17.03.2010 · Der Düsseldorfer Metro-Konzern steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Künftig gibt es weniger Tochtergesellschaften. Statt dessen besinnt sich die Metro zurück auf ihre zwei wichtigsten Kerngeschäfte: den Abhol-Großhandel und Media-Markt/Saturn.
Von Brigitte Koch, DüsseldorfDer Düsseldorfer Metro-Konzern steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Wie am Dienstagabend im Anschluss an eine Aufsichtsratsitzung und am Mittwoch während der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens mitgeteilt wurde, soll die Konzernstruktur neu aufgestellt werden. So ist geplant, die Verwaltungsfunktionen Metro AG und Metro Cash & Carry zu verschmelzen. Damit sollen Doppelstrukturen in der Führung abgebaut und Kosten in der Verwaltung eingespart werden. Zugleich wird die direkte Verantwortung für das operative Geschäft der mit Abstand wichtigsten Konzernsäule künftig nicht mehr auf der Ebene einer Tochtergesellschaft, sondern bei der Metro AG liegen.
Ein wesentlicher Bestandteil der neuen Konzernstruktur ist die Gliederung der mittlerweile in 30 Ländern präsenten, rund 31 Milliarden Euro Umsatz repräsentierenden Metro Cash & Carry-Gruppe in zwei Geschäftseinheiten. Dabei soll sich Joël Saveuse, bislang im Metro-Holdingvorstand für die Tochtergesellschaft Real zuständig, künftig um das Cash & Carry-Geschäft in Deutschland, West- und Osteuropa kümmern. Der Niederländer Frans Muller, der im Vorstand bisher das gesamte Cash & Carry-Geschäft verantwortet, wird sich auf die Führung der derzeit besonders wachsenden Geschäftseinheit Asien/Neue Märkte konzentrieren.
Konsequentere Konzentration auf die Kernkompetenzen
Der Metro-Konzern hat im Jahr 2009 Umsatzrückgänge verzeichnen müssen. Der Umsatz nahm um 3,6 Prozent auf 65,5 Milliarden Euro ab, teilte Metro am Mittwoch im Zuge einer vorgezogenen Bilanzvorstellung mit. Das ging jedoch auf Wechselkurseffekte zurück. In den Währungen der jeweiligen Länder stieg der Umsatz leicht um 0,2 Prozent. Der Konzerngewinn sank 2009 um fast 7 Prozent auf 519 Millionen Euro. Bereinigt um Aufwendungen für den Konzernumbau stieg der Gewinn um 14 Prozent auf 824 Millionen Euro. Am Dienstagabend war bereits in einer Pflichtmitteilung ein leicht über den Analystenschätzungen liegendes operatives Ergebnis vor Sonderposten von 2,024 (Vorjahr: rund 2,2) Milliarden Euro veröffentlicht worden.
Die geplante neue Konzernstruktur deutet darauf hin, dass sich der Metro-Konzern künftig weit konsequenter als bisher auf seine beiden Kernkompetenzen konzentriert. Dazu zählen der Abhol-Großhandel, in dem Metro eine führende Position auf dem Weltmarkt besetzt und die Elektro-Fachmärkte von Media-Markt/Saturn als die Nummer eins in Europa. Frühere Börsenpläne für diesen Wachstumstreiber, an dem die beiden Gründerfamilien noch eine Minderheit halten, scheinen vom Tisch zu sein.
Offenbar will das Management in Zukunft mit der sich abzeichnenden Konzentration auf weniger Vertrieblinien seine finanziellen Ressourcen gezielter in die Wachstumstreiber lenken, also vornehmlich das Asiengeschäft von Metro Cash & Carry und Media-Markt/Saturn. Der Vorstandsvorsitzende Eckhard Cordes hatte unlängst angekündigt, das internationale Wachstum wieder deutlich beschleunigen zu wollen. Schon kurz nach seinem Amtsantritt vor zwei Jahren hatte er seinen Fahrplan für Metro skizziert. So wurde die Tochtergesellschaft Kaufhof als Nicht-Kerngeschäft definiert, weil sie nicht in die Internationalisierungsstrategie passt. Auch das unbefriedigende Deutschlandgeschäft des SB-Warenhausunternehmen Real wurde seinerzeit auf den Prüfstand gestellt.
Für den Kaufhof könnte scih eine Lösung abzeichnen
Für den Kaufhof könnte sich jetzt eine Lösung im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf des insolventen Wettbewerbers Karstadt abzeichnen. Marktgerüchten zufolge soll der Schlüssel darin liegen, dass ein Finanzinvestor beide Kaufhausgruppen unter einer noch näher zu definierenden Mitwirkung der Metro zu einem Unternehmen zusammenführt. Das langjährige Sorgenkind des Konzerns, Real Deutschland, hat im vergangenen Jahr weitere Fortschritte beim Ergebnis gemacht, was einen möglichen Verkauf erleichtern dürfte. Für das erfolgreiche Auslandsgeschäft der Real-Gruppe dürfte Metro nach Meinung von Branchenkennern schnell Interessenten finden, sollte es aus dem Kernportfolio des Handelsriesen gestrichen werden.
Mit der Aufteilung des Cash-&-Carry-Geschäftes in zwei Geschäftseinheiten will der Vorstand offensichtlich der höchst unterschiedlichen Entwicklung der einzelnen Märkte Rechnung tragen. Reife und entwickelte Märkte, wie sie Metro in West- und Osteuropa antrifft, erforderten andere Geschäftskonzepte als die aufstrebenden Märkte in Schwellenländern, dürfte die hinter dem Umbau steckende Philosophie lauten. So hatte Metro im abgelaufenen Geschäftsjahr in Deutschland, Westeuropa und Osteuropa mit zum Teil erheblichen Umsatzverlusten zu kämpfen, und zwar auch auf vergleichbarer Fläche. Hingegen erreichten die Märkte in Asien und Afrika neue Bestmarken beim Umsatz. Besonderes Augenmerk gilt derzeit dem unbefriedigenden Deutschland-Geschäft. Mehr Eigenmarken, eine stärkere Kundenbindung, neue Ladenkonzepte oder die Einführung eines Lieferservices sollen hier zur Restrukturierung beitragen.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
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| Rohöl Brent Crude | 106,31 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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