Der Düsseldorfer Konzern geht das Übernahmeprojekt mit einem Wachstumsschub und Rückenwind auf dem Heimatmarkt an. Im zweiten Quartal 2006 wuchs der Konzernumsatz so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr. Die Lebensmittelsparte mit Real und Extra erzielte in Deutschland erstmals seit drei Jahren auf gleicher Fläche mehr Umsatz.
Die spektakuläre Übernahme des Deutschland-Geschäftes von Wal-Mart durch den Handelskonzern Metro wird nicht ohne Einschnitt geschehen. Wenige Tage nach der Bekanntgabe des Metro-Großeinkaufs zeichnet sich ab, daß die Deutschland-Zentrale von Wal-Mart in Wuppertal - die 700 Mitarbeiter hat - vor dem Aus steht.
Langfristig keine zwei Zentralen
Metro-Chef Hans-Joachim Körber wollte sich am Dienstag in Düsseldorf bei der Vorlage von Quartalszahlen zwar nicht näher zum Thema Arbeitsplätze äußern. Angesichts der noch erforderlichen Genehmigung durch die Kartellbehörden ist die Diskussion aus seiner Sicht verfrüht. Zugleich ließ er jedoch keinen Zweifel daran, daß es langfristig nicht nebeneinander zwei Zentralen von Wal-Mart Germany und Real geben könne. „Aber es muß auch klar sein, daß eine Vertriebslinie am Ende des Tages nur ein Headquarter braucht“, sagte er. Die Tochter Real, die die 85 Märkte von Wal-Mart Germany in ihr Filialnetz eingliedern soll, hat ihre Zentrale in Mönchengladbach.
Körber sieht gute Chancen für betroffene Mitarbeiter, innerhalb des Metro-Konzerns einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Der Handelskonzern habe allein in Düsseldorf 5000 Arbeitsplätze. In Köln seien es 2000 und in Mönchengladbach 1000, erläuterte der Vorstandsvorsitzende der Metro AG. Die Wal-Mart-Märkte verstärkten das Real-Filialnetz gerade im Norden und Südwesten. Auch aus der betriebswirtschaftlichen Sicht sei der Zukauf sinnvoll. Der Konzern erwartet für Real Kostenvorteile bei gestiegener Einkaufsmacht. Die Übernahme von Wal-Mart Deutschland und der Kauf von Geant-Märkten in Polen verdeutliche, daß die Metro den Selbstbedienungs-Warenhäusern strategische Bedeutung bemesse.
Gewinnsprung bei Real
Die Konzerntochter Real, die 2005 rote Zahlen schrieb, erzielte dank Kostensenkungen einen operativen Gewinnsprung. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wurde auf 5,1 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Der Umsatz stieg um zwei Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. In Deutschland ging er durch die Abgabe von Extra-Märkten um 0,8 Prozent zurück. Auf gleicher Verkaufsfläche stieg er hier zu Lande um 0,3 Prozent. Real war 2005 durch Discounter, einen Hackfleischskandal in zwei Filialen sowie dem benzinsparenden Einkauf von Verbrauchern, die nicht mehr so oft an den Stadtrand fahren, unter Druck geraten.
Der Metro-Konzern profitierte von der Fußball-WM. Hinzu kam das Ostergeschäft, das in diesem Jahr in das zweite Quartal fiel. Der Konzernumsatz stieg im zweiten Quartal um 7,9 Prozent auf 14 Milliarden Euro. In Deutschland waren es zwei Prozent mehr. Der Vorsteuergewinn kletterte um 16,6 Prozent auf 201 Millionen Euro. Die Warenhaustochter Kaufhof verbuchte mit 4,8 Prozent einen so kräftigen Umsatzanstieg wie lange nicht mehr. Dabei spielten auch längere Öffnungszeiten bei der WM eine Rolle. Die Elektroniktöchter Media Markt und Saturn verkauften durch die WM mehr Fernseher.
