Auf dem deutschen Mobilfunkmarkt zeichnet sich ein mögliches Zusammengehen der dritt- und viertgrößten Anbieter, E-Plus und O2, immer deutlicher ab. In Agenturberichten hieß es nach der Ankündigung des niederländischen Telekomkonzerns KPN, einen Verkauf seiner Tochter E-Plus zu prüfen, es werde eine Zusammenlegung mit dem zum spanischen Telekomkonzern Telefónica zählenden Unternehmen O2 erwogen. Nach ersten entsprechenden Hinweisen im niederländischen Hörfunk hatte ein Sprecher von Telefónica Mutmaßungen über eine Übernahme von E-Plus zurückgewiesen. Es gebe keine Pläne, Teile von KPN zu übernehmen. Dennoch verdichteten sich am Freitag die Hinweise auf eine umfassende Neuordnung des deutschen Mobilfunkmarktes.
Die Deutsche Telekom wollte sich an den Spekulationen nicht beteiligen. Deutschland-Chef Niek Jan van Damme machte allerdings kein Hehl daraus, dass ihm eine solche Entwicklung gelegen käme. „Wir haben immer betont, dass angesichts der großen Fragmentierung und des immensen regulatorischen Drucks eine Konsolidierung innerhalb der wichtigsten europäischen Märkte Sinn macht und von uns begrüßt wird. Das gilt auch für Deutschland“, sagte er dieser Zeitung.
Angeheizt hat die Diskussion über die Neuordnung auf dem deutschen Markt die Zurückweisung des Angebots des mexikanischen Mobilfunkanbieters, seinen Anteil an KPN von rund 5 auf 27,7 Prozent zum Preis von 8 Euro je Aktie (ein Volumen von rund 2,6 Milliarden Euro) zu erhöhen, KPN wies das Angebot als „zu niedrig“ zurück. Der Vorstandsvorsitzende Eelco Blok erwähnte dennoch „konstruktive“ Gespräche mit América Móvil. Daher kann die am Freitag indirekt bekundete Bereitschaft von KPN, die profitable Tochtergesellschaft E-Plus zu verkaufen, als Versuch gewertet werden, den Preis in die Höhe zu treiben. Der Börsenwert von KPN betrug zuletzt 9,2 Milliarden Euro. Seit Wochen wird über eine Übernahme der belgischen Tochter Base durch den einheimischen Konkurrenten Telenet gesprochen.
Schon während der Frequenzauktion vor zwei Jahren war aber darüber spekuliert worden, dass E-Plus in Deutschland verschwinden könne. Das Unternehmen war bei der Versteigerung der wichtigen 800-Megahertz-Frequenzen leer ausgegangen und hinkt nun beim Ausbau des schnellen Datennetzes den Wettbewerbern hinterher. Umso stärker setzten die Düsseldorfer auf ihre Discountstrategie, die die Preise auf dem Mobilfunkmarkt weiter ins Rutschen bringt.
