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Hosen : Die Jeans zum Mieten

  • -Aktualisiert am

Rund 1000 Hosen hat das Unternehmen Mud Jeans bisher verleasen können Bild: Mud Jeans

Der niederländische Hersteller Mud Jeans verleast Hosen für fünf Euro im Monat. Kunden erhalten ein Produkt für das gute Gewissen.

          Mit der Billigware der Discounterkette Primark haben die Jeans des niederländischen Herstellers Mud nicht viel zu tun: Sie bestehen aus 100 Prozent Biobaumwolle, gefertigt werden sie nicht in Bangladesch, sondern in Italien. Ein Fair-Trade-Siegel gibt’s obendrauf. Und auch der Preis ähnelt dem Discounter nur auf den ersten Blick: Fünf Euro kostet eine Mud Jeans – jeden Monat allerdings: das Beinkleid aus Holland gibt es zum Leasingtarif.

          Eine Jeans leasen? Was zuerst nach einer absurden Idee klingen mag, ist für Mud-Jeans-Eigentümer Bert van Son ein Schritt zu mehr Nachhaltigkeit. „Warum sollte ich eine Hose besitzen wollen? Es reicht doch, wenn ich sie nutzen kann“, sagt er zu seinem Lease-a-Jeans-Konzept.

          Jeans bleibt immer im Besitz des Unternehmens

          So funktioniert es: Der Kunde zahlt einmalig 20 Euro Pfand, jeden weiteren Monat fallen fünf Euro Leasinggebühren an. Nach einem Jahr läuft der Vertrag aus; dann hat der Jeansträger verschiedene Möglichkeiten. Er kann die Hose zurückgeben oder eine neue ordern, für die er dann ein weiteres Jahr 5 Euro Monatsrate zahlt. Oder er entschließt sich, seine alte Jeans für weitere 20 Euro so lange zu tragen, wie er möchte. Insgesamt 100 Euro hat der Kunde in diesem Fall dann für eine Jeans investiert.

          Doch egal wie – die Jeans bleibt immer im Besitz des Unternehmens. Das hat für den Kunden auch Vorteile: Geht die Jeans einmal kaputt, wird sie kostenlos repariert. Und wenn der Kunde die Jeans nach Jahren zurückschickt, erhält er seine 20 Euro als Gutschrift für den nächsten Einkauf – das bindet die Kundschaft an das Leasing-Prinzip. 1000 Hosen hat das Unternehmen bisher verleasen können.

          Wie finanziere ich eine nachhaltige Jeans, die sich jeder leisten kann? Diese Frage stand für van Son am Anfang seiner Geschäftsidee. Dadurch, dass er immer Eigentümer der Hose bleibt und diese später recyclen kann, spart er auf Dauer Kosten im Einkauf der teuren Biobaumwolle. Van Son ist Überzeugungstäter: „Wir müssen stärker auf eine Kreislaufwirtschaft hinarbeiten, wenn wir eine lebenswerte Welt hinterlassen wollen.“ Seine Geschäftsidee hat der 52-Jährige komplett selbst finanziert: „Man muss ein bisschen verrückt sein.“ Damit viel Geld zu verdienen, sei allerdings schwierig, gibt er zu.

          Als Second-handware verkauft

          Mud Jeans bietet eine Jeans für das gute Gewissen an. Produziert werden die Jeans in Umbrien, die Baumwolle stammt aus der Türkei. Um die Entsorgung muss sich der Kunde ebenfalls keine Sorgen machen: Gibt ein Käufer seine Hose zurück, verspricht Mud Jeans, diese nicht einfach in den Müll zu werfen, wo sie verbrannt wird und Emissionen erzeugt. Stattdessen wird sie als Second-handware verkauft oder gehäckselt. Die alten Fasern werden dann zu neuen Jeans oder Taschen und Schuhen verarbeitet. Komplett zufrieden ist van Son mit seiner Kreislaufwirtschaft aber noch nicht: „Der Farbstoff ist zum Beispiel noch nicht nachhaltig. Das müssen wir verbessern.“

          Das Konzept von Lease-a-Jeans steht im Gegensatz zu dem, was Jugendliche heute unter Shopping verstehen. Nachhaltigkeit oder Produktionsbedingungen spielen da eine untergeordnete Rolle. Textildiscounter wie Primark oder Kik setzen mit billiger Mode auf Kaufrausch. Die Lebensdauer ihrer Kleidung ist gering, nach kurzer Zeit wird sie weggeworfen. Millionen Kilogramm an Textilien landen so auf dem Müll. In Großbritannien ist dieses Phänomen bereits als „Primark-Effekt“ bekannt. Da wirken die Mud Jeans wie ein Gegenentwurf zur „Fast Fashion“.

          Ab 2014 will Mud Jeans das Leasing-Prinzip auch auf Pullover ausweiten. Das Startkapital für die Expansion besteht aus Spenden. Fast 41000 Euro hat Unternehmer van Son bisher einsammeln können, damit die Kunden ihre Fleece-Pullover bald ökologisch korrekt leasen können.

          Quelle: F.A.S.

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