Der Handelskonzern Metro hat die Weichen für einen Börsengang der Baumarkt-Tochter Praktiker gestellt. Ein alternativ erwogener Verkauf von Praktiker an den britischen Finanzinvestor Permira ist vom Tisch.
Der Aufsichtsrat habe sich dafür ausgesprochen, den Börsengang zu forcieren, teilte Metro am Donnerstag in Düsseldorf mit. Der Konzern wolle die Mehrheit seiner Anteile an Praktiker abgeben. „Die Pläne für den Verkauf sind eingestellt, sie werden nicht weiter verfolgt“, betonte ein Sprecher. „Die Verhandlungen (mit Permira) sind eingestellt.“
Aufsichtsrat: „Keine endgültige Entscheidung“
Branchenexperten waren trotz des Aufsichtsratsbeschlusses skeptisch, ob Metro sich damit endgültig von der Verkaufsoption verabschiedet habe oder nur spekuliere, durch die Ankündigung des Börsenganges den Verkaufspreis hochzutreiben. Auch Aufsichtsräte sprachen davon, daß die Entscheidung noch nicht endgültig sei. Permira wollte sich dazu nicht äußern.
Die Entscheidung für den Börsengang sei „nach sorgfältiger Abwägung der Szenarien“ gefallen, teilte der Konzern mit. Drei Mitglieder des Aufsichtsrates, die nicht genannt werden wollten, sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die Debatte im Aufsichtsgremium sei kontrovers geführt worden. „Es gibt eine favorisierte Lösung, aber keine endgültige Entscheidung“, sagte ein Aufsichtsrat.
Kapitalerhöhung über 150 Millionen Euro
Die Vorbereitungen für den Börsengang seien bereits „weit vorangeschritten“, erklärte Metro. In Finanzkreisen hieß es zuletzt, die Erstnotiz für Praktiker sei für den 18. November vorgesehen.
Metro will sich demnach zunächst nur von 75 Prozent der Anteile trennen und eigene Aktien im Wert von 700 Millionen Euro abgeben. Zudem sei eine Kapitalerhöhung über 150 Millionen Euro geplant, so daß Metro 850 Millionen Euro einnehmen könnte. Als geforderter Preis bei einem Verkauf der kompletten Kette waren 1,15 Milliarden Euro genannt worden.
Praktiker: „Börsengang ist große Chance“
Praktiker selbst erklärte am Donnerstag, die Baumarktkette strebe eine Notierung im Prime Standard der Frankfurter Börse an. „Der Börsengang ist eine große Chance für Praktiker. (Er) wird Praktiker in die Lage versetzen, die Internationalisierung des Geschäfts noch schneller als bisher voranzutreiben“, sagte Vorstandschef Wolfgang Werner.
Auch die Praktiker-Mitarbeiter favorisieren nach den Worten von Gesamtbetriebsratschefin Marliese Grewenig einen Börsengang. „Die Beschäftigten treten natürlich für die Variante ein, die mehr Arbeitsplätze sichert. Bei einem Börsengang erwarten wir, daß auch in Zukunft weiter in Deutschland investiert wird und nicht nur im Ausland.“ Einen Verkauf an einen Investor sähen sie skeptisch. „Es gibt die Befürchtung, daß dann einige defizitäre Märkte in Deutschland eher geschlossen werden.“
Aktie im Minus
Aktienhändler zweifelten jedoch weiter daran, ob es letztlich zu einem Börsengang kommen wird. „Es kann immer noch der Fall sein, daß sie pokern“, sagte ein Börsianer. „Da wird definitiv noch versucht, den Preis (für die Preisspanne bei einem Börsengang) so hoch wie möglich zu drücken.“ Angesichts der Diskussion um eine Mehrwertsteuererhöhung sei gegenwärtig nicht der ideale Zeitpunkt für einen Börsengang.
Experten hatten sich im Vorfeld für einen Verkauf der Sparte ausgesprochen. Nur dies sei eine saubere Lösung. Die Metro-Aktie notierte zum Schluß des elektronischen Handels 1,35 Prozent im Minus bei 37,92 Euro.
