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E-Mobilität : Sonnen bietet seinen Kunden eine kostenlose Autoladestation

Kostenlos Strom tanken: Sonnen will Tesla Konkurrenz machen. Bild: Victor Hedwig

Der Hausbatteriehersteller Sonnen hat bereits tausende Haushalte zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengeschaltet. Nun will das Unternehmen auch an der Elektromobilität mitverdienen. Ein Konkurrent für Tesla?

          Halten es die Stromnetze in den Kommunen aus, wenn in einigen Jahren immer mehr Menschen daheim ihre Elektroautos laden? Fachleute hegen Zweifel, und ein Mittelständler aus dem bayerischen Wildpoldsried verspricht eine Lösung: Der Hausbatterienhersteller Sonnen hat bereits etliche tausend private Haushalte in Deutschland mit Batteriespeichern zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengeschaltet. Jetzt bietet er eine kostenlose Ladestation für Elektroautos an, wenn die Autofahrer mit ihrem Stromtarif zur Sonnen GmbH wechseln. „Wir wollen möglichst viele Elektroautos in unser virtuelles Großkraftwerk holen“, sagte Geschäftsführer Philipp Schröder. Die Batteriespeicher der vielen dezentralen Stromerzeuger sind hilfreich, um die schwankende Einspeisung von Solarstrom in den öffentlichen Leitungsnetzen auszugleichen.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Mit dem neuen, sogenannten Sonnen-Charger tritt das 2010 gegründete Start-up nun gegen den Stromautopionier Tesla und seine Powerwall an. Schröder, vor zweieinhalb Jahren noch Deutschland-Geschäftsführer von Tesla, sieht einen entscheidenden Vorteil gegenüber seinem alten Arbeitgeber: „In Amerika fahren die meisten Tesla mit Kohlestrom. Bei uns können Tesla-Fahrer sicher sein, dass ihr Fahrzeug zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien geladen wird.“ 29,99 Euro kostet die „Sonnen-Flat“, die Ende März angeboten werden soll. Dafür stehen dem Haushalt 8000 Kilowattstunden im Jahr zur Verfügung. Und das ist Schröders Beispielrechnung für den Stromautofahrer: Benötigt er 5000 Kilowattstunden für die Versorgung seines Hauses, bleiben 3000 Kilowattstunden für das Elektroauto – genug für eine jährliche Leistung von knapp 17.000 Kilometern. Umgerechnet auf die Benzinkosten für ein Auto, das 7,5 Liter auf 100 Kilometer verbraucht, liegt die Einsparung bei 1850 Euro im Jahr.

          Das Ziel: 5000 Autos im ersten Jahr

          Schröder setzt darauf, dass sich zum einen die eigenen Kunden, die sich mit Solarstrom versorgen wollen, schon bald ein Elektroauto zulegen. „Viele unserer Kunden haben sich schon bei der Photovoltaik- und Speicher-Installation die notwendigen Anschlüsse legen lassen“, sagt Schröder. Zum anderen will Sonnen aber auch die heutigen Elektroautofahrer mit der kostenlosen Infrastruktur ködern. Der Sonnen-Charger ist deshalb mit einem Typ-2-Stecker ausgestattet, der als Standard für nahezu alle neueren Batterieautos gesetzt ist. Im ersten Jahr will Sonnen 5000 Autos in den eigenen Pool holen. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 11.000 neue Haushalte angeschlossen. Der Umsatz stieg – vornehmlich durch den Batteriespeicherverkauf – von 41 Millionen auf 65 Millionen Euro.

          Schröder geht davon aus, dass viele der heute auf den Dächern montierten 1,6 Millionen Solaranlagen in den Erzeugerpool wechseln, da immer mehr aus der Subventionierung des Staates fallen. Die EEG-Subventionen werden seit längerem zurückgeführt, weshalb nun für private Erzeuger die Devise gilt: Statt den Sonnenstrom abzugeben, können sie die maximale Selbstnutzung anstreben. Sonnen gewährt inzwischen auch dem Netzbetreiber Tennet den Pool-Zugriff, um Schwankungen in der Stromerzeugung ausgleichen zu können.

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