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Handel Otto kauft Manufactum

 ·  Erst greift Lidl nach der Ökokette Basic. Jetzt hat die Hamburger Handelsgruppe Otto den kulturkritischen Spezialversender Manufactum komplett übernommen. Wo soll das bloß enden?

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Die Hamburger Handelsgruppe Otto hat den Spezialversender Manufactum komplett übernommen. Damit verliert eines der ungewöhnlichsten Unternehmen seine Unabhängigkeit. Manufactum war vor neunzehn Jahren vom gelernten Buchhändler und ehemaligen Geschäftsführer der westfälischen Grünen Thomas Hoof gegründet worden und erwirtschaftete zuletzt mit 150 Beschäftigten einen Umsatz von hundert Millionen Euro. Manufactum verkauft per Katalog, Internet oder in eigenen Warenhäusern Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs mit Retro-Chic von der Bürste bis zur Grillzange.

Der schillernde ManufactumGründer Thomas Hoof bleibt dem Unternehmen verbunden. Für die Feinde des Massenkonsums dürfte die Übernahme durch den 15-Milliarden-Konzern trotzdem ein schwerer Schlag sein. Hoof, gelernter Buchhändler und eine Zeitlang Landesgeschäftsführer der westfälischen Grünen, hatte mit der Gründung von Manufactum auf jene Verbrauchergruppe gezielt, „die unter der Banalisierung der Produkte leiden“ müsse. Er hatte das Sortiment seines Unternehmens als Antwort auf die anonyme Massenware gesehen oder zumindest positioniert.

Das Banale als Feind des Guten

„Heute, spätestens, ist der Feind des Guten endgültig nicht mehr das Bessere, sondern das Schlechtere, Billigere, Banale.“ Das ist so ein Satz, wie ihn Hoof gelegentlich formulierte. Feuilletonisten, die das Unternehmen liebevoller begleiteten als Wirtschaftsredakteure, bescheinigten der Unternehmerpersönlichkeit einen Hang zur Kulturkritik: Den Verzicht auf „sortimentskonzeptionell Zweifelhaftes“ begründete Hoof mit Hinweis auf Herbert Marcuses „repressive Toleranz“. Da lassen sich erste Reibungsverluste ahnen: Dass der Handelskonzern Otto in seiner Sortimentspolitik offener ist, beweisen dagegen die rund 130.000 Artikel in seinen Katalogsortimenten.

Angefangen hatte Hoof mit Manufactum, nachdem er vergebens nach einem anständigen Küchenmesser gefahndet hatte und erst bei einem Spezialbetrieb fündig wurde, der Metzger mit scharfen Klingen belieferte.

Ein Kaufhaus in Köln

In den inzwischen schon legendären Manufactum-Katalogen finden sich Artikel des täglichen Bedarfs, die den hohen Qualitätsansprüchen des Gründers genügen, allerdings auch teuer sind. Die Artikel und vor allem deren Herstellung werden in den Manufactum-Katalogen liebevoll, kenntnisreich und gelegentlich sogar lyrisch beschrieben. Als Kunde von Manufactum braucht man „wahrscheinlich eine Art Sinnesfreude und das Faible für etwas technisch richtig Gelungenes“, philosophierte Hoof. „Das ist nichts für Funktionspuritaner.“

Neben dem Versandhandel baute das Unternehmen eine kleine Warenhauskette in sieben deutschen Städten auf und eröffnete Feinkostgeschäfte unter dem Namen Brot und Butter, die aber nicht alle von Erfolg gekrönt waren. In Frankfurt musste das Geschäft schnell wieder schließen. Im Frühjahr nächsten Jahres will das Unternehmen auf 1100 Quadratmetern ein weiteres Kaufhaus in Köln eröffnen. Das Unternehmen soll mehr als 100 Millionen Euro Umsatz erzielt haben.

Eigenständigkeit der Gruppe soll gewahrt bleiben

Otto wird vor allem die Expansion von Manufactum vorantreiben und verspricht, die Eigenständigkeit der Gruppe zu wahren. Die Hanseaten haben sich zu einem Spezialisten für die Expansion von Einzelhandelsketten gemausert. So gehören exotische Modeketten wie Castro und Zara Deutschland, Edel-Möbelhäuser von Crate & Barrel, der Jagd- und Trachtenspezialist Frankonia und Sportscheck zur Otto-Gruppe. Die Hamburger sind schon seit knapp 10 Jahren an Manufactum Hoof & Partner beteiligt, zuletzt mit 50 Prozent. Das Kartellamt stimmte der kompletten Übernahme am Donnerstag zu.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.09.2007, Nr. 37 / Seite 42
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17.09.2007, 11:38 Uhr

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