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Veröffentlicht: 01.01.2013, 18:30 Uhr

Hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung Deutsche Unternehmen wollen an der Spitze bleiben

Viele Konzerne werden trotz Eurokrise auch in diesem Jahr viel Geld in Forschung und Entwicklung stecken. Deutschlands Maschinenbauer sehen zum Beispiel gute Chancen, an der Re-Industrialisierung der Vereinigten Staaten zu verdienen.

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© dpa International angesehen: Traktoren aus dem Hause Fendt

Die deutschen Unternehmenslenker fühlen sich gut dafür gewappnet, auch ein weiteres Jahr im Zeichen der Eurokrise zu überstehen und ihr Wachstum voranzutreiben. Das ergab eine Umfrage dieser Zeitung unter Vorstandsvorsitzenden wichtiger deutscher Unternehmen. In vielen Konzernen werden dazu Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in moderne Fabriken hoch gehalten, zugleich jedoch weitere Möglichkeiten zum Sparen ausgelotet.

Die befragten Vorstände erwarten einen ähnlich klaren Kurs nun auch von der Politik - insbesondere in Sachen Eurorettung und Energiewende. Die deutsche Industrie sei nur zukunftsfest, „wenn die Energieversorgung auf einem sicheren und bezahlbaren Fundament bleibt“, sagt Klaus Engel, der Vorstandsvorsitzende des Spezialchemiekonzerns Evonik. Und während Elmar Degenhart, der Vorstandsvorsitzende des Zulieferkonzerns Continental, für die Automärkte neue Zuversicht schöpft, bangt er um eine dauerhafte Lösung der Staatsverschuldungskrise. „Wir brauchen dringend eine neue, stabile Balance der globalen Kräfte.“

Hoffnung auf Amerika - härtere Konkurrenz aus Amerika

Wie viele andere Vorstände befürchtet auch Degenhart keine neue globale Rezession und sieht sogar gute Chancen, sich weiter von der direkten Konkurrenz absetzen zu können. „Wir wollen 4 bis 5 Prozent stärker wachsen als unsere Märkte“, kündigt er an. Im Hause Continental sieht man die Talfahrt auf dem europäischen Automarkt beendet, der Fahrzeugabsatz werde hier allenfalls noch um 1 bis 2 Prozent zurückgehen. Dafür soll die Musik wieder ganz laut in Amerika spielen, wo Continental für 2013 einen Absatz von insgesamt 15,5 Millionen Autos und leichten Nutzfahrzeugen erwartet - das wäre ein Zuwachs von 9 Prozent zum abgelaufenen Jahr.

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Mögen die Vereinigten Staaten auch noch so sehr im politischen Streit über Steuern und Staatsausgaben liegen, die dortige Industrie nutzt ihre neu gewonnene Wettbewerbsfähigkeit, die insbesondere auf deutlich gesunkenen Energiekosten basiert, um ihre Fabriken zu modernisieren. Für manchen deutschen Konzern wird dadurch der Wettbewerb auf dem Weltmarkt noch härter, andere sehen sich dagegen in den Vereinigten Staaten plötzlich wieder im Geschäft. „In Amerika läuft ein langfristig angelegtes, systematisch gemanagtes Projekt zur Re-Industrialisierung des Landes. Der Maschinenpark dort wurde über Jahre nicht erneuert und veraltete. Jetzt investieren viele Unternehmen wieder und die deutschen Maschinenbauer profitieren davon“, sagt Thomas Lindner, Unternehmer und Präsident des Maschinenbauverbands VDMA.

Innovationen sind das A und O in den meisten Strategieplänen

Dazu müssen die Unternehmen allerdings ihren Spitzenplatz in Forschung und Entwicklung behaupten; Innovationen sind das A und O in den meisten Strategieplänen. „In 2013 werden wir eine Vielzahl neuer SAP-Anwendungen sehen, die auf Innovationen beruhen und sich enorm positiv auf Wirtschaft und Gesellschaft auswirken“, kündigt zum Beispiel Jim Hagemann Snabe, der Vorstandssprecher von SAP, an. Entscheidend dabei sei, dass der Softwarekonzern seine Innovationsgeschwindigkeit in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt habe.

Und auch in Branchen, die von sogenannten Megatrends profitieren, lautet der Anspruch an die deutschen Hersteller, bessere Qualität zu liefern als der Rest des Feldes - und das zu vernünftigen Preisen. In der Landtechnik zum Beispiel können die Unternehmen generell darauf vertrauen, dass Traktoren, Pflüge und Erntegeräte in den kommenden Jahren weiter ein gutes Geschäft abwerfen werden. Mehr Menschen auf der Erde wollen immer besser ernährt werden, „dafür werden moderne landwirtschaftliche Geräte benötigt“, sagt Martin Richenhagen, der Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Landtechnikkonzerns Agco. Doch auch im Agco-Konzern erwartet man von der deutschen Marke Fendt besonderes: Die Traktoren aus dem Allgäu werden als Premiummarke geführt und müssen daher „für High-Tech und Qualität stehen, die in dieser Form nicht kopiert werden können“, betont Richenhagen.

Unmut über wachsende Regulierung

Die Bemühungen der Unternehmen enden allerdings häufig dort, wo der Gesetzgeber ins Spiel kommt. Und deshalb ist in vielen Konzernen auch ein deutlicher Unmut über eine stetig wachsende Regulierung und Bürokratie spürbar. Die Deutsche Telekom zum Beispiel fordert eine andere Marktregulierung, die Investitionen in den Ausbau des Breitbandnetzes „endlich belohnt, statt sie zu verhindern“, wie es der Telekom-Vorstandsvorsitzende René Obermann formuliert. Viele Medizintechnikbetriebe fürchten die Belastungen einer neuen EU-Verordnung für Medizingeräte. Besonders belastet fühlen sich aber die Fluggesellschaften aufgrund der Zusatzkosten für den europäischen Emissionshandel. „Europa ist die einzige Region in der Welt, in der die Airlines Verluste einfliegen. Das gibt zu denken“, sagt Christoph Franz, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Lufthansa.

Wenig Klagen gibt es zum Jahreswechsel dagegen über die Kreditvergabe der Banken. Das mag auch damit zu tun haben, dass viele Unternehmen im jüngsten Aufschwung Schulden abgebaut und ihre Kassen gut gefüllt haben. Das hat ihrer Kreditnoten verbessert - und sie damit als Kreditkunden wieder attraktiver gemacht. „Der Kreditzugang für Unternehmen, die Finanzierung suchen, bleibt sehr gut und stabil“, prognostiziert Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der staatlichen Förderbank KfW. Wenn die Kreditvergabe nun dennoch sinke, liege das nur daran, dass die Unternehmen angesichts der unsicheren Konjunktur vorsichtiger mit der Mittelaufnahme werden. Im ersten Halbjahr 2013 dürfte das Kreditneugeschäft daher weiter nachlassen, resümiert Zeuner.

Quelle: F.A.Z.

 

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