21.03.2007 · Zunächst hieß es, dass die Mehrwertsteuer der Kauflaune bislang kaum etwas anhaben konnte. Doch nun wandelt sich das Bild: Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Einzelhändler zu Jahresbeginn deutliche Einbußen hatten.
Nach der Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn ist der Umsatzeinbruch beim deutschen Einzelhandel stärker ausgefallen als zunächst berechnet. Im Januar sanken die Erlöse im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,1 Prozent, preisbereinigt gab es ein Minus von 1,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Ursprünglich hatten die Statistiker einen nominalen Rückgang von 0,5 Prozent und ein reales Minus von 1,4 Prozent gemeldet. Grund für die aktualisierten Ergebnisse sei eine überarbeitete Stichprobe, für die mehr Unternehmen und ein höheres Umsatzvolumen einbezogen wurden, so dass die Zahlen repräsentativer seien als bislang.
„Die Mehrwertsteuererhöhung hat den Einzelhandel erheblich gebremst“, sagte der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr. „Wenn die Händler im Januar nicht so viele Rabatte und Aktionen gegeben hätten, hätte es uns noch schlimmer erwischt.“ Für das Gesamtjahr rechnet der Verband nur noch mit einem nominalen Zuwachs von maximal einem Prozent. Der Verband erwartet, dass die Delle der Mehrwertsteuererhöhung bis zum Frühjahr andauern wird.
Im Vergleich zum Vormonat Dezember gingen die Umsätze laut Statistik im Januar um real 4,3 Prozent (nominal 3,9 Prozent) zurück. Diese Zahlen liegen unter den ursprünglich gemeldeten 5,1 Prozent (nominal 4,5). Der kurzfristige Vergleich sagt nach Angaben der Statistiker aber noch zu wenig aus, um die Folgen der Mehrwertsteuererhöhung abschätzen zu können. „Ein Monat allein ist wenig aussagekräftig“, sagte ein Statistiker. Zudem sei es methodisch schwierig, den umsatzschwächsten Monat des Jahres Januar mit dem Dezember als umsatzstärksten Monat eines Jahres zu vergleichen.
Experten bleiben optimistisch
Für das Gesamtjahr sehen Experten trotz allem nicht schwarz: Trotz des schwachen Jahresauftakts glauben sie, dass gute Chancen bestehen, dass der private Konsum die Wirtschaft auch 2007 anschiebt. „Der Arbeitsmarkt entwickelt sich ausgesprochen gut“, begründete Andreas Scheuerle von der Deka-Bank seinen Optimismus. Zudem dürften kräftige Lohnsteigerungen die Kauflaune der Verbraucher heben. „Der Aufschwung wird auch den privaten Konsum erreichen“, sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim.
Im ersten Quartal dürfte der Konsum aber auch aus ihrer Sicht die Konjunktur noch bremsen. „Das Minus von Januar ist kaum mehr aufzuholen“, sagte Kastens. Die Deka-Bank rechnet nun mit einem stärkeren Rückgang des privaten Konsums um 0,8 Prozent zum Vorquartal. Bislang hatte sie ein Minus von 0,3 Prozent erwartet.
Waren- und Kaufhäuser erlitten die größten Einbußen
Die größten Einbußen im Vorjahresvergleich erlitten Waren- und Kaufhäuser (minus 4,3 Prozent). Aber auch der Versandhandel schnitt schlechter ab (minus 3,6 Prozent), gefolgt vom Einzelhandel mit Büchern und Schmuck sowie Kleidung.
Der kurzfristige Vergleich zeigt, dass viele Verbraucher zum Jahresende zur Umgehung der höheren Steuer schon vorgezogen mehr eingekauft hatten. Im Dezember waren die Umsätze nominal um 3,0 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen, im Januar brachen sie entsprechend um 3,9 Prozent ein.
Die so genannten Experten
Harald Wozniewski (Limpy)
- 21.03.2007, 15:17 Uhr
Umsätze im Einzelhandel
Franz-Josef Wilwertz (wilwertz)
- 21.03.2007, 18:48 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
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