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HNA : Wer ist der Deutsche-Bank-Aktionär aus China?

Zur HNA-Gruppe gehört auch Hainan Airlines, die größte private Fluggesellschaft in China. Bild: Reuters

Der chinesische HNA-Konzern ist nun größter Anteilseigner der Deutschen Bank. Auch die HSH Nordbank will er kaufen. Der Flughafen Hahn gehört ihm bereits. Ein Herz für deutsche Krisenfirmen haben die Chinesen wohl nicht – sie verfolgen einen anderen Plan.

          Die Deutsche Bank muss jetzt stark nach China schauen: 9,9 Prozent beträgt der Anteil der HNA-Gruppe von der Tropeninsel Hainan am arg kriselnden deutschen Geldhaus in Frankfurt. Das macht das Unternehmen aus China zum größten Einzelaktionär. Und zu ihrem unbekanntesten. HNA: von dieser Buchstabenkombination haben die wenigsten Deutschen im Zusammenhang mit der Weltwirtschaft schon einmal etwas gehört.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          In China hingegen kennt die Gruppe jeder, der ab- und an ins Flugzeug steigt. Hainan Airlines heißt die größte private Fluggesellschaft im Land der über einhundert Eine-Million-Einwohner-Städte. In diesen betreibt HNA zudem rund 450 Hotels. Konzerngründer und Vorstandschef Chen Feng, von dem nicht bekannt ist, wie viele Anteile er noch am eigenen Unternehmen hält, gilt als einer der reichsten Chinesen.

          Auch um den maroden Hamburger Schiffsfinanzierer HSH Nordbank bietet der aufstiegshungrige Chen mit. Warum interessiert sich der 1953 geborene Unternehmer ausgerechnet für deutsche Geldhäuser, die ihre besten Tage hinter sich gelassen haben? Die Antwort dürfte lauten: weil diese zu haben sind.

          Geld lässt sich anderswo schneller verdienen

          Denn auch im Zusammenhang mit den Namen Commerzbank und WestLB gab es früher schon mal Nachrichten von angeblichen Interessen chinesischer Käufer. Zu Beginn des Jahres zeigte angeblich der Immobilienentwickler Wanda aus Peking Interesse an der Postbank. Aus den Gerüchten ist dann allerdings nie etwas geworden.

          Es dürfte kaum die Aussicht auf Rendite sein, die HNA und andere chinesische Konzerne ins deutsche Bankenwesen lockt. Geld kann Konzernchef Chen Feng in anderen Branchen weit schneller verdienen. Zwar sind die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten in Chinas Wirtschaft vorbei. An den staatlichen Fluggesellschaften Air China, China Eastern und China Southern kommt Hainan Airlines nicht vorbei, das Wachstum lahmt. Doch auch anderswo auf der Welt gäbe es Möglichkeiten, um sein Kapital gewinnbringend zu investieren.

          Genau das hat Chen nach Frankfurt getrieben. In einer Zeit, in der der chinesische Staat seine Kapitalkontrollen verschärft und sich anschickt, die Mauer um sein Finanzwesen wieder höher zu ziehen, dürfte es expansions- und kauffreudigen Unternehmen wie HNA gelegen kommen, eine eigene Bank in Deutschland zu besitzen, mit der man nicht nur innerhalb der Grenzen des wichtigsten Handelspartners in Europa Akquisitionen finanzieren kann, ohne sehr hohe Sicherheiten hinterlegen zu müssen.

          Kein chinesischer Konzern kauft derzeit stärker im Ausland ein als HNA. 5,5 Milliarden Dollar hat das Unternehmen in diesem Jahr bereits in Übernahmen und Beteiligungen außerhalb Chinas gesteckt. Das macht 13 Prozent des Werts der Auslandsinvestitionen sämtlicher chinesischer Unternehmen aus. Weil der Wert der Währung Yuan aber im vergangenen Jahr bedrohlich schnell gesunken ist und immer mehr Investoren ihr Kapital aus China abgezogen haben, genehmigen Pekings Devisenwächter längst nicht mehr jede Akquisition im Ausland, für die ein chinesisches Unternehmen seine Yuan eintauschen muss. Zuletzt gestand Wanda-Gründer Wang Jianlin öffentlich ein, dass Peking ihm die eine Milliarde Dollar schwere Übernahme der amerikanischen Fernsehproduktionsfirma Dick Clark in letzter Sekunde verboten hatte.

          Auch die Investitionsruine Hahn ist jetzt chinesisch

          Für HNA sind die Kapitalkontrollen ein Problem. Im vergangenen Jahr schien der Konzern in der Welt zu erwerben, was eben zu haben war: 6,5 Milliarden Dollar zahlte HNA für ein Viertel der Anteile am amerikanischen Hotelbetreiber Hilton. In Europa hatten die Chinesen bereits die Ketten Carlson (Radisson, Park Plaza) und NH gekauft. In ein paar Jahren solle sein Unternehmen zu den fünfzig größten der Welt zählen, hat Chen Feng einmal gesagt.

          Der Weg dorthin, ist sich der Konzernchef sicher, führt nur über Zukäufe. 125 Kilometer westlich von den Türmen der Deutschen Bank in Frankfurt hat HNA gerade vom Land Rheinland-Pfalz den Flughafen Hahn übernommen. Vor einem Jahr hatte schon einmal eine obskure Käufergruppe aus Schanghai den Zuschlag für den früheren amerikanischen Fliegerhorst erhalten. Doch die vereinbarten Zahlungen blieben aus. Das desaströs vorbereitete Geschäft platzte und brachte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gar ein Misstrauensvotum ein.

          Dass HNA, ein weitaus seriöserer Konzern, der aber eben wieder aus China stammt, nun den Zuschlag in Mainz bekam, hat wohl vor allem einen Grund: es gab für die Investitionsruine Hahn keine anderen ernsthaften Interessenten. Man gehe ein „sehr hohes wirtschaftliches Risiko“, sagte Ende März ein HNA-Sprecher den Landtagsabgeordneten unverblümt. Es habe sich ein Investitionsrückstau von 75 Millionen Euro gebildet, weshalb man auch keine Garantien für die rund 2000 Arbeitsplätze am Standort abgebe.

          Feng hat kein Geld zu verschenken

          Was also treibt die Chinesen in den Hunsrück? Es dürfte die günstige Gelegenheit sein. Den Flugbetrieb will HNA in Hahn fortführen. Die Lage mitten in Europa sei eine Chance, sagte der Unternehmenssprecher – vor allem, um mit dem wichtigen Handelspartner Deutschland auf dem Luftweg Waren und Menschen auszutauschen.

          HNA plane pro Woche je drei Passagier- und Frachtflüge von und nach China. Das ist kein schlechtes Geschäft für einen Kaufpreis von 15 Millionen Euro, dem mögliche staatliche Betriebsbeihilfen und Zuschüsse von geschätzt bis zu 70 Millionen Euro gegenüber stehen.

          Kauffreudig mag HNA-Gründer Chen Feng sein, risikobereit dazu. Geld zu verschenken, das hat der Chinese allerdings nicht.

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