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Hamburger Geschäftspartner : Trumps Hochhaus in deutscher Hand

Christian Hinneberg während eines Besuchs im Trump-Tower Bild: SIPA USA/POOL/REX/Shutterstock

Die Zwillingsbrüder Christian und Walter Hinneberg sind kaum bekannt. Mit dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten verbindet sie eine enge Geschäftsbeziehung.

          Der Ballindamm gehört zu den besten Adressen in Hamburg. Dort hat nicht nur die Reederei Hapag-Lloyd ihren Hauptsitz. In den wuchtigen Steinbauten an der rund sechshundert Meter langen Promenade im Zentrum sitzen Dutzende kleine und größere Schifffahrtsunternehmen, von denen selbst ortskundige Hamburger noch nie etwas gehört haben. Eine davon ist die Walter J. Hinneberg GmbH. Im ersten Stock des Gebäudes mit der Hausnummer 17 gelegen, versteckt hinter einer wuchtigen Holztür mit goldenem Klingelschild, bieten die Büros einen direkten Blick auf den Jungfernstieg und die Binnenalster.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Hier sitzen die beiden Schiffsmakler Christian und Walter Hinneberg. Von ihrem Büro aus pflegen die 64 Jahre alten Zwillingsbrüder, die selbst gute Bekannte nur schwer auseinanderhalten können, ihre Kontakte zu Geschäftspartnern rund um den Erdball. Das sind vor allem Werften und Reedereien. Aber auch auf anderen Feldern haben die Hinnebergs hochkarätige Kontakte. Einer davon ist Donald Trump und wird am Freitag zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt werden. In Deutschland dürfte es nur wenige Unternehmer geben, die einen so engen persönlichen Draht zum bald schon mächtigsten Mann der Erde haben.

          Erst Anfang Januar waren die Hinnebergs, die als verschwiegen, aber sehr einflussreich gelten, zu einem persönlichen Treffen in New York. Es ging – wie immer – um das berühmte „Trump Building“ an der Wall Street Nummer 40. Genau dieser Wolkenkratzer ist der Dreh- und Angelpunkt für die Geschäftsbeziehung zwischen dem amerikanischen Unternehmer und den Hamburgern, die in der Schifffahrt viel Geld verdient haben und deren Vermögen zu einem beträchtlichen Teil in Immobilien steckt. Denn formal ist nicht Trump, sondern die Familie Hinneberg der Eigentümer des Grundstücks und des Gebäudes, das 1930 gebaut wurde. Trump ist nur der Pächter. Aber er ist mit diesem Geschäft so zufrieden, dass er regelmäßig ins Schwärmen kommt, wenn er von den deutschen Partnern spricht. Die Hinnebergs gehören zu den „besten Männern, mit denen ich je Geschäfte gemacht habe“, schreibt er in seinem Buch „Wie man reich wird“, dessen deutsche Fassung 2004 erschienen ist.

          Trump nahm direkten Kontakt zu den Hinnebergs auf

          Die Wurzeln dieser einträglichen Zusammenarbeit liegen im Jahr 1982. Damals kauften Walter und Christian Hinneberg zusammen mit ihrem inzwischen verstorbenen Vater, Walter J. Hinneberg, und zwei deutschen Geschäftspartnern das Grundstück und das Hochhaus vom bisherigen Eigner, dem Versicherer Metropolitan Life Insurance. Sie erhofften sich eine sichere Geldanlage, doch es folgten turbulente Jahre, in denen sich die Pächter an der Wall Street die Klinke in die Hand gaben. Eine Finanzgesellschaft des philippinischen Diktators Ferdinand Marcos, die New Yorker Unternehmerfamilie Resnick, zuletzt Kinson Properties aus Hongkong: All diese Investoren schafften es nicht, den chronischen Leerstand zu senken und mit dem Gebäude, das mehr als 100000 Quadratmeter Nutzfläche hat, endlich Geld zu verdienen.

          1995 übernahm Trump das Hochhaus. Anders als die vorherigen Pächter, die nur mit einem Mittelsmann verhandelt haben sollen, nahm er direkten Kontakt zu den Hinnebergs auf, um bessere Verträge auszuhandeln. In Deutschland wurde er mit offenen Armen empfangen, denn die Eigner waren den ständigen Ärger mit ihrem Investment leid. „Sie merkten, dass ich nach einer Reihe von Versagern, die das Gebäude besessen hatten, in erster Linie die Erhaltung dieses außergewöhnlichen Anwesens im Sinn hatte“, schreibt Trump in seinem Buch „Never Give Up“ aus dem Jahr 2008. Da die Hinnebergs kompromissbereit waren, wurden sie sich mit den amerikanischen Unterhändlern schnell einig. Der neue Vertrag, der unter anderem einen vorübergehenden Pachtverzicht vorsah, gab Trump den nötigen Spielraum, um Bankkredite für einen Umbau zu bekommen und neue Mieter zu gewinnen.

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