14.04.2009 · Billig einkaufen ist in der Krise eigentlich im Trend, Discounter gelten als Krisengewinner. Doch ein Unternehmen spürt das offenbar so gar nicht: Die Kaufhauskette Woolworth Deutschland hat Insolvenzantrag gestellt. Woolworth betreibt in Deutschland derzeit 323 Filialen mit etwa 11.000 Mitarbeitern.
Die Billigkaufhauskette Woolworth Deutschland hat Insolvenzantrag gestellt. Das teilte das Frankfurter Amtsgericht an diesem Dienstag mit. Die Woolworth Deutschland GmbH & Co. KG gehört dem britischen Finanzinvestor Argyll Partners und betreibt in Deutschland 323 Filialen mit etwa 11.000 Mitarbeitern. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Ottmar Hermann ernannt.
Obwohl billig einkaufen eigentlich ein Krisentrend ist und Discounter als Gewinner gelten, konnte sich Woolworth in Deutschland offenbar nicht so gut behaupten, wie noch vor kurzer Zeit angenommen. Im Februar hatte der damalige Woolworth-Chef Robert Brech noch Chancen in der Wirtschaftskrise gesehen. Das vom schon untergegangenen britischen Konzern Woolworths unabhängige Unternehmen sei trotz trister Großwetterlage im Handel gut aufgestellt. „Wir sind stabil“, erklärte Brech damals.
Rückläufige Umsätze
Über den Gesamtumsatz der Woolworth Deutschland gibt es keine offiziellen Zahlen, nach Informationen der F.A.Z. aber gingen die Erlöse im vergangenen Geschäftsjahr zurück. 2008 setzte das Unternehmen demnach rund 900 Millionen Euro um. Zum Vergleich: Für 2005 hatte Woolworth noch knapp eine Milliarde Umsatz mit 340 Filialen gemeldet und die Mitarbeiterzahl auf 14.500 beziffert. Zwischenzeitlich ging das Unternehmen vom Finanzinvestor Electra an Argyll Partners über, das Management strich Arbeitsplätze und schloss Filialen.
Erst in der vergangenen Woche hatte Woolworth mit einem überraschenden Chefwechsel Schlagzeilen gemacht: Nach nur vier Wochen im Amt nahm Brech-Nachfolger Stefan Rohrer freiwillig seinen Hut. Zu den Gründen des Rücktritts schweigt sich das Unternehmen bislang aus (siehe dazu auch: Woolworth kommt nicht zur Ruhe).
Lange Tradition
Der Name Woolworth ist ein Synonym für Billigkaufhäuser: Seit genau 130 Jahren gibt es Läden dieses Namens. Zum Sortiment gehören etwa 50.000 Artikel aus den Bereichen Bekleidung, Wäsche, Schreib- und Spielwaren, Haushaltswaren, Heimtextilien und Drogerieartikel - und alles „zum kleinen Preis“, wie das Unternehmen wirbt.
Der 1852 geborene Farmer-Sohn Frank Winfield Woolworth eröffnete am 22. Februar 1879 in Utica im amerikanischen Bundesstaat New York seinen ersten Laden. Besonderheit war, dass alle Artikel zum Preis von einem „Nickel“, also fünf Cent, verkauft wurden. Später kamen auch Waren zum Preis von einem „Dime“, zehn Cent, hinzu.
Die Idee von Woolworth funktionierte. Innerhalb von 50 Jahren entstand eine Warenhauskette mit 2100 Filialen in fünf Ländern. 1926 wurde die deutsche Tochtergesellschaft im Berliner Hotel Adlon gegründet, Mitte 1927 das erste Woolworth-Geschäft in Bremen eröffnet, jeder Artikel kostete 25 oder 50 Pfennige.
Wachsende Konkurrenz sorgt für den Niedergang
Die wachsende Konkurrenz anderer Kaufhausketten und Billigläden machte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Geschäft für Woolworth zunehmend schwieriger. 1997 schloss die amerikanische Mutter die Kaufhäuser in den Vereinigten Staaten und verlegte sich auf den Handel mit Sportartikeln. Der Woolworth-Konzern benannte sich erst in Venator um, seit 2001 heißt das Unternehmen Foot Locker.
Im Laufe des Niedergangs des einstigen Billigladen-Imperiums spalteten sich nach und nach die Auslandstöchter ab. 1982 bereits verließ die britische Tochter den Konzern und formierte sich neu zur nunmehr gleichfalls insolventen Woolworths Group. 1998 hatte sich die Deutsche Woolworth GmbH von der Muttergesellschaft gelöst.
| Name | Kurs | Prozent |
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