31.10.2006 · Die Umsätze im deutschen Einzelhandel sind im September überraschend gesunken. Steigerungen gab es nur in den Branchen, die von der Mehrwertsteuererhöhung im kommenden Jahr stark betroffen sind. Analysten zeigten sich enttäuscht über die Entwicklung.
Die deutschen Einzelhändler haben im September überraschend weniger verkauft als im August. Der Umsatz der Branche sei nominal um 1,4 Prozent und preisbereinigt (real) um 1,7 Prozent gesunken, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Im Vergleich zum September des vergangenen Jahres sank der Umsatz nominal um 0,5 und real um 1,2 Prozent.
Vor allem die Umsätze bei Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren gaben mit einem Minus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich nach. Dabei waren Lebensmittel-Fachgeschäfte stärker betroffen als Supermärkte. Bessere Umsätze machten dagegen vor allem Branchen, die von der Mehrwertsteuererhöhung im kommenden Jahr betroffen sind. So wurde bei Möbeln, Elektrogeräten oder Baubedarf 4,9 Prozent mehr umgesetzt als im September 2005.
Analysten sind enttäuscht
Der starke Rückgang sei eine riesige Enttäuschung, sagte Andreas Scheuerle von der Deka-Bank: „Es sieht so aus, daß der Einzelhandel nicht zu Potte kommt.“ Wenn überhaupt Bewegung zu verzeichnen sei, dann durch vorgezogene Käufe wegen der Mehrwertsteuererhöhung im kommenden Jahr. HVB-Experte Andreas Rees ergänzte, auch die fundamentale Verbesserung am Arbeitsmarkt und der damit verbundene Anstieg der verfügbaren Einkommen habe den Einzelhändlern scheinbar kaum etwas gebracht. Auch der Benzinpreis sei gesunken: „Und trotzdem halten sich die Leute noch immer sehr stark zurück.“
Immerhin konnte die Branche über das Jahr ihr Plus noch halten. Von Januar bis September verkauften die Einzelhändler real 0,4 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt im September mit einem realen Umsatzplus zum Vormonat um 0,5 Prozent und zum Vorjahresmonat um 2,0 Prozent gerechnet.
Käufe „auf den letzten Drücker“ erwartet
Die Analysten werteten das Umsatzplus bei Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf das als Zeichen für vorgezogene Käufe wegen der Mehrwertsteuererhöhung. „Das sind die teuren Güter“, sagte Matthias Rubisch von der Commerzbank. Dafür hielten sich die Deutschen aber offensichtlich an anderer Stelle zurück.
In den verbleibenden zwei Monaten dürfte die Umsätze im Einzelhandel nach Erwartung der Experten aber noch auf breiter Front anziehen. „Die Deutschen kaufen gerne auf den letzten Drücker“, sagte Rees. Die September-Daten widersprächen der Erwartung deutlicher Vorzieheffekte nicht. Scheuerle ergänzte, das Weihnachtsgeschäft werde ebenfalls zum Jahresendspurt der Branche beitragen.
Wieso dat dann
Adalbert Schwalb (aschwalb)
- 31.10.2006, 14:29 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2467 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 106,34 $ | −0,48% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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