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Hedge-Fonds-Manager John Paulson Wall-Street-Legende im Zwielicht

20.04.2010 ·  John Paulson galt als äußert erfolgreicher Hedge-Fonds-Manager. Doch jetzt stehen seine Milliardentransaktionen im Zentrum der jüngsten Klage der Börsenaufsicht SEC gegen die mächtige Bank Goldman Sachs. Paulson soll die verlustträchtigen Anleihen ausgewählt haben.

Von Norbert Kuls
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Vor drei Jahren war John Paulson an der Wall Street noch kein allseits bekannter Mann. Der unscheinbar wirkende, selbständige Hedge-Fonds-Manager war zwar bereits relativ vermögend und in der Szene dieser Fonds für reiche Privatleute und Institutionen auch kein völlig unbekannter Name. Aber er war kein Milliardär wie einige Konkurrenten, er war kein Star der Branche, der wie George Soros regelmäßig auf den Listen der Spitzenverdiener auftaucht und der mit einzelnen kühnen Wetten zur lebenden Legende der Hochfinanz wurde.

Seit der Finanzkrise, die zuerst eine amerikanische Hypothekenkrise war, ist das anders. Paulson war einer der wenigen Hedge-Fonds-Manager, die den Fall der amerikanischen Häuserpreise und die drohenden Zahlungsausfälle mittlerweile berüchtigter Subprime-Hypotheken korrekt vorhergesehen hatten. Seit er damit im Krisenjahr 2007 mit einer Wette gegen die Häuserpreise persönlich fast 4 Milliarden Dollar verdient hatte, ist auch Paulson eine Legende. Seines galt damals als das höchste Jahressalär in der Geschichte der Wall Street.

Greenspans Berater

Auch in den beiden folgenden Jahren kassierte Paulson mehrere Milliarden Dollar. Das verwaltete Vermögen seines 1994 gegründeten Hedge-Fonds Paulson & Co. stieg und er wurde so berühmt, dass sich der frühere amerikanische Notenbankchef Alan Greenspan als Berater verpflichten ließ. Selbst Mitglieder eines Kongressausschusses, die Paulson gemeinsam mit Soros und anderen Stars der Branche Ende 2008 zu einer Anhörung geladen hatten, behandelten ihn wie einen Star. Kein Abgeordneter fragte damals, wie er seine Milliarden gemacht hat. Sie wollten nur seine Ratschläge zur Lösung der Kreditkrise hören.

Die Art und Weise von Paulsons Milliardentransaktionen steht nun im Zentrum der jüngsten Klage der Börsenaufsicht SEC gegen die mächtige Bank Goldman Sachs. Die SEC hatte Goldman Sachs am Freitag wegen Wertpapierbetrugs bei der Vermarktung eines komplexen Pakets aus zweitklassigen Hypothekenanleihen verklagt (Goldman Sachs auf der Anklagebank). Goldman soll seinen Kunden vorenthalten haben, dass Paulson & Co. die Anleihen mit auswählte. Die deutsche Mittelstandsbank IKB hatte vor drei Jahren in dieses Finanzkonstrukt, ein sogenanntes CDO, investiert und damit 150 Millionen Dollar verloren. Paulson selbst wird allerdings bisher nichts zur Last gelegt. "Während es unglücklich ist, dass Leute Geld mit der Anlage in hypothekenbesicherte Anleihen verloren haben, war Paulson nie bei der Schaffung, dem Vertrieb und der Strukturierung solcher Wertpapiere beteiligt", sagte ein Sprecher des Fonds. Details der Anklage gegen Goldman zeichnen ein anderes Bild. Demnach war Paulson auf Goldman zugegangen, weil er Finanzprodukte benötigte, gegen die er wetten konnte. Auch die Deutsche Bank soll in New York ähnliche Konstrukte auf Ersuchen von Paulson konstruiert haben. Die Geschichte um Paulson, Goldman und andere Banken, bei denen die SEC ermittelt, ist noch nicht zu Ende. Aber für die große Wette gegen den Häusermarkt wird Paulson an der Wall Street wohl immer bekannt bleiben.

„Wo ist die Spekulationsblase, gegen die wir wetten können?“

Dabei war der 54 Jahre alte New Yorker eigentlich kein Fachmann für Hypotheken. Er hatte vor Gründung seines Fonds beim berühmten Investor Leon Levy und als Investmentbanker bei Bear Stearns gearbeitet. Er erwartete für 2007 aber ein nachlassendes Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten und wollte daher seine anderen Anlagen absichern. Dazu wollte er profitieren, wenn es wirtschaftliche Probleme geben sollte. "Wo ist die Spekulationsblase, gegen die wir wetten können?", fragte er damals seine Mitarbeiter. Die Antwort war der Häusermarkt. Paulson, der damals bis spät in die Nacht über Daten aus dem Hypothekenmarkt brütete, wettete schließlich auf fallende Preise von Hypothekenanleihen und kaufte sogenannte Credit Default Swaps, also Wertpapiere, mit denen sich Anleger gegen Kreditausfälle absichern können.

Die waren damals billig zu haben, weil kaum jemand mit Ausfällen rechnete. Paulson war sich dagegen sicher, dass die immer lockerer werdenden Standards bei der Vergabe von Hypotheken zu steigenden Kreditausfällen führen würden. "Die meisten Leute sagten uns, dass die Häuserpreise auf nationalem Niveau nie fielen und dass es noch nie einen Zahlungsverzug bei einer mit hoher Bonität versehenen Hypothekenanleihe gegeben habe", beschrieb Paulson die damals gängige Überzeugung der amerikanischen Hypothekenexperten. Als sich Anfang 2006 der große Subprime-Hypothekenanbieter Ameriquest, dem aggressive Vertriebsmethoden vorgeworfen worden waren, aber auf einen außergerichtlichen Vergleich einigte, war Paulson überzeugt, dass solche Methoden weit verbreitet waren. Er folgerte daraus, dass Subprime-Hypotheken zunehmend an Leute vergeben wurden, die sich die Häuser eigentlich nicht leisten konnten. Er behielt recht. Die Häuserpreise fielen.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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