17.12.2008 · Es könnte das Ende der ersten deutschen Privathochschule bedeuten: Achtzehnmal habe das Land die Universität Witten/Herdecke aufgefordert, verlässliche Wirtschaftspläne für 2009 vorzulegen. Nun sind offenbar 600 Arbeitsplätze und die Ausbildung von 1200 Studierenden gefährdet.
Von Jürgen KaubeDie Universität Witten/Herdecke erfüllt, einer Mitteilung des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriums zufolge, nicht die rechtlichen Kriterien für eine Landeszuwendung im Jahr 2008. Was so lakonisch formuliert ist, könnte den Anfang vom Ende der ersten deutschen, 1983 gegründeten Privatuniversität bedeuten.
War das Land doch zuletzt an ihrer Finanzierung mit 4,5 Millionen Euro und also fast fünfzehn Prozent ihres Gesamtetats beteiligt. Hinzu kommt eine Rückforderung des Landes in Höhe von drei Millionen Euro für das Jahr 2007; die Hochschule habe höhere Einnahmen einräumen müssen, als sie dem Land gegenüber zum Zeitpunkt der Zuwendungsgewährung geltend gemacht worden seien.
Erfolglos aufgefordert
Zu beiden Monita erläutert ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums: Ganze achtzehnmal habe man die Universität erfolglos aufgefordert, verlässliche und testierte Wirtschaftspläne für 2009 vorzulegen. Die Geschäftsführung arbeite nicht mehr ordnungsgemäß.
Allerdings plant man in Düsseldorf, in den Landeshaushalt 2009 Mittel für die seit 1995 landesseits unterstützte Privatuniversität einzustellen, sofern bis dahin testierte Wirtschaftspläne und eine Zukunftsperspektive vorlägen. Die Entziehung der Zuwendung für 2008 erfolge schweren Herzens.
600 Arbeitsplätze gefährdet
Ein Sprecher der Hochschule erklärte, die Entscheidung komme überraschend und sei nicht nachvollziehbar. Entgegen der Aussage des Ministeriums erfülle man die Voraussetzungen für die Zuwendung und leite eine juristische Prüfung des Vorgehens ein. Die Universität habe sehr wohl einen durch den Wirtschaftsprüfer plausibilisierten Plan für die Jahre 2009 bis 2011 vorgelegt, der einen ausgeglichenen Haushalt erwarten lasse. Dem stehe nicht entgegen, dass darin Risiken durch die Wirtschaftskrise enthalten seien. Ein Fehlverhalten der Geschäftsführung liege nicht vor, dies sei anwaltlich bestätigt.
Die Liquidität für die ersten Monate des Jahres 2009 sei durch eine Bürgschaft sichergestellt. Durch die ausbleibende Förderung sei nun aber der Fortbestand der Universität in Frage gestellt. In letzter Konsequenz gefährde die Landesregierung 600 Arbeitsplätze sowie die Ausbildung von 1200 Studierenden.
Nicht die erste Krise
Damit setzt sich die Abfolge der Krisen an der Universität Witten/Herdecke fort, die in den vergangene Jahren zu beobachten war: Nachdem sie mit dem Wissenschaftsrat lange um die Akkreditierung ihrer Medizinerausbildung ringen musste, scheiterte die Suche nach einem solventen Unterstützer zweimal kurz vor einem Abschluß, ein Präsident der Universität wurde dabei verschlissen.
Zuletzt hieß es, die von der politisch umstrittenen Bochumer Staatsanwältin Lichtinghagen angeblich zu großzügig an ihr nahestehende Institutionen vergebenen Bußgelder seien unter anderem nach Witten/Herdecke geflossen, wo eine ihrer Töchter studiere, was die Staatsanwältin allerdings mit ihrer Behörde abgestimmt haben will.
| Name | Kurs | Prozent |
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