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Hörbücher Nachschub für die Ohren

11.10.2007 ·  Immer mehr Menschen laden sich Hörbücher aus dem Internet auf ihren Computer herunter - ganz legal und zum Preis von durchschnittlich 10 Euro. Dennoch sind die Zuwächse der Branche inzwischen bescheiden geworden. Der Markt für Hörbücher ist offenbar sehr begrenzt.

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Immer mehr Menschen laden sich Hörbücher aus dem Internet auf ihren Computer herunter - ganz legal und zum Preis von durchschnittlich 10 Euro. Der Umsatz der Hörbuchverlage auf diesem Vertriebsweg ist im vergangenen Jahr um 181 Prozent von 2,1 Millionen auf 5,9 Millionen Euro gestiegen. Allerdings war auch die Basis sehr gering. Und schon in diesem Jahr ist der Zuwachs deutlich auf nur noch 32 Prozent im ersten Halbjahr zurückgegangen. Im Netz können die Nutzer unter 8000 Titeln wählen. Hörbuchhörer sind offenbar wesentlich technikaffiner als Buchleser. Nach einer Umfrage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels haben 73 Prozent aller Buchleser zu Hause oder im Büro einen Zugang ins Internet, unter den Hörbuchhörern sind es 83 Prozent. Das spricht für Christine Härle vom Eichborn-Verlag dafür, die Hörbuchgemeinde stärker über das Internet anzusprechen, denn viele davon würden wahrscheinlich nie eine Buchhandlung betreten.

Wobei aber der Buchhandel unangefochten der wichtigste Absatzkanal für Hörbücher bleibt, denn viel größer als die Zahl der Downloads ist die Anzahl von Hörbüchern auf CD, die im Einzelhandel erworben werden. Während im ersten Halbjahr gerade einmal 300 000 Hörbücher legal im Internet runtergeladen wurden, gingen 5 Millionen Stück über die Ladentheken, zumeist in Buchläden, aber auch bei Discountern oder an Tankstellen. Vor allem mehr Männer haben zugegriffen, ergab die Umfrage des Börsenvereins. Denn der Anteil der männlichen Hörer ist binnen eines Jahres von weniger als 40 Prozent auf fast die Hälfte gestiegen. Das liegt nach Angaben von Christine Härle (Firma Eichborn-Lido) daran, dass mehr Sachbücher, darunter auch mehr Managementbücher, als Hörbücher vermarktet werden als früher.

160 Millionen Euro Umsatz im Jahr

Die allein in Deutschland etwa 500 Hörbuchverlage stellen 20.000 Titel zur Verfügung, darunter 2000 Neuerscheinungen im Jahr. Trotz der Titelflut sind die Zuwächse inzwischen bescheiden geworden, wenn nicht gerade ein Bestseller wie ein neuer Harry Potter oder ein Hape Kerkeling (Ich bin dann mal weg) gelesen werden. Der Gesamtmarkt für Hörbücher legte im ersten Halbjahr 2007 noch um 8 Prozent auf 72,3 Millionen Euro zu. Das verkaufsstärkere zweite Halbjahr folgt noch, so dass auch auf das Gesamtjahr gerechnet der Umsatz von zuletzt 160 Millionen Euro im einstelligen Bereich zulegen dürfte. Der Wettbewerb ist allerdings auch hier hart. Für 8 Prozent mehr Umsatz im ersten Halbjahr mussten die Verlage 23 Prozent mehr Produkte ausliefern, weil der Durchschnittspreis binnen eines Jahres um 12 Prozent von 15,44 Euro auf 13,60 Euro gesunken ist.

Diese Preisentwicklung bereitet den Hörbuchverlagen zunehmend Sorge. Der sinkende Durchschnittspreis mache es immer schwerer, anspruchsvolle Hörbücher zu produzieren, aber nur mit anspruchsvollen Hörbüchern lasse sich der Markt ausweiten, ist der Arbeitskreis Hörbuchverlage im Börsenverein des Deutschen Buchhandels überzeugt. Die Produktionskosten für ein Hörbuch liegen nach Angaben von Experten zwischen 5000 und 20 000 Euro. Man brauche nicht nur den Vorleser, dessen Prominenz den Absatz sehr fördert, sondern auch einen Regisseur, der den Vorleser betreut. "Der Reiz eines Hörbuchs liegt für den Hörer in der mitreißenden Präsentation der Literatur", ist Theresia Singer von der Firma "Headroom Sound Production" überzeugt. Außerdem brauche man in den meisten Fällen auch einen Lektor, der die Buchversion an die Hörbucherfordernisse anpasst und in der Regel kürzt. Viele Krimis sind nach Angaben von Christine Härle nur als Hörbuch produzierbar, weil man für die Handlung unwesentliche Romanstränge weglasse.

Das Hörbuch bekommt keine Eselsohren

Trotz aller Bemühungen, das Hörbuch attraktiv zu gestalten, ist der Markt offenbar sehr begrenzt. Die Abflachung der Zuwächse bereitet den Hörbuchverlagen daher Sorge. Man wolle in einer weiteren Untersuchung erfragen, was sich die Verbraucher in den kommenden Jahren wünschen. Dabei geht es nach den Worten von Singer vor allem darum, die technischen Entwicklungen auszuloten und sich an deren Spitze zu setzen. Derzeit sei nicht absehbar, ob die Zahl der Hörer, die ihre Hörbücher über das Internet runterladen, steige und wie sich der Markt für CDs entwickeln werde. Ein Problem sei die Nutzung gebrauchter Hörbücher. Da das Hörbuch keine Eselsohren bekommt bei der Nutzung, wird es über Internetmärkte wie Ebay zu relativ hohen Preisen weiterverkauft. Während gebrauchte Bücher nur noch schwer zu verkaufen sind, kann man für gebrauchte Hörbücher noch immer den halben Preis realisieren. Aber auch diese Zweitverwertung sehen die Verlage derzeit noch positiv - als generelle Werbung für das Medium Hörbuch.

Quelle: geg./F.A.Z., 11.10.2007, Nr. 236 / Seite 18
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