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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

HSH Nordbank Die Millionen-Schlammschlacht

 ·  Den letzten Anstoß, die große Koalition in Schleswig-Holstein zu lösen, gab Dirk Jens Nonnenmacher. Der Chef der mit Staatsgeld geretteten HSH Nordbank bringt wegen einer üppigen Bonuszahlung CDU und SPD in Not.

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Auf den Fluren der Hamburger Zentrale stellt die HSH Nordbank derzeit ihre Gemälde aus. Eines trägt den Titel „Kotzbrocken“, Öl auf Spanplatte, 28 mal 36 Zentimeter. Das passt zur Stimmung, die Bankchef Dirk Jens Nonnenmacher in diesen Tagen entgegenschlägt. Denn seitdem vergangen Freitag bekannt geworden ist, dass Nonnenmacher in der mit 13 Milliarden Euro an Staatshilfe geretteten Bank einen Bonus von 2,9 Millionen Euro einstreicht, ist vielen Menschen in der Republik ganz übel.

Den schleswig-holsteinischen SPD-Landeschef Ralf Stegner hat vergangene Woche nach eigener Aussage „fast der Schlag“ getroffen, als er und die SPD – nach Stegners Aussage zum ersten Mal – von der Summe gehört hätten. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) leidet angesichts der Millionen gar unter Atemnot: „Da kann einem schon der Kragen platzen.“ Nun sind erhebliche Zweifel angebracht, ob Stegner vergangene Woche wirklich zum ersten Mal von der Zahlung gehört hat, weil sein Parteikollege, der schleswig-holsteinische Innenminister Lothar Hay, zwei Wochen zuvor informiert worden sein soll.

Nonnenmacher steht am Pranger

Die CDU hat die Nase voll und hat das Ende der großen Koalition im Küstenland eingeleitet. Steinbrücks Ausbruch mag man eher als Privatmeinung in wahlkämpferischen Zeiten betrachten. Denn weil die Eigenkapitalhilfe für die Bank von den Ländern und nicht vom Bund kommt, ist er von Amts wegen gar nicht zuständig. Doch wie die politische Gemengelage auch sei, ändert sie nichts am Imageschaden für die HSH Nordbank und ihren Chef: Das ohnehin schwer gebeutelte Haus hat auf dem Weg zur Sanierung einen gewaltigen Rückschritt erlitten: Nonnenmacher steht am Pranger als unbelehrbarer Gierhals der Nation.

Dass es soweit gekommen ist, ist das Ergebnis einer katastrophalen Öffentlichkeitsarbeit. Ausgerechnet Hamburgs Finanzsenator Michael Freytag (CDU) soll laut informierten Kreisen in der vergangenen Woche die Zahlung an die lokalen Medien durchgestochen haben – als er gemerkt habe, dass die Zahlung nicht mehr lange geheim zu halten sei. Genützt hat es dem schwer angeschlagenen Politiker nicht. Stattdessen muss er sich des Vorwurfs erwehren, er habe zuvor den Haushaltsausschuss der Hamburger Bürgerschaft angelogen. Die Stimmen, Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) werde Freytag zum eigenen Machterhalt opfern, werden lauter.

Ein Medienkrieg hat begonnen, in dem jeder jeden mit exklusiven Informationen füttert. So ist in der Lokalpresse zu lesen, Freytag und Beust hätten bei der HSH darauf gedrängt, die pikante Zahlung an Nonnenmacher von sich aus publik zu machen – aber die Banker hätten abgeblockt. In Bankenkreisen wird das Gegenteil berichtet. So sei dem Aufsichtsrat eine schriftliche Bitte Nonnenmachers zugegangen, die Zahlung als Erfolgsmeldung offensiv zu veröffentlichen. Argumentation: Man könne vermelden, dass man den Sanierer als Chef habe halten können. Der Preis dafür sei, Nonnenmachers Vertrag auszuzahlen. „Doch die CDU dachte wohl, sie könne das unterm Deckel halten“, heißt es. Dann habe Freytag die Nerven verloren.

Die Zahlung von 2,9 Millionen Euro hatte der HSH-Aufsichtsrat, dem damals noch etliche Politiker angehörten, dem Mathematiker Nonnenmacher im November 2008 versprochen. Die Bank hatte in der Finanzkrise mit strukturierten Wertpapieren Verluste in Milliardenhöhe gemacht. Ob die Bank alleine oder im Schulterschluss mit anderen in die Zukunft gehen würde, war damals vollkommen offen. Dementsprechend unklar war auch die Zukunft von Nonnenmacher, der erst seit Anfang des Jahres bei der Bank war und damit als einziger unbelasteter Manager für die Nachfolge des geschassten Vorstandsvorsitzenden Hans Berger in Frage kam (siehe „Enttäuschender Geschäftsverlauf“: HSH-Nordbank-Chef Berger tritt zurück).

Ein moralischer Makel

Im Frühjahr 2008 hatte Nonnenmacher als Vorstand einen Vertrag mit einem Jahresgehalt über 500.000 Euro plus Altersversorgung abgeschlossen, die Laufzeit betrug fünf Jahre. Im Mai und Juni 2009, so lockten die Aufsichtsräte Nonnenmacher, würden sie ihm ein Zeitfenster von sechs Wochen öffnen, in dem er sich die für die restlichen vier Jahre zustehenden 2,9 Millionen Euro auszahlen lassen und gehen könne.

Nonnenmacher blieb. Der Aufsichtsrat hatte die Wahl gehabt: Entweder den Sanierer, der mehrere Vorstandsressorts gleichzeitig besetzte und den Eignern die Hoffnung auf erfolgreiche Sanierung versprach, möglicherweise ziehen zu lassen, was den ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper womöglich davon abgehalten hätte, künftig den Aufsichtsrat zu führen. Oder zu zahlen. Der Aufsichtsrat und damit auch die Politiker um Freytag entschieden sich für den zweiten Weg.

Also erhält Nonnenmacher die Millionen als „Bonus“ für seine Leistung – und hat seitdem einen moralischen Makel, den er nur schwer wegdiskutieren kann. Denn auch wenn die Zahlung rechtlich nicht angreifbar ist, weil die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein erst nach dem Aufsichtsratsbeschluss die Gehälter nach Vorbild des Bunds auf 500.000 Euro gedeckelt haben: Der Eindruck, dass sich trotz Krise und Staatshilfe Bankmanager auf Kosten des Steuerzahlers die Taschen vollmachen, wirkt kurz vor der Bundestagswahl verheerend.

„Ohne staatliche Hilfen in Milliardenhöhe gäbe es seine Bank nicht mehr“, sagt Steinbrück zu Nonnenmachers „Bonus“, nennt diesen „eine Frage des Anstands“ und macht den Bankchef dann gleich auch noch für die gesamten Verluste der HSH Nordbank verantwortlich - ungeachtet der Tatsache, dass den Größenwahn der Bank in den vergangenen Jahren die Politiker von SPD und CDU im Aufsichtsrat geradezu befördert haben. Das, so erwarten Insider, werden auch die parlamentarischen Untersuchungsausschüsse und die Ermittlungen der Kanzlei Freshfields in den nächsten Monaten rechtzeitig zur Bundestagswahl ausbuddeln: „Da kommt noch viel Dreck nach oben.“ Die Schlammschlacht um die HSH Nordbank hat also gerade erst begonnen.

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Jahrgang 1978, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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