28.04.2009 · Den Privatbanken wurde lange nachgesagt, sie kämen glimpflich durch die Finanzkrise. Doch jetzt meldet auch Europas größte Privatbank Sal. Oppenheim für 2008 rote Zahlen. Es ist der höchste Verlust des Bankhauses seit dem Zweiten Weltkrieg.
Wegen der Finanzmarktkrise hat Europas größte Privatbank Sal. Oppenheim 2008 erstmals seit Jahrzehnten rote Zahlen geschrieben. Das Ergebnis nach Steuern rutschte auf minus 117 Millionen Euro nach plus 255 Millionen Euro im Vorjahr, teilte das Bankhaus am Dienstag in Luxemburg mit.
„Das Finanzsystem ist mit so einer Wucht getroffen worden. Das gab es noch nie“, sagte der Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter, Matthias Graf von Krockow. Den „enormen Belastungen“, die die Krise im gesamten Finanzsektor auslöste, habe sich Sal. Oppenheim nicht entziehen können. „Es war ein sehr schwieriges Jahr“, sagte von Krockow.
Während der Zinsüberschuss im vergangenen Jahr um 95 Millionen auf 344 Millionen Euro stieg und der Provisionsüberschuss mit 573 Millionen Euro zwar unter Vorjahr, doch deutlich positiv blieb, ergab sich beim Handelsergebnis ein Minus von 295 Millionen Euro. Dafür verantwortlich sei vornehmlich das Ergebnis aus Renten und Zinsderivaten sowie aus Aktien und Aktienderivaten gewesen. Angesichts des Fehlbetrags zum Jahresende reduzierte sich das Eigenkapital der Bank um 14 Prozent auf 1,87 Milliarden Euro. Mittels einer im Dezember beschlossenen Kapitalerhöhung der Aktionäre um 200 Millionen Euro liegt die Eigenkapitalquote mittlerweile aber wieder bei mehr als 12 Prozent.
Für 2009 wieder positives Ergebnis erwartet
Für das laufende Geschäftsjahr sind die Gesellschafter wieder optimistischer. „Dass wir auf dem richtigen Weg sind, zeigen bereits die ersten Monate von 2009“, sagte der persönlich haftende Gesellschafter Friedrich Carl Janssen. Eine konservative Bewertung aller Bestände stelle sicher, dass die Auswirkungen aus der Finanzmarktkrise „vollständig im Geschäftsjahr 2008 verarbeitet wurden, erläuterte die Bank. 2009 werde das Marktumfeld zwar schwierig bleiben. Von Krockow zeigte sich zuversichtlich, dass Sal. Oppenheim ein positives Ergebnis erzielen könne.
Dazu habe auch ein Kostensenkungsprogramm in Höhe von 100 Millionen Euro und ein Kapitalerhöhung um 200 Millionen Euro beigetragen. Eine Entscheidung über einen Abbau von Stellen sei noch nicht getroffen worden. Zudem seien Geschäftsrisiken minimiert worden. „Wir werden diese risikoträchtigen Geschäfte nicht mehr machen“, sagte Janssen.
„Wir haben uns nie in einem Verkaufsprozess befunden“
Zu den Spekulationen der vergangenen Wochen, Sal. Oppenheim wolle ihre Frankfurter BHF-Bank verkaufen, sagte von Krockow: „Wir haben uns nie in einem Verkaufsprozess befunden.“ Die BHF sei „integraler Bestandteil“ des Konzerns und dies solle sie auch bleiben.
2007 hatten die Privatbankiers noch ihr bestes Ergebnis ihrer 220-jährigen Geschichte erzielt. Seit dem Zweiten Weltkrieg habe es keinen Verlust wie 2008 gegeben, sagte von Krockow.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2467 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 106,34 $ | −0,48% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?