16.01.2012 · Die Havarie des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia in Italien drückt auf die Stimmung der Branche. Der Versicherungsschaden könnte bis zu 1 Milliarde Dollar betragen.
Von Ulrich FrieseDas Kreuzfahrtunglück an der italienischen Küste hat handfeste Folgen für die Reederei und wird den florierenden Markt für Schiffsreisen belasten, glauben Fachleute. Mit Details zu möglichen Folgeschäden für die deutsche Kreuzfahrtindustrie, die bislang jeweils zweistellige Zuwachsraten im Jahr verzeichnete, hielten sich die zuständigen Verbände am Montag noch bedeckt: „Erst wenn alle Fakten des tragischen Unglücks vorliegen, ist eine seriöse Einschätzung der Lage möglich“, hieß es beim Deutschen Reiseverband.
Für den amerikanischen Kreuzfahrt-konzern Carnival, zu dessen 11 internationalen Reedereien auch die Genueser Schifffahrtslinie Costa sowie der deutsche Marktführer Aida Reisen gehören, sorgte die Havarie der Concordia jedoch für ein böses Erwachen. Der Kurs der Aktie brach am Montag an der Londoner Börse zeitweise um 29 Prozent ein. Den Kurssturz löste Carnival mit der Nachricht aus, dass die Kosten der Havarie zunächst bis zu 95 Millionen Dollar betragen werden. Analysten verschiedener Investmenthäuser gehen jedoch von weitreichenden Folgen für das Tagesgeschäft von Carnival aus.
Weil die verunglückte Concordia, die etwa 3200 Passagieren Platz bietet, bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres (30. November) vollständig ausfällt, dürfte sich die damit verbundene Geschäftseinbuße auf bis zu 200 Millionen Dollar belaufen. Costa Cruises setzte mit seiner Flotte von 14 Schiffen im Geschäftsjahr 2010 insgesamt 2,8 Milliarden Euro um. In diesem Zeitraum legte die Zahl der Passagiere um 18 Prozent zu.
Die Höhe des Versicherungsschadens taxierten Fachleute am Montag auf einen Betrag zwischen 500 Millionen und 1 Milliarde Dollar. Davon dürfte der Löwenanteil auf die drei involvierten Versicherer Generali, RSA sowie XL Group entfallen, hieß es am Montag in Londoner Bankenkreisen. Auf deutscher Seite bestätigte die Hannover Rück, dass es sich bei dem Schiffsunglück um einen Großschaden für den drittgrößten Rückversicherer der Welt handele, der Forderungen von mindestens 10 Millionen Euro nach sich ziehe. „Die Höhe des Schadens variiert je nachdem, welche Sachschäden, Bergungskosten sowie Schadensersatzansprüche durch Todesfälle oder verletzte Passagiere anfallen“, erläuterte Versicherungsexpertin Joy Ferneyhough von der Espirito Santo Investment Bank.
Die Havarie der Concordia ist nicht nur ein wirtschaftlicher Rückschlag für die Costa-Reederei, auch der allgemeine Zuspruch für Kreuzfahrtreisen dürfte zumindest kurzfristig schwinden. „Ein Drittel aller Schiffsreisen wird traditionell in der Zeit zwischen Januar und März gebucht“, sagt Branchenexperte Sharon Zackfia von der Investmentbank William Blair & Co in Chicago, „viele von ihnen werden nach dem Vorfall in Italien zögern und auf andere Reiseformen ausweichen“. Der Carnival-Konzern wäre von dieser Zurückhaltung besonders betroffen. Fast 40 Prozent seines globalen Umsatzes von 15,8 Milliarden Dollar entfallen auf Kreuzfahrtreisen innerhalb Europas.
Da glauben also ein paar Fachleute
Matthias Unger (ungermat)
- 16.01.2012, 21:00 Uhr
Oder doch kein Versicherungsschaden?
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 16.01.2012, 20:27 Uhr
Menschliches Versagen auf der Führungsebene
Mia Müller (Miamu)
- 16.01.2012, 19:50 Uhr
Augenöffner
Peter Meier (pemei)
- 16.01.2012, 19:34 Uhr
Da scheint die Branche sich schon auf ein "weiter so"
einzurichten. Vielleicht sollten aber doch ...
Rolf-Dirk Maehler (RDMAEHLER1)
- 16.01.2012, 18:39 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2467 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 106,34 $ | −0,48% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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