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Hauptversammlung bei Volkswagen Aktionärsschützer kritisieren Piëch

 ·  Aktionärsschützer haben bei der Volkswagen-Hauptversammlung scharfe Kritik geäußert: Sie wandten sich vor allem gegen die Doppelfunktion Ferdinand Piëchs bei VW und Porsche. Außerdem sei die „Entlassung“ Bernd Pischetsrieders „katastrophal“ gewesen.

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Aktionärsschützer haben auf der Hauptversammlung von Volkswagen scharfe Kritik an der Aufsichtsratsspitze geäußert. Die „Entlassung“ des früheren VW-Vorstandschefs Bernd Pischetsrieder sei „katastrophal“ gewesen, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Ulrich Hocker, am Donnerstag in Hamburg. Pischetsrieder war im Herbst auf Betreiben vor allem von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch abgelöst und durch Martin Winterkorn ersetzt worden - obwohl Pischetsrieders Vertrag erst einige Monate zuvor verlängert worden war.

Hocker warf VW zudem erhebliche Mängel bei der Corporate Governance vor, den Regeln für gute Unternehmensführung. Er sprach mit Blick auf die Doppelrolle von Piëch, der auch Miteigentümer des VW-Aktionärs Porsche ist, von „unüberbrückbaren Interessenkonflikten“. Hans-Georg Martius von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sagte, die Vereinigung sei „überhaupt nicht zufrieden“ über den Corporate Governance bei VW.

Der britische Pensionsfonds und VW-Aktionär Hermes übte ebenfalls scharfe Kritik an Piëch. „Wir sind gegen eine Wiederwahl von Herrn Piëch“, sagte Hermes-Vertreter Hans-Christoph Hirth am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Hamburg unter dem Applaus der Aktionäre. „Herr Piëch ist seiner Rolle als oberster Vertreter aller Aktionäre nicht gerecht geworden.“ Im Interesse der Aktionäre stimme er daher gegen einen Verbleib von Piëch im Kontrollgremium und gegen seine Entlastung.

Doppelfunktion von Piëch

Piëch sollte im weiteren Verlauf des Aktionärstreffens für fünf weitere Jahre in den Aufsichtsrat gewählt werden. Die beiden VW-Hauptaktionäre, Porsche und das Land Niedersachsen, hatten eine weitere Amtszeit unterstützt, wie auch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. In einer anschließenden Sitzung des Kontrollgremiums sollte Piëch zum Vorsitzenden wiedergewählt werden.

Das Land Niedersachsen hatte erst im Februar seinen Widerstand gegen eine weitere Amtszeit Piëchs aufgegeben. Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff (CDU) hatte lange gefordert, dass sich Piëch aus dem Kontrollgremium zurückziehen solle. Auch Wulff war die Doppelfunktion von Piëch ein Dorn im Auge.

Winterkorn begrüßt Porsche-Engagement

VW-Chef Martin Winterkorn begrüßte auf der Hauptversammlung das Porsche-Engagement bei Volkswagen. „Wir freuen uns über das Engagement von Porsche und sind uns sicher, dass wir die langjährige Zusammenarbeit unserer Unternehmen bei der Entwicklung und Fertigung von Fahrzeugen erfolgreich fortsetzen werden“, sagte Winterkorn am Donnerstag vor den Aktionären.

Porsche hatte seinen Anteil an dem Wolfsburger Autobauer Ende März auf 30,9 Prozent erhöht und bereitet nun ein Pflichtangebot an alle Aktionäre vor. Sobald die Angebotsunterlagen vorlägen, werde der VW-Vorstand eine Stellungnahme an seine Aktionäre abgeben, kündigte Winterkorn an.

Schon am Vortag war bekannt geworden, dass Volkswagen seinen Gewinn im ersten Quartal des laufenden Jahres kräftig steigern konnte (siehe dazu auch: VW steigert den Gewinn kräftig). Das Ergebnis nach Steuern kletterte auf 740 (Vorjahresquartal: 327) Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen stieg um 58 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Trotzdem bekräftigte der Vorstand lediglich die bisherige Prognose, wonach das operative Ergebnis 2007 über dem Vorjahreswert liegen werde.

Interesse an Lkw-Dreierallianz bestätigt

Zugleich bekräftigte Winterkorn das Interesse der Wolfsburger an einer Lkw-Allianz mit MAN und Scania . „Zusammen mit dem brasilianischen Nutzfahrzeuggeschäft von Volkswagen ergeben sich hohe Synergiepotenziale, die wir zukünftig nutzen wollen.“ VW ist größter Einzelaktionär beider Lkw-Bauer.

Erst am Vortag hatten die Wolfsburger bekannt gegeben, ihren Anteil an Scania auf 36,4 Prozent erhöht zu haben. Winterkorn soll im Mai an die Spitze des Scania-Aufsichtsrats gewählt werden, VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch soll dann das Amt bei MAN übernehmen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von DPA-AFX und Reuters
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