08.05.2007 · Die Deutsche Post überlegt, künftig auch am Sonntag bestimmte Post zuzustellen. Zudem soll der Konzernvorstand Frank Appel anscheinend Nachfolger des scheidenden Vorstandsvorsitzenden Klaus Zumwinkel werden. Das Wichtigste von der Hauptversammlung.
Die Deutsche Post erwägt, ihren Zustelldienst für ausgewählte Produkte und Kunden künftig auch auf den Sonntag auszuweiten. „Derzeit überlegen wir, ob und wie wir an einen ausgewählten Kundenkreis in Einzelfällen auch sonntags Sendungen zustellen können“, sagte Konzernchef Klaus Zumwinkel am Dienstag bei der Hauptversammlung des Konzerns in Köln. .Ein Post-Sprecher sagte, in Frage kämen bestimmte Produkte. So könne die Post sonntags eventuell Presseerzeugnisse im Auftrag von Verlagen zustellen. Für normale Brief- sowie Werbesendungen bestünden dafür keine gesetzlichen Möglichkeiten.
Kronprinz Frank Appel
Im Vorstand der Post wird es einige personelle Änderungen geben. Der Konzernvorstand Frank Appel soll anscheinend Nachfolger des 2008 scheidenden Vorstandsvorsitzenden Klaus Zumwinkel werden. Appel, der bereits den Unternehmensbereich Services verantwortet, übernehme zusätzlich das Briefgeschäft außerhalb Deutschlands, sagte Konzernchef Zumwinkel: „Mit Herrn Appel arbeite ich seit fast sieben Jahren sehr eng zusammen und er wird den Umbruch im regulatorischen und politischen Feld mitgestalten.“ Aus der Umgebung des Vorstands erfuhr die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires am Dienstag, dass die erweiterten Kompetenzen für Appel dazu dienen sollen, seine Position als Kronprinz aufzubauen.
Für das Briefgeschäft in Deutschland werde künftig der 42jährige Jürgen Gerdes verantwortlich zeichnen, sagte Zumwinkel weiter. Das Briefgeschäft hatte bislang Hans-Dieter Petram geleitet. Der 64jährige geht zum 30. Juni in den Ruhestand.
Der Briefbereich soll im laufenden Jahr wie bereits 2006 rund zwei Milliarden Euro zum operativen Gewinn (Ebit) der Post beisteuern. 2007 solle das Ebit im gesamten Konzern bei „mindestens 3,6 Milliarden Euro“ liegen, bekräftigte Zumwinkel den verhaltenen Ausblick des Konzerns. 2006 hatte das Ebit noch bei knapp 3,9 Milliarden Euro gelegen. Bis zum Jahr 2009 soll es nach den Plänen Zumwinkels auf über fünf Milliarden Euro gesteigert werden.
Höhere Dividende
Unsicher ist für den Konzern aber noch, wann genau er sein verbliebenes Monopol für Briefe mit einem Gewicht von bis zu 50 Gramm in Deutschland aufgeben muss. Vizekanzler Franz Müntefering und Finanzminister Peer Steinbrück hatten das Zieldatum 1. Januar 2008 in Frage gestellt. Während die Debatte in der Bundesregierung damit andauert, forderte Post-Chef Zumwinkel erneut eine Liberalisierung im europäischen Gleichklang. Nach den Plänen der EU-Kommission sollen die verbliebenen Monopole in den EU-Ländern im Jahr 2009 fallen. Unter den Mitgliedstaaten gibt es aber Widerstand gegen diese Pläne. Zumwinkel befürchtet, dass ausländische Postgesellschaften dem Konzern mit einem Monopol im Rücken Konkurrenz machen könnten. Faire Wettbewerbsbedingungen bei gleichzeitiger Gewährleistung des Universaldienstes seien die Ziele, sagte Zumwinkel.
Klaus Zumwinkel hat den Aktionären des Unternehmens weitere Dividendenerhöhungen angekündigt. Für das Geschäftsjahr 2006 soll die Dividende um 0,05 Euro (7,1 Prozent) auf 0,75 Euro je Aktie steigen. „Ich gehe davon aus, dass das in dieser Richtung weitergehen wird“, sagte Zumwinkel auf der Hauptversammlung. Seit die Post im Jahr 2000 an die Börse ging, stieg die Dividende stetig und über die Jahr hinweg im Schnitt um 19 Prozent pro Jahr.
Harsche Kritik von Anteilseignern
Die Fondssparte der Deutschen Bank ist mit dem Management der Deutschen Post scharf ins Gericht gegangen. DWS-Manager Klaus Kaldemorgen übte auf der Post-Hauptversammlung harsche Kritik an den andauernden Verlusten des Konzerns im US-Expressgeschäft und dem seiner Ansicht nach zu geringen Gewinnwachstum des Konzerns. Dauere diese Entwicklung an, drohe der Post die Zerschlagung, sagte Kaldemorgen am Dienstag in Köln. „Das US-Geschäft bereitet uns schlaflose Nächte“, beklagte er. Die DWS hält ihm zufolge rund 1,7 Prozent der Post-Aktien.
Kaldemorgen kritisierte, dass die Post die Verluste in den USA nicht mehr explizit ausweise, sondern nur die Zahlen der gesamten Express-Sparte nenne. Dies sei „inakzeptabel“. Der Konzern kommuniziere hier und in anderen Bereichen nur unzureichend mit dem Kapitalmarkt. Die Post komme zudem nur langsam bei der Steigerung ihrer Gewinne voran. Das Erreichen des operativen Gewinnziels von rund 5,2 Milliarden Euro im Jahr 2009 erscheine deshalb“höchst zweifelhaft“.
„Wenn die Post nicht liefert, muss man fürchten, dass sie geliefert ist“, rief Kaldemorgen.
Fall des Briefmonopols
Heinz-Werner Raderschatt (HEWERA)
- 08.05.2007, 19:06 Uhr
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