollen, dann wird die Privatisierung der HSH Nordbank nicht gelingen.“ Der Hamburger Finanzsenator Teschentscher (SPD) hatte dagegen zuletzt gesagt, eine „weitere Risikoübernahme“ sei für die Länder nicht akzeptabel.

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