25.09.2007 · Im Deutschen Lebensmittelhandel herrscht harter Wettbewerb. Die fünf größten Wettbewerber - Edeka, Rewe, Metro, Lidl und Aldi - teilen sich 70 Prozent des Marktes. Doch was macht Metro nun? Und was macht Tengelmann? Die haben aktuell Plus im Angebot.
Von Brigitte KochIm Deutschen Lebensmittelhandel herrscht gnadenloser Wettbewerb. Die fünf größten Wettbewerber, das sind Edeka, Rewe, Metro, Schwarz (Lidl) und Aldi teilen sich derzeit rund 70 Prozent des Marktes. Nach Branchenschätzungen wird diese Handvoll bis 2010 rund Dreiviertel des Marktes bestimmen. Doch bis dahin wird sich viel bewegen.
Der Machtwechsel im Metro-Konzern nährt Spekulationen, dass sich der Handelsriese über kurz oder lang von dem renditeschwachen Lebensmittelhandel der Tochtergesellschaften Real und Extra trennen wird. Aktuell im Schaufenster steht die Discount-Tochtergesellschaft Plus der Mülheimer Tengelmann-Gruppe. Die Eigentümerfamilie Haub will sich nach derzeitigem Bekunden auf eine Minderheitsposition zurückziehen und dem Unternehmen auf diese Weise eine strategische Perspektive unter neuer Führung verschaffen. Damit kommt ein Umsatz von insgesamt annähernd 10 Milliarden Euro auf dem Markt. Allein das mehr als 2800 Märkte umfassende deutsche Filialnetz steht für ein Volumen von rund 6,7 Milliarden Euro.
„Entschieden ist noch nichts“
Die Verhandlungen über die Zukunft der Plus-Märkte, dem wichtigsten deutschen Standbein des Mülheimer Handelskonzerns, dürften sich noch einige Wochen hinziehen. „Entschieden ist noch nichts“, sagte die Sprecherin von Tengelmann am Montag. Für die beiden Hauptinteressenten Edeka und Rewe hat sich aber für kurze Zeit ein Fenster geöffnet, das eigentlich keiner von beiden zuschlagen darf.
Der Discountmarkt, der mit rund 42 Prozent Anteil am gesamten Lebensmittelhandel langsam an seine Wachstumsgrenzen stößt, wird von den beiden Aldi-Gruppen (Nord und Süd) und Lidl dominiert, wobei Aldi laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit geschätzten 27 Milliarden Euro Umsatz mehr als doppelt so groß ist wie Lidl.
Marktführer Aldi und Lidl
Plus und die zum Kölner Rewe-Konzern gehörenden Penny-Märkte liegen vom Umsatz her fast gleichauf, während die Discount-Vertriebsschiene Netto der Hamburger Edeka-Gruppe zuletzt einen Umsatz von rund 3,3 Milliarden Euro erwirtschaftet hat. Trotz aller Marketingbemühungen, sich als der innovative Discounter (Penny), der Profi für die kleinen Preise (Plus) oder der frische Marken-Discounter (Netto) zu positionieren, hat es im Mittelfeld bisher niemand geschafft, den beiden Marktführern auch nur annähernd Paroli zu bieten. Die Übernahme der unternehmerischen Führung von Plus böte nun die große Chance, klare Nummer drei im Discountmarkt zu werden und zumindest zu Lidl aufzuschließen.
Ein Weiteres käme hinzu: Die Supermarkt-Filialen der Gruppe Kaiser's Tengelmann AG, die mit 2,54 Milliarden Euro und rund 700 Filialen im Wettbewerbsvergleich eher eine Nebenrolle spielen, müssten einen starken Partner für den Einkauf gewinnen. Denn die eigene Verhandlungsposition würde nach der Abgabe von Plus in den beinharten Preisrunden mit der Konsumgüterindustrie zu schwach. Dass die Inhaber der Tengelmann-Gruppe, zu der noch die gut florierenden Mehrheitsbeteiligungen an den Obi-Baumärkten und dem Textildiscounter KiK gehören, einen Teilrückzug bei Plus antreten, werten Branchenkenner ohnehin als einen möglichen Einstieg in den Ausstieg aus dem gesamten deutschen Lebensmittelhandel. Bisher wird in Mülheim mit Nachdruck bekräftigt, dass am Filialgeschäft von Kaiser's-Tengelmann festgehalten wird. Auch dem Bundeskartellamt ist nichts Gegenteiliges bekannt.
Kartellamt: „Wir sehen eher gelbes Licht“
Offen ist, ob nur das Inlandsgeschäft an einen der Interessenten weitergereicht wird, oder auch das Auslandsgeschäft abgegeben wird. Theoretisch könnten beide Geschäfte an verschiedene Interessenten veräußert werden. Es ist auch nicht zwingend, dass der künftige Mehrheitseigner von Plus zugleich auch der Kooperationspartner im Einkauf für die Supermärkte ist. Bei der bereits erfolgten Anfrage beim Kartellamt ging es Tengelmann offenbar vor allem darum zu erfahren, ob die Wettbewerbsaufsicht angesichts der Marktverhältnisse umgehend rotes Licht geben würde. Das ist nicht der Fall, wie Hans-Jürgen Ruppelt, Leiter der Beschlussabteilung Groß- und Einzelhandel, dieser Zeitung sagte. "Wir sehen eher gelbes Licht."
Als relevanter Markt wird nach seinen Erläuterungen nicht isoliert der Discount-Bereich betrachtet, sondern der gesamte Lebensmitteleinzelhandel. Denn das Angebotsspektrum sei mittlerweile vergleichbar und gehe auch bei den Discountern immer mehr in Richtung Frische und Fleisch, wenngleich nicht dieselbe Sortimentstiefe geboten werde. Bei keinem der Unternehmen wird die Schwelle erreicht, bei dem eine Marktbeherrschung vermutet wird. So kommt Edeka in Deutschland auf rund 26 Prozent Marktanteil, Rewe auf etwas weniger als 19 Prozent und Tengelmann auf rund 7 Prozent.
Plus galt lange als ein Sorgenkind
Wer auch immer im Bieterstreit zum Zuge kommt, der neue Herr im Hause Plus wird sich je nach Region von Märkten trennen müssen. Etwas mehr als 300 regionale und lokale Märkte werden die Kartellaufseher in Augenschein nehmen und sich dafür nach Eingang einer Anmeldung einige Monate Zeit nehmen. Edeka ist mit seinen gut verdienenden, stark auf Lebensmittel, Markenartikel und Frischprodukte konzentrierten Netto-Märkten am stärksten im Süden und Osten des Landes vertreten, verfügt aber insgesamt über das dichteste Filialnetz im deutschen Lebensmittelhandel. Die Rewe als zweitgrößter deutscher Lebensmittelhändler besetzt starke Positionen im Rhein-Main-Gebiet sowie an Rhein und Ruhr.
Plus galt lange Zeit als ein Sorgenkind der vom heutigen Unternehmenschef Karl-Erivan Haub zur Jahrtausendwende durch eine tiefe Sanierungs- und Restrukturierungsphase geführten Tengelmann-Gruppe. Nicht zuletzt dank der viel beachteten "Kleine-Preise-Kampagne" wurde 2002 die Wende geschafft. Zuletzt ließ die Ertragssituation der - wie die Gesamtbranche - unter dem schleppenden Abverkauf im Nichtlebensmittelgeschäft leidenden Billig-Kette offenbar wieder zu wünschen übrig. Im Mai trennte sich Plus von dem langjährigen Geschäftsführer Michael Hürter. Im Juli wurde das defizitäre Spanien-Geschäft verkauft.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
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| Rohöl Brent Crude | 106,34 $ | −0,48% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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