http://www.faz.net/-gqe-9f2kn

Zulieferer der Windindustrie : Wie man in einer runden Fabrik Kosten spart

  • -Aktualisiert am

Die runde Fabrik von Heger-Ferrit in Sembah Bild: Heger Ferrit

Heger-Ferrit produziert Gussteile vor allem für Windanlagen, und das in einer Fabrik, in der herkömmliche Produktionsprinzipien auf den Kopf gestellt werden.

          Die Heger Gruppe aus dem westpfälzischen Enkenbach-Alsenborn ist ein Familienunternehmen aus der Gießereibranche, das für eine besondere Innovation steht: eine Fließbandfertigung von Gussteilen im Megaformat. Heger wurde 1902 gegründet; in den Anfangsjahren hatte man Guss vor allem für Herde und Öfen hergestellt, später für Motoren. Um die Jahrtausendwende stieg das Unternehmen in die Herstellung von Gussteilen für die Windenergieindustrie ein. Dafür gründete man die Heger Ferrit GmbH.

          Das Unternehmen beschäftigt etwas mehr als 170 Mitarbeiter und fertigt mehr als 1000 Rotornaben und etwa 700 andere Gussteile im Jahr. „Damit nimmt die Heger Ferrit GmbH in Europa die Spitzenposition ein“, sagt Geschäftsführer Uwe Bergheimer.

          Eine besondere Innovation ist die Produktionshalle in Sembach, wo Heger Ferrit seit 2009 vor allem riesige Gusskomponenten für Windkraftanlagen herstellt. Ein Exklusivvertrag über fünf Jahre mit dem Auricher Anlagenhersteller Enercon sicherte die Investition in die neue Produktionsstätte weitestgehend ab. Nachdem der Vertrag 2014 ausgelaufen war, habe man mit den Herstellern Vestas, Siemens und MHI Vestas Offshore Wind den Kundenstamm auf breitere Füße gestellt, berichtet Bergheimer.

          „Sich von allem befreien“

          „Für die Planungsphase galt der Leitsatz ,Man muss sich von allem befreien, was es schon einmal gegeben hat‘“, erzählt Bergheimer während einer Werksbesichtigung. Herausgekommen ist eine „kreisrunde Fabrik“, in der bisherige Produktionsprinzipien auf den Kopf gestellt werden. Die Abläufe, sagt Bergheimer, seien nicht nur in Deutschland einzigartig.

          In herkömmlichen Gießereien für Großteile kamen bislang die Beschäftigten für jeden Arbeitsschritt zum Gussteil. Weil dann sämtliche Arbeitsschritte parallel oder dicht hintereinander in einer Werkhalle stattfanden, kam es oft zu Störungen des Ablaufs. Bei Heger Ferrit kommt hingegen das Werkstück zum Arbeiter. Möglich macht dies die ringförmige Produktionshalle, die von vier Hallen durchbrochen wird.

          „Jede Halle ist dort plaziert, wo sie vom Betriebsablauf auch hinmuss. So können sich die einzelnen Prozesse nicht gegenseitig stören, kein Arbeitsplatz wird blockiert, und die Produktionszahlen lassen sich flexibel variieren“, erläutert Bergheimer. Die Formen, die ein Gewicht von bis zu 180 Tonnen haben, würden zwischen den Hallen nur in einer Richtung mit Transporttischen auf Schienen bewegt. „In fünf bis maximal sieben Tagen hat in der Regel ein Gussteil den Kreis durchlaufen und ist dann versandfertig.“

          Deutlich geringere Personalkosten

          Der größte Vorteil der „kreisrunden Fabrik“ sei nicht die Steigerung der Stückzahlen, sondern dass sich die Arbeitsschritte nicht mehr gegenseitig störten. Dadurch konnte Heger Ferrit die Produktionskosten deutlich reduzieren. „Eine Gießerei hat in Deutschland zwischen 30 und 35 Prozent Personalkosten. Heger Ferrit liegt etwa bei der Hälfte“, sagt Bergheimer. „Normalerweise rechnet man mit zwanzig Arbeitsstunden je Tonne Guss, bei Heger Ferrit sind es nur zehn. Die Achillesferse der deutschen Gießereibetriebe sind nun einmal die Lohnkosten.“

          2013 und 2014 erfolgte dann eine nächste wichtige Innovation. Wegen der rasanten Entwicklung hin zu immer größeren Windkraftanlagen musste Heger Ferrit die Fertigungskapazitäten anpassen. Konnte man anfangs nur Teile bis 15 Tonnen fertigen, schaffte man, das Maximalgewicht durch neue Modell- und Formkastenkonzepte und eine höchstmögliche Ausnutzung der Krankapazitäten auf 30 Tonnen zu verdoppeln.

          Diese neue Konzeption führte zu einer Verdreifachung des Ausstoßes. „Wurden 2013 etwa 11000 Tonnen Guss erzeugt, brachte das Jahr 2017 ein Ergebnis von etwa 31 500 Tonnen. Dadurch hat sich der Umsatz der Heger Ferrit im vergangenen Jahr auf rund 60 Millionen Euro erhöht. 2013 waren es noch 21,5 Millionen Euro“, berichtet Bergheimer.

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

          Weitere Themen

          Die Sonntagsfrage Video-Seite öffnen

          F.A.S.-Quiz : Die Sonntagsfrage

          Testen Sie, wie wach Sie das wirtschaftliche Geschehen der Woche verfolgt haben. Für jede Frage ist eine Lösung richtig.

          Das Smartphone ist so wichtig wie der Schraubenzieher

          Digitales Handwerk : Das Smartphone ist so wichtig wie der Schraubenzieher

          Hammer, Schraubenzieher, Stromprüfer und der klassische Zollstock: Handwerker brauchen nicht viel technischen Schnickschnack. Doch die Digitalisierung ist auch längst im Handwerk angekommen. Kann das Smartphone den Arbeitsalltag erleichtern?

          Topmeldungen

          Migranten aus Mittelamerika klettern am 29. Oktober auf den Anhänger eines Lastwagens, während eine Karawane von Menschen ihren langsamen Marsch zur amerikanischen Grenze fortsetzt.

          Flüchtlingstreck nach Amerika : Endstation Mexiko?

          Tausende Menschen schieben sich aus Honduras durch Mexiko in einer langen Karawane Richtung Amerika. Doch Donald Trumps Drohung zeigt bei den ersten Flüchtlingen Wirkung.
          Quirinale: Sitz der italienischen Regierung.

          Euro-Tief : Italien schwächt den Euro

          Der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung fällt auf den niedrigsten Stand seit Juni 2017. Am Markt herrscht Einigkeit: Schuld daran ist Italien. Und das Verhalten der populistischen Regierung in Rom verheißt auch für die Zukunft nichts Gutes.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.