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Hannover Messe : In der Fabrik der Zukunft

An den richtigen Stellschrauben drehen: Damit die vierte industrielle Revolution gelingt, muss die gesamte Produktion überwacht werden Bild: dpa

Es ist die größte Industrieschau der Welt: Mehr als 5000 Unternehmen zeigen auf der heute beginnenden Hannover Messe ihre Produkte. Im Zentrum stehen die Vernetzung von Fabriken und die Energiewende

          Es ist das neue Schlagwort, welches die deutsche Industrie momentan beschäftigt wie kein anderes: Industrie 4.0. Der Begriff soll die sogenannte vierte industrielle Revolution zum Ausdruck bringen, die mit dem Einzug der Computertechnik in die Fabriken begonnen hat. Mit ihr werden auch Massenhersteller ihre gesamte Fertigung nach individuellen Wünschen einzelner Kunden ausrichten können. Daher hat sich die Hannover Messe das Thema auf die Fahnen geschrieben. Zum Start der größten Investitionsgütermesse der Welt am Montag auf dem Hannoverschen Messegelände dreht sich fast alles um diese neue Entwicklung.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Die durchdigitalisierte Industrie verspricht nicht nur effizientere Fabriken und produktivere Betriebe. Sie stellt gerade für die deutschen Maschinenbauer und IT-Unternehmen Aufträge in Höhe vieler Milliarden Euro in Aussicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte die Entwicklung auf der Eröffnungsveranstaltung am Sonntagabend „die smarte Industrie“. Mit einem Aufruf zu mehr Innovationskraft in Europa eröffnete sie die Industrieschau in Hannover. „90 Prozent des Wachstums finden außerhalb von Europa statt“, sagte sie. Europa dürfe die nächste industrielle Revolution auf keinen Fall verschlafen.

          Neben der Industrie 4.0 hat im Hannover dieser Tage nur noch das Thema Energiewende einen ähnlich hohen Stellenwert. Kein Wunder: Sehen weite Teile der deutschen Wirtschaft doch mit der angestrengten Energiewende hohe Zusatzkosten auf sich zukommen, die ihre Produkte verteuerten und sie auf den Weltmärkten nicht mehr ganz so konkurrenzfähig erscheinen lassen wie bisher. Die digitalisierte Industrie sowie die angestrebte Energiewende sind als Themen zwar beide nicht ganz neu, nehmen nun aber richtig Fahrt auf. So sagt Jochen Köckler, im Vorstand der Deutschen Messe AG zuständig für die Hannover Messe, zur Eröffnung auch: „Das Rennen ist eröffnet.“

          Angela Merkel auf der Hannover Messe

          Die Veranstalter der diesjährige Leistungsschau haben ihre Veranstaltung unter das Motto „Integrated Industry - Next steps“ gestellt. Und die „nächsten Schritte“ auf dem Weg zur Industrie 4.0 sind die ersten Schritte zur industriellen Praxis. Wurden vor einem Jahr viele Konzepte vorgestellt, so steht nun die Anwendung im Zentrum. In diesem Jahr ist in Hannover die durchdigitalisierte und vernetzte Fabrik erstmals sichtbar.

          Die IBG-Gruppe aus Neuenrade stellt gemeinsam mit dem Roboterhersteller Kuka eine vollautomatische, mit Robotern bestückte Montagezelle für Elektrofahrzeuge vor. In dieser Zelle wird ohne Menschen ein Elektrofahrzeug gebaut. Die gesamte Prozesskette vom Entnehmen der Einzelteile vom anliefernden Lastwagen oder aus dem Lager über die Bearbeitung bis zur fertigen Montage läuft alles vollelektronisch ab. Der Elektrokonzern Siemens zeigt eine Pilotanlage für die Automobilproduktion mit automatischer Türmontage am Beispiel eines VW Golf. Das ostwestfälische Unternehmen Weidmüller, das vor einem Jahr mit einer sich selbst optimierenden Stanz-Biege-Maschine in Hannover war, stellt in diesem Jahr ein Gerät vor, das analoge Produktionsdaten digitalisiert und zur Auswertung in die Cloud schickt. Auch Phoenix Contact verbindet mit Proficloud die Produktionsmaschine mit der Datenwolke. Eine Demonstrationsanlage der Industrie 4.0 zur Herstellung von Etuis stellt die „Technologie-Initiative Smart Factory“ aus. Hier kann der Besucher sehen, wie sich Etuis selbständig durch die Anlage führen und von dieser erkannt und bearbeitet werden. In der Technologie-Initiative Smart Factory unter Leitung von Detlef Zühlke vom „Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz“ (DFKI) in Kaiserslautern arbeiten führende Hersteller von der BASF über Siemens und Phoenix Contact bis zu dem Batteriehersteller Johnson Controls oder dem Traktorenhersteller John Deere an der intelligenten Fabrik der Zukunft.

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