01.07.2010 · Der Online-Einzelhändler verkauft in Deutschland jetzt auch Lebensmittel wie Gemüse, Fisch, Fleisch und Kaffee. Die Produkte werden von Amazon selbst und von über 60 Partnern über die Plattform angeboten. Ob es ein Erfolg wird? Viele andere haben sich damit online schon schwer getan.
Von Holger SchmidtVerkauft werden mehr als 40.000 Lebensmittel von frischem Fleisch über 5000 verschiedene Kaffeesorten bis zur Kaviardose. „Das ist die größte Auswahl an Lebensmitteln, die es in Deutschland online gibt“, sagte Amazon-Manager Christian Bubenheim. Rund 10 Prozent der Produkte stammen direkt von Amazon, der Rest von 60 Partnern wie Froodies oder Lebensmittel.de. Unverderbliche Waren gelangen per Amazon-Paket zum Kunden; frische Produkte werden direkt mit Kühlwagen ausgeliefert. Bei Lieferungen mit einem Warenwert von 20 Euro und mehr berechnet Amazon keine Versandkosten.
In der Vergangenheit sind viele Versuche auch größerer Händler, Lebensmittel im Internet zu verkaufen, gescheitert. Zwar gibt es viele Spezialversender wie Gourmondo.de, doch der Vertrieb in großem Stil hat sich wegen des harten Preiskampfs im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel und der komplexen Logistik bisher nicht durchgesetzt. Amazon als weltgrößter Online-Händler hofft nun, von zwölf Jahren Erfahrung im deutschen Markt und Erkenntnissen aus den Vereinigten Staaten zu profitieren, wo das Unternehmen 300.000 Lebensmittel per Mausklick verkauft. Trotz der Logistikkosten seien die Preise „sehr wettbewerbsfähig“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Auch die demographische Entwicklung kommt Amazon entgegen. Eine älter werdende Gesellschaft, mehr Alleinstehende und weniger kinderreiche Familien sowie die steigende Akzeptanz des Online-Einkaufs könnten bessere Bedingungen für den Lebensmittelhandel im Netz sein.
Keine eigenen Lastwagen
Amazon verzichtet vorerst auf den Einsatz eigener Lastwagen für die Zustellung. Dieses „Amazon Fresh“ Programm bleibt auf die Region um den Firmensitz im amerikanischen Seattle beschränkt. Frische Produkte bringen dann Partner, die innerhalb von einem bis drei Werktagen liefern sollen. Bei sensiblen Gütern wird telefonisch ein Lieferzeitpunkt vereinbart.
In einigen Städten werden die Pakete noch am selben Tag an einer Packstation zur Abholung bereitgestellt. „Natürlich gelten auch die üblichen Umtauschrechte“, sagte die Sprecherin. Bald will Amazon auch Lebensmittel-Abonnements einführen. Wer zum Beispiel regelmäßig Wein, Wurst und Käse geliefert bekommen will, spart 10 Prozent des Kaufpreises, verspricht das Unternehmen.
Amazon baut sein Sortiment Schritt für Schritt aus. Neben den Lebensmitteln werden seit dieser Woche zum Beispiel auch Musikinstrumente verkauft. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 19,1 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 645 Millionen Dollar erzielt. Das Unternehmen verkauft aber nicht nur eigene Produkte, sondern lässt auch andere Händler auf seiner Seite zu. Zudem ist Amazon mit dem elektronischen Lesegerät Kindle im Buchmarkt aktiv. Als weiteren Zweig betreibt Amazon riesige Rechenzentren, in denen andere Unternehmen Speicherplatz mieten können. Dieses „Cloud-Computing“ gilt als attraktiver Wachstumsmarkt in der Computerwelt. Unter dem Namen „Mechanical Turk“ bietet Amazon auch die Dienste vieler Menschen an, die nicht von Maschinen erledigt werden können. Dazu gehört zum Beispiel das Zuordnen von Produkten zu Kategorien oder das Bestimmen von Farben.
Falsch
Dieter Weitzel (DieterWeitzel)
- 01.07.2010, 19:01 Uhr
Wer die gekühlte Flasche Milch liefert wird auch alles Andere liefern
Bernd von Zech (vonZech)
- 02.07.2010, 01:48 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2468 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 106,31 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?