Home
http://www.faz.net/-gqi-t34i
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Handel Niederlage für Karstadt-Quelle

25.08.2006 ·  Der Handelskonzern Karstadt-Quelle muß um weitere wertvolle Grundstücke der früheren Kaufhausdynastie Wertheim bangen: Das Lenné-Dreieck am Potsdamer Platz in Berlin ist der Jewish Claims Conference zugesprochen worden. Der Konzern will sich wehren.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Karstadt-Quelle hat im jahrelangen Streit um wertvolle Grundstücke der früheren Kaufhausdynastie Wertheim in Berlin eine weitere Niederlage erlitten. Der Handelskonzern will sich aber nicht geschlagen geben.

Das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) habe der Jewish Claims Conference (JCC) das so genannte Lenné-Dreieck am Potsdamer Platz zugesprochen und den Antrag von Karstadt-Quelle auf Rückübertragung zurückgewiesen, sagte am Freitag eine Sprecherin der Behörde.

Nicht beanspruchtes Vermögen für wohltätige Zwecke

Ausschlaggebend sei, daß die jüdische Familie ihr Vermögen in der NS-Diktatur verloren habe. „Der Vermögensverlust war somit verfolgungsbedingt“, begründete sie den Bescheid.

Die JCC vertritt die jüdische Gemeinschaft in Verhandlungen zur Entschädigung von NS-Opfern und nutzt das jüdische Vermögen in der DDR, das von den früheren Eigentümern oder deren Erben nicht bis zum Ende zur gesetzlichen Anmeldefrist Ende 1992 beansprucht wurde, für wohltätige Zwecke.

Wert der Grundstücke im Osten nicht berücksichtigt

Die Behördensprecherin sagte, die Wertheims seien zwar weder vom NS-Regime enteignet noch direkt zum Verkauf ihres Vermögens gezwungen worden, der jüdische Teil der Dynastie habe aber unter dem Druck der Nationalsozialisten das Vermögen auf den nichtjüdischen Teil der Familie übertragen.

In den 50er Jahren verkauften die Nachfahren und Erben dieser Linie das Vermögen. Die als jüdisch eingestuften Franz und Wilhelm Wertheim und die Nachfahren von Georg Wertheim wurden in den 1950er Jahren zwar entschädigt, der Wert ihrer im Osten gelegenen Grundstücke wurde damals jedoch nicht berücksichtigt.

Karstadt-Quelle will bis zur letzten Instanz klagen

Karstadt-Quelle-Sprecher Jörg Howe sagte, der Handelskonzern werde gegen die Entscheidung bis zur letzten Instanz klagen, um seine Ansprüche durchzusetzen. „Das wird notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof gehen, was dann mindestens fünf Jahre dauern dürfte.“ Karstadt-Quelle werde keine Rückstellungen für mögliche Entschädigungen bilden.

Das Grundstück am Potsdamer Platz ist der mit Abstand wertvollste Teil der umstrittenen Liegenschaften. Im Jahr 2000 hatte Karstadt-Quelle das 19.000 Quadratmeter große Areal für 145 Millionen Euro an Metro-Gründer Otto Beisheim verkauft. Heute steht auf dem Gelände das Beisheim-Center mit Bürogebäuden und den Hotels Ritz Carlton und Marriott.

Nicht die erste Niederlage des Konzerns

Die Fläche war 1991 dem Hertie-Warenhauskonzern vom Land Berlin kostenlos überlassen worden. Damals lag der Verkehrswert nach Angaben von Karstadt-Quelle bei 20 Millionen Euro. Hertie hatte Wertheim Anfang der 1950er Jahre erworben und war 1994 selbst von Karstadt geschluckt worden. Deshalb wurde Karstadt-Quelle als Rechtsnachfolger von Wertheim betrachtet.

Im Streit um vier andere ehemalige Wertheim-Grundstücke in Berlin war Karstadt-Quelle im vergangenen Jahr unterlegen und hatte auch seine Klagen gegen entsprechende Gerichtsbeschlüsse zurückgezogen. In einem Fall hatte das Bundesverwaltungsgericht Ende Oktober in letzter Instanz entschieden, daß ein strittiges Grundstück an der Leipziger Straße der JCC zuzurechnen sei.

Der Konzern argumentiert aber, daß das Lenne-Dreieck 1988 - noch vor der Wiedervereinigung - im Zuge einer Grenzbereinigung an West-Berlin und damit an die Bundesrepublik Deutschland fiel. Alle der JCC zugesprochenen Flächen lagen dagegen bis 1990 auf dem Boden der DDR.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 8 7

29.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.396,84 +1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2467 −0,17%
Rohöl Brent Crude 106,34 $ −0,48%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.