Home
http://www.faz.net/-gqe-78wr1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Hauptversammlung Berkshire Hathaway Inc. Buffett hofft auf Übernahmen in Europa

Der amerikanische Investor Warren Buffett prognostiziert ein mäßiges Wirtschaftswachstum in Amerika. Sein weiteres Engagement auf Twitter sei unsicher.

© AP Vergrößern „Wir sehen eine Erholung der Häuserpreise, was psychologisch wichtig ist“, sagte Buffett

Der amerikanische Investor Warren Buffett ist trotz der Staatschuldenkrise im Euroraum offen für Übernahmen in der Region. „Wir würden mit Freude morgen ein großes Unternehmen in Europa kaufen“, sagte Buffett am Samstag auf der Hauptversammlung seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway Inc. in Omaha. Buffett, der Vorstandsvorsitzende des großen Konglomerats, und sein langjähriger Geschäftspartner Charlie Munger äußerten Zuversicht, dass sich die Europäische Union „durchwursteln“ und wegen der Krise nicht zerbrechen werde.

Norbert Kuls Folgen:  

Munger stellte allerdings die Mitgliedschaft des krisengeschüttelten Griechenland in der Staatengemeinschaft in Frage. „Griechenland in die Europäische Union zu lassen war so, als ob man anstatt Schlagsahne Rattengift benutzt - eine besonders dumme Idee“, sagte der für seine unverblümten Kommentare bekannte Munger. Er warf Griechenland wegen falscher Angaben zu den Staatsschulden Betrug vor. Vor fünf Jahren hatte Buffett in Europa unter anderem um deutsche Mittelständler geworben. Diese Anstrengungen haben bisher nicht zu konkreten Erfolgen geführt.

Die meisten Chancen für Berkshire Hathaway wittern Buffett und Munger ohnehin in ihrem Heimatmarkt. „Wenn man uns sagen würde, dass wir nur noch in den Vereinigten Staaten investieren dürfen, wäre das kein großer Nachteil“, sagte Buffett. Berkshire verfügte am Ende des ersten Quartals über 49 Milliarden Dollar Barmittel, die für Zukäufe genutzt werden können. Die bisher letzte große Akquisition war im Februar der amerikanische Ketchuphersteller H.J. Heinz, für den Berkshire zusammen mit der brasilianischen Beteiligungsgesellschaft 3G Capital mehr als 23 Milliarden Dollar zahlte.

Mehr zum Thema

Unter dem Dach von Berkshire tummeln sich mehr als 80 unabhängig geführte Tochtergesellschaften, die vom Kleidungshersteller Fruit of the Loom über den Autoversicherer Geico bis zur Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe reichen. Dazu verwaltet Berkshire ein Wertpapierportfolio von zuletzt knapp 88 Milliarden Dollar, zu dem bedeutende Anteile an dem Getränkehersteller Coca-Cola, den Finanzdienstleistern American Express und Wells Fargo, sowie dem Technologiekonzern IBM gehören. Am deutschen Rückversicherer Munich Re hält Berkshire ein Zehntel der Anteile.

Getrieben von den Versicherungssparten kletterte der operative Gewinn von Berkshire, der die Wertpapieranlagen unberücksichtigt lässt, im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 42 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar. Für die amerikanische Wirtschaft prognostiziert Buffett im kommenden Jahr einen weiterhin mäßigen Aufschwung. Es werde „keine Woge, aber auch keinen Stillstand“ geben. „Wir sehen eine Erholung der Häuserpreise, was psychologisch wichtig ist“, sagte Buffett. Rund 65 Prozent der amerikanischen Haushalte besitzen eine Immobilie, die ein wichtiger Teil der Altersvorsorge und des Vermögensaufbaus ist. Mehrere Tochtergesellschaften von Berkshire wie der Baumaterialienhersteller Acme Brick sind zudem vom Häusermarkt abhängig, dessen Preisverfall die schwere Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 ausgelöst hatte.

Der Aktienkurs von Berkshire  Hathaway war in den vergangen zwölf Monaten um 34 Prozent auf 162904 Dollar gestiegen – fast doppelt so stark wie der breitgefasste Aktienindex S&P 500, der um 18 Prozent zulegte. Das sorgte unter den schätzungsweise mehr als 40000 Aktionären auf der Hauptversammlung für gute Stimmung. „Es ist immer gut, wenn ein Milliardär sich so stark für Dich ins Zeug legt“, sagte die Aktionärin Gaye Watkins.

Buffett hatte zwei Tage vor dem Aktionärstreffen auch mit seinem ersten Eintrag auf dem populären Kurznachrichtendienst Twitter für Aufsehen gesorgt. Auf der Hauptversammlung war Buffett jedoch nicht mehr so sicher, ob er das neue Medium verwenden soll - trotz der mittlerweile 365.000 Nutzer, die ihm bereits auf Twitter folgen. „Ich habe das noch nicht herausgefunden“, sagte Buffett auf die Frage eines Aktionärs, was er bei Twitter mache. Buffett kritisierte zudem die Entscheidung der Börsenaufsicht SEC, Unternehmen die Verbreitung kursrelevanter Informationen über Twitter oder andere soziale Netzwerke zu erlauben. Die Informationen müssten gleichzeitig per Presseerklärung veröffentlicht werden, um die Information aller Aktionäre zu gewährleisten, meinte Buffett. Zu Berkshire gehört der auf Pressemitteilungen spezialisierte Dienstleister Business Wire. Buffetts Kompagnon Munger hatte eine unverblümte Antwort: „Ich meide Twitter wie die Pest.“

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Airbnb verlost Übernachtung Dort schlafen, wo Warren Buffett aufwuchs

Airbnb nutzt Warren Buffets Aktionärstreffen für eine Werbeaktion und bietet eine Übernachtung in dem Haus an, in dem der Starinvestor groß wurde. Doch ihre Ruhe werden die Gewinner nicht haben. Mehr

18.03.2015, 11:46 Uhr | Wirtschaft
Gaza-Wiederaufbau Geberkonferenz sagt mehr als fünf Milliarden Dollar zu

Im Krieg zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas waren im Sommer tausende Häuser im Gazastreifen zerstört worden. Auf einer Konferenz zum Wiederaufbau sind Hilfsleistungen im Umfang von rund 5,4 Milliarden Dollar zugesagt worden. Mehr

13.10.2014, 09:46 Uhr | Politik
Star-Investor Buffett: Grexit könnte gut für Eurozone sein

Griechenland ringt mit seinen Geldgebern um die Auszahlung weiterer Finanzhilfen. Doch ein Austritt des Landes könnte der Eurozone sogar gut tun, sagt nun Investor Warren Buffett. Aus einem einfachen Grund. Mehr

01.04.2015, 09:53 Uhr | Wirtschaft
Flug MH370 Australien stellt Suche nach abgestürztem Flugzeug ein

In Australien werden Überlegungen laut, die Suche nach dem seit dem 8. März 2014 vermissten Malaysia-Airlines-Flug MH370 einzustellen. Wir können nicht alle Ozeane der Welt absuchen, und das Suchgebiet ist riesig, sagte der australische Premierminister Warren Truss. Mehr

02.03.2015, 14:49 Uhr | Gesellschaft
Lebensmittelindustrie Die Ketchup-Milliardenhochzeit

Ketchup und Snacks - das ist ganz nach dem Geschmack von Warren Buffett: Der Starinvestor hat mit der brasilianischen 3G die Fusion der amerikanischen Traditionskonzerne Kraft und Heinz auf den Weg gebracht. Die Kraft-Aktien schießen 26 Prozent in die Höhe. Mehr

25.03.2015, 10:04 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.05.2013, 09:21 Uhr

Geldschwemme ohne Gegenleistung

Von Patrick Welter, Tokio

Die expansive Geldpolitik der japanischen Nationalbank sollte einen dauerhaften Aufschwung einleiten - die Effekte sind aber weitestgehend verpufft. Ist damit das Kernstück der Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe gescheitert? Mehr 1 3


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Die Arbeitskosten in Deutschland steigen

In Deutschland sind die Arbeitskosten im vergangenen Jahr moderat um 1,5 Prozent gestiegen. Das ist im EU-Mittelfeld. In einigen Ländern stiegen sie dagegen um knapp 7 Prozent. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden