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Hartmut Mehdorn im Porträt „Immer gekämpft - nie alles erreicht“

30.03.2009 ·  Seine Devise prägte den Titel eines Interviewbuchs: „Diplomat wollte ich nie werden.“ Die neun Jahre an der Spitze der Bahn waren geprägt von Kampf und Emotion. Und zumindest eines: Nie langweilig. Jetzt tritt Hartmut Mehdorn ab - ohne sein großes Ziel erreicht zu haben.

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Niemand wird Hartmut Mehdorn vorwerfen, dass er nicht alles gegeben hat: Er hat Zehntausende Arbeitsplätze gestrichen. Er hat sich von Kunden und Politikern beschimpfen lassen. Er hat Verräter im Konzern aufgespürt und gefeuert. Er hat mit der Lokführergewerkschaft gerauft. Im Kampf um den Börsengang hat er nicht nur fast alle Vorstandskollegen ausgetauscht: Er hat auch einen Verkehrsminister entmachtet und Kämpfe mit dem Chef seines Aufsichtsrates für sich entschieden. Bei allem hat er nur wenige Worte der Entschuldigung verloren und viele Feinde gewonnen. „Diplomat wollte ich nie werden“ ist ein Gesprächsband mit ihm betitelt.

„Zu den Leuten, die unterm Teppich durchlaufen können, ohne oben eine Beule zu erzeugen, dazu gehöre ich jedenfalls nicht“, sagt er. Mehdorn sprach von Ministern, die nichts auf die Reihe bringen, von der Bahnindustrie, die Schrott abliefere, aber auch von Kunden, die ihren Müll gefälligst selbst aus den Zügen mitnehmen sollten. Letztlich tat er dies alles für sein großes Ziel, den letzten großen deutschen Staatskonzern an die Börse zu bringen. Dies zu erreichen, bleibt ihm nun verwehrt.

Immer wieder schien sie beendet - die Ära Mehdorn...

Gekämpft hatte Mehdorn auch nie für irgendeine Privatisierung. Für ihn war klar, dass die 34.000 Kilometer Schienenwege und die Bahnhöfe - kurz das Netz - mit verkauft werden müssten. Denn wer das Netz hat, hat die Macht. Die Macht über Fahrpläne und Stilllegungen, aber auch über Konkurrenten, die dem Fast-Monopolisten und seinen Börsenpläne in die Quere kommen könnten. Ein ums andere Mal wurde das Projekt verschoben und mit der Finanzkrise wohl auf lange Zeit gestoppt. Der Traum des 66-jährigen platzte damit endgültig.

Mehrfach schien in den vergangenen Jahren die Ära Mehdorn bereits beendet, etwa als die Bahn 2003 ein neues Fahrpreissystem den Kunden aufdrängen wollte. „Ich bin kein Handtuchwerfer“, pflegte Mehdorn zu sagen, wenn er nach seinem Rücktritt gefragt wurde. Der häufig als kantig beschriebene Manager setzte sich schneidig über die eigenen „Corporate-Governance“-Grundsätze für eine gute Unternehmensführung hinweg. Die verlangen bei der Bahn, dass Vorstände im Alter von 65 Jahren ausscheiden. Das wäre bereits Ende Juli 2007 der Fall gewesen. Sein Vertrag wurde indes noch im vergangenen Jahr bis 2011 verlängert.

...und jetzt muss er wirklich seinen Stuhl räumen

Jetzt muss Mehdorn den Führerstand der Bahn wegen der immer weiter ausufernden Datenaffäre tatsächlich und vorzeitig räumen. Die deutsche Wirtschaft und die Öffentlichkeit verlieren einen ebenso zielstrebigen wie umstrittenen Spitzenmanager. Freiwillig gab Mehdorn nicht auf. Doch nach den Gewerkschaften entzog ihm am Ende auch Kanzlerin Angela Merkel das Vertrauen.

Der Ingenieur, Hauptmann der Reserve der Bundeswehr, frühere Airbus-Manager und Hobby-Schmied mit kräftigen breiten Händen schien es geahnt zu haben: „Hat immer gekämpft, hat nie alles erreicht. Das ist sein Schicksal“, fasste er selbst schon mal sein Leben zusammen.

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Logisches Ende

Von Susanne Preuß

Die Schlecker-Filialen werden geschlossen, die Mitarbeiter stehen auf der Straße. Eine bittere Nachricht für die Beschäftigten. Aber es gibt auch ein gutes Fazit aus dem Ende der Drogeriekette. Mehr 10 32

01.06.2012 17:45 Uhr
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